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Fouad darf nicht abgeschoben werden. Pfarrer Stefan Huber (re.) und die evangelische Kirchengemeinde Lenggries hatten ihm Kirchenasyl gewährt.

Kirchenasyl in Lenggries beendet

Flüchtling Fouad ist frei

Erleichterung in der Waldkirche: Fouad durfte das Kirchenasyl verlassen. Dank eines psychiatrischen Gutachtens darf er nicht abgeschoben werden. Er kann nun sein Trauma in einer Therapie aufarbeiten und einen Asylantrag in Deutschland stellen.

Lenggries – Fouad (22) und seine Frau Shareen (20) laufen gemeinsam durch München. In ihren Gesichtern ein glückliches Lächeln. Dass das Paar gemeinsam durch die Stadt gehen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Fouad ist erst seit ein paar Tagen frei, gerade haben sie seinen Pass bei der Behörde abgeholt.

Der Jeside hat über sechs Monate im Kirchenasyl verbracht. Wie berichtet hatte die evangelische Waldkirche in Lenggries Fouad aufgenommen, weil er nach Bulgarien abgeschoben werden sollte. Er wurde auf seiner Flucht dort registriert und verließ das Land, ohne dort einen Asylantrag zu stellen. Zurück nach Bulgarien zu müssen machte dem 22-Jährigen große Angst. Er verbrachte dort drei Wochen im Gefängnis, unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Doch nun braucht Fouad davor keine Angst mehr haben. Er kann sich gefahrlos außerhalb der Kirche bewegen. Die Rettung brachte ein psychiatrisches Gutachten, das bestätigt, dass Fouad traumatisiert ist. „Er braucht eine Therapie, die ihm in Bulgarien nicht zugesichert ist“, erklärt Pfarrer Stefan Huber.

Auf dieses Gutachten hat Fouad lange gewartet. Die Tage vom Kalender abgeschnitten, dem Pfarrer immer wieder gesagt, dass er es nicht mehr aushalte. In der abgeschiedenen Waldkirche war es meistens sehr einsam. Shareen konnte ihren Mann wegen der Arbeit nur am Wochenende besuchen.

Der 22-Jährige hatte es zum Schluss ziemlich eilig: Da seine Brüder, die auch nach Deutschland geflohen sind, bereits anerkannt sind, haben sie den Familiennachzug für die Eltern beantragt. Sie kommen in ein paar Wochen. „Fouad hatte Angst, dass seine Eltern ihn ,eingesperrt‘ in der Kirche erleben“, sagt Huber. Die Nachricht darüber, dass das Gutachten anerkannt wurde, kam am Mittwoch. Mit dieser Zusage durfte Fouad die Kirche verlassen. Jetzt gibt es aber noch einiges an Papierkram zu erledigen. Es ist im Asylrecht nicht vorgesehen, dass Flüchtlinge privat untergebracht werden. Der 22-Jährige wird also wieder einer Unterkunft zugewiesen. „Man kann dann eine Ausnahmeregelung beantragen, damit er bei seiner Familie wohnen kann“, sagt Huber.

Vor dem Kirchenasyl war Fouad in Warngau untergebracht. Er lebte dort mit fünf Irakern, was schwer für ihn war, da er vor Muslimen aus seiner Heimat geflohen war. Fouad gehört zur Minderheit der Jesiden, die im Nordirak vom IS verfolgt wird. Aus diesem Grund besuchte Fouad häufig seine Frau und galt als untergetaucht – die Behörden hatten ihn nicht in der Unterkunft angetroffen. Huber hofft, dass sich diese Problematik nicht wiederholt.

Ansonsten habe Fouad aber gute Chancen, als Asylbewerber anerkannt zu werden. „Ich denke, dass er hier Fuß fassen kann“, sagt Huber. Fouad wolle besser Deutsch lernen und eine Ausbildung machen. Und er wird eine Therapie machen. „Ich habe ihm versprochen, dass ich mich darum kümmere“, so Huber. Er wolle nicht, dass das nun unter den Tisch falle. „Sonst wird das Problem nur weiter verdrängt.“

Nach den Monaten der Ungewissheit konnte Fouad dank nur einer Mail seine Sachen packen und die Kirche verlassen. Huber und der Kirchenvorstand planen aber noch ein Abschiedsfest. „Wir haben viel Dankbarkeit gespürt, aber es braucht einen Abschluss.“ Ein weiteres Kirchenasyl soll es in der nächsten Zeit aber nicht geben. Es habe die Gemeinde zwar zusammengeschweißt, war aber auch viel Verantwortung. „Wir haben gemerkt, dass es für ein Kirchenasyl nicht reicht, eine leer stehende Wohnung zu haben.“

Die evangelische Kirchengemeinde lädt alle, die sich von Fouad verabschieden wollen, am Sonntag, 26. Februar, in die Waldkirche in Lenggries ein. Das Abschiedsfest beginnt um 14.30 Uhr

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