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Kampf dem Käfer: Die St.-Anna-Kapelle in Fleck war vorvergangene Woche komplett mit einer weißen Plane verhüllt. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist von Schädlingen befallen. Mit Gas wurden diese nun bekämpft. Außerdem werden Dach und Innenraum saniert, und die Kapelle erhält einen neuen Anstrich. 

Kapelle in Fleck

Kleines Gotteshaus wird groß saniert

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Lenggries - Weit über 200 Lenze auf dem Buckel, morsches Gebälk, Feuchtigkeit und Risse in den Wänden. An der St.-Anna-Kapelle in Fleck hat kräftig der Zahn der Zeit genagt. Jetzt wird saniert.

Nein, der weltberühmte Verhüllungskünstler Christo hatte seine Finger nicht im Spiel. Die Verhüllung der St.-Anna-Kapelle in Fleck wäre ihm wohl auch eine Nummer zu klein. Beim Anblick des verhüllten Gotteshauses mag so mancher aber durchaus an Christo gedacht haben. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um Kunst, sondern um einen Teil einer aufwendigen Sanierung, der das barocke Bauwerk gerade unterzogen wird. Die ist nötig geworden, weil die Substanz teils stark angegriffen ist. Zuletzt war das Kirchlein in den Siebzigern auf Vordermann gebracht worden.

„Jetzt hat’s pressiert“, bemerkt Kirchenpfleger Peter Dichtl, der auch für die Filialkirche zuständig ist. Das Schindeldach der Kapelle sei durch Wind und Wetter derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass man teilweise schon hindurchschauen konnte. Doch damit nicht genug. Im Dachstuhl, in den Figuren und Stühlen – überall hat sich der Holzbock eingenistet und unschöne Spuren hinterlassen. Ganz zu schweigen von Feuchtigkeit, Rissen in den Wänden und abbröckelndem Putz. Es musste gehandelt werden. Vergangene Woche nun hat die Rundumsanierung begonnen.

Erster Schritt war die Begasung, bei der ein Raum oder Gebäude verhüllt und mit giftigen Gasen geflutet wird, um die Schädlinge zu bekämpfen, die sich am Holz gütlich tun. In der St. Anna Kapelle haben sie das über Jahrzehnte zur Genüge getan. Nach der Maßnahme dürfte und sollte damit nun langfristig Schluss sein, hofft Dichtl.

Seit einer guten Woche bietet sich in Fleck wieder ein neues Bild. Die Verhüllung ist passé, außen und innen haben Handwerker Gerüste aufgestellt, um die übrigen Arbeiten in Angriff nehmen zu können: etwa die Eindeckung mit neuen Schindeln aus gespaltenem Lärchenholz. „Der Vorteil gegenüber geschnittenen Schindeln besteht darin, dass die Holzfasern nicht zerstört werden“, erklärt der Lenggrieser. Das erhöhe die Lebensdauer und sorge für ein rascheres Ablaufen von Regenwasser.

Unter die Schindeln kommt erstmals seit der Erbauung der Kapelle im 18. Jahrhundert eine Art Schutzfolie gegen Feuchtigkeit. Die soll verhindern, dass etwa bei Hagel Wasser in den Speicherraum eindringt.

In die Jahre gekommen ist zudem die gemauerte Fußschwelle, auf der das Dach aufliegt. Zusammen mit einigen Sparren muss auch sie erneuert werden. Der Rest des Dachstuhls bleibt erhalten. Leicht desolat ist auch der Zustand des Innenraums. Risse im Mauerwerk müssen verpresst, der Putz ausgebessert werden. Zu guter Letzt bekommt die Filialkirche neben einigen Spenglerarbeiten noch einen witterungsbeständigen Anstrich. Die Farbton bleibt aber unverändert.

Im Herbst soll die Sanierung dann abgeschlossen sein. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Arbeiten von Isarwinkler Firmen erledigt. Der Ellbacher Architekt Hermann Thurner koordiniert die Baumaßnahmen. Zudem hat er im Vorfeld eine Kostenschätzung erstellt. Rund 335 000 Euro soll die Sanierung demnach kosten. 70 Prozent trägt das Erzbischöfliche Ordinariat, 30 Prozent, also rund 100 000 Euro, muss die Pfarrei aufbringen. Da freut es Peter Dichtl, dass die Gemeinde Lenggries einen Zuschuss von 15 000 Euro in Aussicht gestellt hat, um das Schmuckstück zu erhalten.

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