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Schwimmen mit den Schweinen auf Pig Island wollte Barbara Siede lieber nicht. Beim Füttern rückten ihr die Tiere nämlich ganz schön auf die Pelle.

Auf dem Katamaran 

Mit 89 auf Segeltörn vor den Bahamas

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Lenggries –  Barbara Siede hat Heiligabend auf den Bahamas verbracht. Im März wird sie 90 Jahre alt – das Alter hielt die Lenggrieserin nicht davon ab, mit ihrem Sohn auf einem Katamaran mitzusegeln. „Es war eine Herausforderung“, sagt sie.

Am Ufer im Atlantik hat Barbara Siede einen Rochen gesehen. Der dunkle Knorpelfisch lag ganz ruhig im Sand. Die Menschen neben ihr trauten sich nicht, ihn anzufassen. „Aber tapfer wie ich bin, hab ich ihn gestreichelt“, sagt Siede.

Die 89-Jährige überlegt nicht, sie macht einfach und vertraut darauf, dass alles gut geht. So war das auch, als Sohn Reinhard die Lenggrieserin auf seinen Katamaran eingeladen hat. Weihnachten auf den Bahamas? „Nur wenn mich jemand abholt und wieder heimbringt“, hat Siede zu ihrem Sohn gesagt.

Gut festhalten: Barbara Siede kurz nach dem Start auf dem Katamaran. Im Hintergrund ist das neue Casino in Nassau zu sehen.

Mit dem Koffer zum Flughafen und zurück, das geht freilich nicht mehr, wenn man im März 90 Jahre alt wird. Aber 20 Tage am Stück durch die Welt zu reisen, davor hatte Siede keine Angst. „Viele fragen mich, wie ich in meinem Alter noch so fit sein kann. Darauf antworte ich, dass ich ein tiefes Gottvertrauen habe und versuche, aus allem das Beste zu machen.“ Gesunde Ernährung gehöre sicher auch dazu. Und „die feuchte Seeluft bügelt alle Falten weg.“

Sohn Reinhard (62) segelt seit ein paar Jahren durch die Weltmeere und erfüllt sich einen Lebenstraum. Zwei seiner Mitsegler aus München nahmen Barbara Siede mit in den Inselstaat. Beim Umsteigen in Atlanta kutschierten sie die 89-Jährige im Rollstuhl zum Anschlussflieger – zum Laufen wäre es zu weit für sie gewesen. „Das kann ich jedem nur empfehlen, da darf man überall an der Schlange nach vorne“, schmunzelt Siede.

Auch im Katamaran wusste sich Siede zu helfen. Die große Stufe in ihre Kabine meisterte sie dank eines Hockers. Und weil sie mit ihrem Knie nicht in der starken Strömung hätte schwimmen können, hielt sie sich mit einem Seil am Katamaran fest, so dass sie in ihrer Schwimmnudel liegen konnte. „Wie eine Qualle“, beschreibt Barbara Siede das.

Als Sohn Reinhard und die beiden Mitsegler Maro (52) und Albert (62) zum Schnorcheln an den Strand von Pig Island gefahren sind, blieb Barbara Siede dann aber doch lieber im Beiboot sitzen. Dort sind schwimmende Schweine die Touristenattraktion. „Ich habe sie mit Crackern gefüttert und als ich nichts mehr hatte, haben sie sich an meinem Bein geradezu festgesaugt.“

Auf dem Katamaran „Wiki“ ging es mitunter recht turbulent zu. Sohn Reinhard musste „hart am Wind“ segeln, also beim kleinsten noch segelbaren Wind. Auf Zickzack-Kurs musste der Katamaran so 440 statt der üblichen 300 Kilometer zurücklegen. Siede hat gefilmt, wie sich der Katamaran fast in einen rechten Winkel zur Meeresoberfläche neigte. Schlecht wurde ihr dabei nicht. Trotzdem weiß sie nicht, ob sie so einen Segeltörn nochmals machen würde. „Es ist eine körperliche Herausforderung, von Griff zu Griff durch das Schiff zu turnen“, sagt sie. „Ich gehe ja dann auf die 100 zu.“

Im Sommer zuvor hat Siede schon mal ihren Sohn auf dem Katamaran besucht – erst in der Türkei und dann in der Karibik. Da war sie das erste Mal in Amerika. Früher, so erzählt sie, erkundeten sie und ihr Mann Europa mit dem Wohnwagen. „Schaukelnde Schiffe waren nichts für ihn.“ Burghard Siede, der zehn Jahre evangelischer Pfarrer in Lenggries war, starb 2013. Jetzt genießt es die 89-Jährige, mit ihrem Sohn zusammen zu sein. „Es ist schön zu sehen, wie er fühlt und handelt.“

Mit Reinhard stieg Siede auf die Dünen einiger Inseln. Er habe ihre Hand genommen und sie hochgezogen. „,Mutter schafft alles‘, hat er gesagt“, erzählt Siede. Übers Meer zu schauen, die wunderbaren Wasserfarben zu sehen und den weißen Sand: „Das war unvergesslich schön.“

Wieder zurück in Lenggries fand Siede eine Mail von Reinhard auf ihrem iPad vor: Der Wind habe gedreht, er segle nun mit Rückenwind entspannt weiter. Mal turbulent, mal ruhig. Die 89-Jährige sieht’s philosophisch: „Es kommt, wie es kommt. Das Leben ist so.“

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