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Wunderschöne Isar: Doch der Zustand des Wildflusses ist nicht so gut, wie es auf dem Bild den Anschein hat. Das Geschiebe-Management hat bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Kein Platz für Fische auf der ,Kies-Autobahn‘

Lenggries – Zu wenige und zu kleine Steine in der Isar sorgen für zahlreiche Probleme im Wildfluss.

Was wurde nicht schon alles unternommen, um den Zustand der Isar zu verbessern: Regelmäßig gibt es Stausee-Spülungen, immer wieder rücken Bagger und Lastwagen an, um den Kies von der Tölzer Isarbrücke hinter das Stauwehr zu transportieren. All diese Maßnahmen brachten nicht den erhofften Erfolg. Trotzdem sei das Geschiebe-Management nicht gescheitert, betonte der Diplom-Biologe Michael von Siemens in der Jahresversammlung der Notgemeinschaft „Rettet die Isar jetzt“. Im Gegenteil. Der Experte kam in seinem Vortrag zu dem Schluss: „Zur Geschiebe-Bewirtschaftung gibt es keine Alternative.“

Kritik an der Umsetzung des Geschiebe-Konzepts hatte der Bezirksfischereiverein Bad Tölz geübt. Es hieß, die Isar verwandle sich in eine „Kies-Autobahn“ und der Fischbestand verschlechtere sich.

In einem Gutachten nahm von Siemens den 10,8 Kilometer langen Bereich zwischen dem Tölzer Stausee und Einöd intensiv unter die Lupe. Die Isar habe sich seit dem Bau des Sylvenstein-Stausees (1959) und des Tölzer Stausees (1961) erheblich verändert. Sie gräbt sich immer tiefer in ihr Flussbett ein. Es gibt so gut wie kein totes Holz mehr, das die Fließgeschwindigkeit mindert. Die „Prallufer“ seien überwiegend künstlich befestigt. Flache Kiesbänke gebe es kaum. Das gelte auch für Altarme, in denen sich die wärmeliebenden Fische zurückziehen können. Dies hat Folgen. Laut Leitbild müsste die Isar Heimat für 13 Fischarten sein, tatsächlich leben dort aber nur neun Arten. Nur eine einzige – die Äsche – gibt es richtig häufig.

Ein Großteil der Probleme sei darauf zurückzuführen, dass die Isar zu wenig Geschiebe transportiert, analysierte von Siemens. Vor dem Bau des Tölzer Stausees habe die Isar pro Jahr 100 000 Kubikmeter Kies mitgenommen, heute seien es nur 15 000. Damit sich die Isar nicht noch weiter eintieft, seien 40 000 Kubikmeter Geschiebe notwendig und an manchen Stellen sogar 80 000 Kubikmeter, rechnete von Siemens hoch.

Von 1995 bis 2013 seien jedoch pro Jahr nur 4000 Kubikmeter mit Hilfe von Maschinen in den Fluss eingebracht worden: „Es ist ja auch schwierig, so enorme Mengen zu transportieren.“ Weitere 14 000 Kubikmeter seien aus Zubringer-Bächen in die Isar gelangt. „Zählt man diese Werte zusammen, ist man weit von der wünschenswerten Menge entfernt.“ Entsprechend gering waren die Verbesserungen. Nur an einigen wenigen Stellen habe sich die Flusssohle um einen halben Meter erhöht.

Der Diplom-Biologe wies auf ein weiteres Problem hin. So sei die durchschnittliche Größe des zugeführten Gesteins mit einem Durchmesser von 20 Millimetern viel zu gering. Dieses könne der Strömung nicht widerstehen und werde mitgerissen.

Von Siemens schlug einen ganzen Katalog an Maßnahmen vor, um aus diesem Dilemma herauszukommen. So könne das „Spül-Management“ verbessert werden. Von Siemens nannte als Beispiel das „kleine Hochwasser“ im Mai 2015. So seinen damals die Schleusen geöffnet worden, mit dem Ergebnis dass der Huchen-Nachwuchs wegspült wurde: „Auf so etwas sollte man Rücksicht nehmen. Es muss Zeiten geben, in denen sich die Fische darauf verlassen können, dass die Flusssohle nicht in Bewegung gerät.“

Seiner Meinung nach sollte in Zukunft mehr und vor allem größeres Gestein in die Isar eingebracht werden. Dieses könnte aus der Dürrach oder aus dem Rißbach entnommen werden – oder gegebenenfalls aus einer isarnahen Kiesgrube. Die natürlichen Zubringer-Bäche wie die Gaißach oder der Schwarzenbach müssten „optimiert“ werden, damit sie mehr Geschiebe zuliefern.

Zudem müsse Uferverbau zum Teil verschwinden, damit sich die Isar wieder in die Breite entwickeln könne. Ein schönes Beispiel sei ein Gebiet in der Pupplinger Au und der Bereich um die Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf, wo Ende der 80er-Jahre die Uferverbauung entfernt worden sei. Von Siemens: „Wenn es überall so aussehen würde, stände es um die Isar nicht schlecht.“  

Patrick Staar

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