Die Soko Leitenberg hat über Jahre lang ermittelt. Bis heute läuft der Sextäter vom Brauneck frei herum.

Kriminalfall Leitenberg

Alle Spuren abgearbeitet: Kein Treffer

Die Hoffnung auf Kommissar Zufall oder einen bisher übersehenen Hinweis war vergebens. Im Kriminalfall Leitenberg haben sich nach der Serie im Tölzer Kurier 13 Zeugen gemeldet. Die Kripo hat alles abgearbeitet. Keine neue Erkenntnis.

Bad Tölz – Am 25. November 2006 wurde am Brauneck-Vorgipfel Leitenberg eine 67-jährige Münchnerin sexuell missbraucht und, an einen Baum gekettet, hilflos zurückgelassen. Nur durch viel Glück überlebte das Opfer. Obwohl eine bis zu 20-köpfige Sonderkommission an dem Fall arbeitete, konnte der Täter nie gefasst werden. Besonders erstaunlich ist das deshalb, weil der Mann zahlreiche Spuren hinterlassen hatte, darunter seine DNA, und von mehreren Zeugen gesehen worden war.

Zehn Jahre danach hat der Tölzer Kurier zusammen mit der Kriminalpolizei Weilheim das einzige bekannte und unaufgeklärte Kapitalverbrechen der vergangenen Jahrzehnte im Südlandkreis noch einmal detailliert Revue passieren lassen.

13 Hinweise, sagt Kripochef Markus Deindl seien daraufhin eingegangen. Etwa die Hälfte der Zeugen meldeten sich aus dem Großraum München, die andere kam aus der Tölzer Gegend. Neun Spuren waren neu, drei waren der Kripo im Verlauf der bisherigen Ermittlungen schon einmal genannt worden. Fast alle Hinweise betrafen Personen, die, so Deindl, dem geschilderten Täterprofil ähnelten und „sich irgendwie komisch verhielten“. Auch das in der Serie auf Bitte der Polizei nicht nicht mehr verwendete alte Phantombild des Sextäters hat dabei eine Rolle gespielt. Deindl geht davon aus, dass viele aufgrund der Berichterstattung angefangen haben zu googeln und dabei schnell wieder bei dem Foto waren. Es ist nach Überzeugung der Kripo „verbrannt“. Der Täter sei älter geworden und habe bestimmt sein Aussehen geändert. Gleichwohl wurde das Foto zum 10-Jährigen von Boulevardmedien wieder hervorgekramt. „Kontraproduktiv“ nennt das Deindl, der auch nicht verstehen kann, dass der Begriff „Bestie“ wieder verwandt wurde. Vermutlich handelt es sich bei dem Täter nämlich um einen Mann aus einem ganz normalen unauffälligen Umfeld, der sein sexuelle Störung in einem Doppelleben auslebte. Mit falschen Begriffen werde die Fahndung eher erschwert als erleichtert.

Dreimal hat die Kripo bei den jüngsten Hinweisen einen DNA-Test veranlasst. Darunter auch bei einem Mann aus dem Großraum München, der zur Tatzeit ausgerechnet in Lenggries gelebt hat. Da hätte der Kollege, sagt Deindl, dann doch kurz die Stirn gerunzelt. Der DNA-Test beseitigte alle Zweifel. Der Mann war unschuldig. Alle drei DNA-Tests konnte übrigens problemlos durchgeführt werden. „Die Leute waren zwar erstaunt, haben aber alle bereitwillig mitgemacht.“

Jetzt sind alle Spuren polizeilich abgearbeitet. Das ganze Paket ging dieser Tage nun an die Staatsanwaltschaft München, die prüft, ob sie noch Nachermittlungen wünscht. Deindl: „Dann kommt alles zu den Akten.“

Sein Fazit: Besonders zuversichtlich sei er nicht, dass der Täter noch gefunden wird. Man gebe aber die Hoffnung nicht auf. Auch Alexander Horn, Leiter des Kommissariats Operative Fallanalyse beim Polizeipräsidium München, hatte schon darauf hingewiesen, dass man Geduld haben müsse. Vielleicht erzähle der Mann, so er noch lebt, irgendwann mal etwas oder jemandem aus dem Umfeld falle etwas auf. Oder es gibt doch noch einen DNA-Treffer. Dann wird wieder ermittelt. Denn Mord, auch versuchter Mord, verjährt nicht.

Christoph Schnitzer

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