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Parken im Karwendel: Saftiges Bußgeld für Wanderer – „Nicht verstanden, was falsch war“

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Von: Rudi Stallein

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An der oberen Isar wird das Parken abseits der Straße –wie auf dieser Schotterfläche – immer wieder geahndet. Das sorgt für Konflikte.
An der oberen Isar wird das Parken abseits der Straße –wie auf dieser Schotterfläche – immer wieder geahndet. Das sorgt für Konflikte. © Archiv

Das Thema Parken im Naturschutzgebiet sorgt öfter für Ärger. Aktuell beschäftigt es vermehrt das Amtsgericht Wolfratshausen. Das stellt reihenweise Verfahren gegen Autofahrer ein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Parksituation im Naturschutzgebiet „Karwendel und Karwendelvorgebirge“ beschäftigt aktuell vermehrt das Wolfratshauser Amtsgericht. Seit Corona zieht es die Menschen verstärkt in die nahen Berge, was angesichts der damit einhergehenden Blechlawine unweigerlich vor allem in Schutzgebieten Probleme bereitet.

Dies wiederum hat die Ranger und Naturschutzwächter sensibilisiert, die regelmäßig Fahrzeuge melden, die abseits der ausgewiesenen Parkplätze abgestellt werden. Zahlreiche „Falschparker“ wurden deshalb in den vergangenen Monaten von der Unteren Naturschutzbehörde zur Kasse gebeten – und weigern sich, das Bußgeld zu bezahlen. Das Gericht sieht Konkretisierungsbedarf in der Naturschutzverordnung – und stellt etliche Verfahren ein.

Autofahrer: „Nicht verstanden, was ich falsch gemacht habe“

Der Mann war sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe nicht verstanden, was ich falsch gemacht habe“, erklärte der Münchner am Mittwoch vor dem Zivilgericht am Amtsgericht Wolfratshausen, welches über seinen Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid der Unteren Naturschutzbehörde entscheiden musste.

Im vorigen Herbst war er mit seiner Ehefrau und seinen Eltern im Naturschutzgebiet gewandert. Als er zu seinem Auto, dass er vom Sylvensteinsee kommend bei Vorderriß an der Straße geparkt hatte, zurückkam, klemmte hinter dem Scheibenwischer ein Strafzettel. „Das hat mich überrascht“, erklärte der Wanderer und beteuerte: „Es gab für mich kein Anzeichen, dass ich da nicht parken darf.“

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Parken im Naturschutzgebiet: Bußgeldbescheid über 55 Euro

Die Stelle, für die er sich entschieden hatte, nachdem er sich die Situation zuvor „eine ganze Zeit lang angeschaut hatte“, habe für ihn „ausgesehen wie eine Parkbucht“. Ein Baumstamm, der die Einfahrt verhindert hätte, sei nicht vorhanden gewesen, und ein Absperrband flatterte erst in weiter Ferne.

Richterin Rosemarie Mamisch ließ den Mann, der gegen den Bußgeldbescheid über 55 Euro zuzüglich 28,50 Euro Verwaltungsgebühr Einspruch eingelegt hatte, nicht lange zappeln. Sie zitierte aus der Verordnung des Naturschutzgebiets „Karwendel und Karwendelvorgebirge“, wo es in Paragraf 4, Absatz 2, sinngemäß heißt: Im Naturschutzgebiet ist es verboten, außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen mit Fahrzeugen aller Art oder mit Wohnwagen zu fahren oder diese dort abzustellen.

Kein Freispruch, aber Verfahren werden eingestellt

„Ich meine, dass es tatsächlich unklar ist“, pflichtete die Richterin dem Beklagten bei. Deshalb sei sie bereit, dass Verfahren einzustellen. Sie betonte jedoch auch: „Das ist kein Freispruch.“ Aber ob der Platz, an dem der Münchner seinen Pkw abgestellt hatte nun als Seitenstreifen zu werten sei oder nicht, sei auch in ihren Augen „nicht ganz eindeutig“, erläuterte Mamisch. Ihre Empfehlung an den Vertreter des Landratsamts: „Die Naturschutzverordnung muss genauer formuliert werden.“

Von dieser „Rechtsunsicherheit“ profitierten am selben Tag drei weitere Betroffene, die ebenfalls beim Parken an der Straße zwischen Vorderriß und Hinterriß Knöllchen kassiert hatten. Viele ihrer Vorgänger hätten in vergleichbaren Fällen verurteilt, „ich finde es nicht so leicht“, erklärte die Richterin.

Untere Naturschutzbehörde in Bad Tölz muss wohl nachbessern

„Wir werden überlegen, wie wir damit umgehen“, sagte Mitarbeiter Andreas Betz, der die Untere Naturschutzbehörde vor Gericht vertrat. Der Kern der Frage sei: Was gehört zur Straße, auch Rand- und Sicherheitsstreifen, der meist aus Grasnarbe, Kies und Schotter bestehe? Straßen- und Begrenzungspfosten allein reichen offenbar nicht aus, um die Grenzen deutlich zu markieren. Möglicherweise könnte das Aufstellen weiterer Zonenhalteverbotsschilder für mehr Klarheit sorgen.

Die Frage des Wanderers, was er denn tun könne, um künftig solchen Ärger zu vermeiden, konnte Betz hingegen leicht beantworten. „Nur dort parken, wo es ein blaues Parkplatzschild erlaubt“, erklärte der Behördenvertreter, musste jedoch im selben Atemzug eingestehen: „Davon gibt es wenige.“

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