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Generalprobe: Die kleinen Artisten trainieren für den großen Auftritt zum Abschluss der Lenggrieser Zirkuswoche.

Integrationsprojekt

Kinder von Einheimischen und Geflüchteten machen gemeinsam Zirkus

Eine Zirkusschule für Kinder aus einheimischen und Flüchtlingsfamilien: Diese Idee wird gerade in Lenggries umgesetzt. Und es macht Spaß, dabei zuzusehen.

Lenggries – Auf Einrädern fahren, an einem Trapez oder an einem Vertikal-Seil klettern, mit Kegeln, Bällen oder Diabolos jonglieren oder Bodenakrobatik turnen: Das können Kinder und Erwachsene jeder Nationalität seit Montag dieser Woche in der „Zirkusschule Windspiel“ in der Lenggrieser Mehrzweckhalle.

Gudrun Jäger bietet die Zirkusschule seit dem vergangenem Jahr an. „Ich wollte etwas zur Integration der Geflüchteten beitragen“, erklärt die ehemalige Gymnasiallehrerin. Da sie sich gut mit Zirkuspädagogik auskennt, entschloss sie sich, ein Zirkuscamp anzubieten. Laut Jäger erleben die Besucher dort „sehr viel Freude zusammen, und das verbindet“. Ihr Ziel ist es, mit der „Zirkusschule Windspiel“ das Augenmerk weg von den Gegensätzen hin auf die Gemeinsamkeiten zu lenken. Und das ist ihr offensichtlich gelungen: Gemeinsam spielen und lachen die Kinder, helfen sich gegenseitig in schwierigen Situationen und überwinden gemeinsam ihre Schüchternheit.

Rückschläge aus der Schule verarbeiten

Dass die Kinder soviel Spaß haben, ist wichtig: Laut Annette Ehrhart, der Lenggrieser Ehrenamtskoordinatorin, erleben geflüchtete Kinder während der Schulzeit viele Rückschläge. Diese können sie in dem Feriencamp verarbeiten. Denn hier habe jeder das gleiche Potenzial und könne Selbstbewusstsein aufbauen. „Die Kinder haben schon Wochen vorher gefragt, wann es endlich losgeht“, berichtet Ehrhart.

Auch Mütter können mit ihren Kindern an der Zirkusschule teilnehmen. Katrin Felder, die Leiterin der Mutter-Kind-Gruppe, betreut zehn Mütter und deren Kinder. „Gemeinsam singen wir und führen verschiedene Spiele durch“, erklärt Felder. Erst gestern spielten die Mütter ein Spiel aus Eritrea: Das Spiel ist ähnlich wie „Schau nicht um, der Fuchs geht um“, erklärt sie. „Da merkt man echt, wie klein die Unterschiede sind.“

Die Zirkusschule ist für Kinder aus Flüchtlingsfamilien und des Helferkreises kostenlos, berichtet Annette Ehrhart. Die rund 25 Pädagogen und Artisten, die die Kinder betreuen, bekommen lediglich einen kleinen Umkostenbeitrag, der von der Josef- und Irmgard-Brückl-Stiftung, dem Kinderseenot-Verein und der Caritas getragen wird.

„Open Stage“: Hier darf jeder zeigen, was er drauf hat

„Doch wir machen das nicht wegen dem Geld“, erklärt Silke Reichert, die pädagogische Leitung der Woche. Damit die Helfer nicht mit leeren Mägen nach Hause gehen, werden sie zum Dank für ihre Dienste vom Helferkreis und Flüchtlingsfamilien verköstigt. „Hier bekommen sie teilweise echt leckere afghanische Gerichte“, sagt Ehrhart.

Nachdem sich die Kinder rund zweieinhalb Stunden ausgetobt haben, hebt sich der Vorhang der Mehrzweckturnhalle und alle treffen sich in einem großem Sitzkreis. Gemeinsam singen und klatschen die Kinder und läuten so die verdiente Mittagspause ein. Nach der einstündigen Pause fand gestern die „Open-Stage“ statt. „Hier kann jeder zeigen, was er möchte und Bühenerfahrungen sammeln“, erklärt Reichert.

Das ist auch wichtig so: Am morgigen Freitag findet nämlich um 15 Uhr in der Mehrzweckhalle in Lenggries die Gala der Zirkusschule Windspiel statt. Dort führen die Erwachsenen und die Kinder – alle geschminkt und verkleidet – ihr einstudiertes Programm auf. Laut Ehrhardt ist das dann „wie ein echter Zirkus“.

mt

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