Der Wegweiser, den der Täter umriss, damit sein Opfer keinen Verdacht schöpfte. „Aktenzeichen XY“ berichtete erstmals davon.

10 Jahre Kriminalfall Leitenberg – Folge 7: Fahndung 

Kameras: Opfer zu sehen, Täter nicht

Lenggries - 10 Jahre, 10 000 Hinweise, kein Fahndungserfolg. Das ist im Dezember 2016 die ernüchternde Bilanz im Kriminalfall Leitenberg. Auch eine ausgesetzte Belohnung, Aktenzeichen XY und ungewöhnliche Maßnahmen wie eine Hypnosebefragung brachten die Polizei nicht weiter.

 Mit einem Phantombild und Fotos von den Handschellen intensivierte die Polizei Anfang Dezember 2006 die Fahndungsbemühungen nach dem 40 bis 45 Jahre alten, 1,75 Meter großen Mann. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Polizeibeamten bereits rund 1200 einschlägig bekannte Sextäter überprüft. Der Mann hatte am Samstag, 25. November 2006, eine 67-jährige Münchnerin am Brauneck überfallen, sexuell missbraucht und hilflos an einen Baum angekettet zurückgelassen.

Der Wegweiser, den der Täter umriss, damit sein Opfer keinen Verdacht schöpfte. „Aktenzeichen XY“ berichtete erstmals davon.

In den ersten Dezember-Tagen wurden zudem Luftbildaufnahmen von Tatort und Fluchtweg gemacht und eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgesetzt. Eine 15-köpfige Sonderkommission, die sich nach dem Tatort Leitenberg nannte, arbeitete bei der Kriminalpolizei Weilheim an dem Fall.

Mehrere Zeugen und das Opfer hatten den Täter gesehen und die Anfertigung eines Phantombilds ermöglicht. Das wurde natürlich auch abgeglichen mit den Aufnahmen der Überwachungskameras an den Bahnhöfen, wo Opfer und vielleicht auch der Täter ausgestiegen waren. Bei der Auswertung aller verfügbaren Aufnahmen konnte laut Kripo-Chef Markus Deindl aber kein Mann identifiziert werden, der dem Phantombild glich.

Leider, sagt der 50-jährige Kriminaloberrat, war die Aufnahmequalität damals längst nicht so gut wie heute. „Tauglich waren nur die Aufnahmen in München, nicht in Obergries.“

Aber immerhin: Die 67-jährige Wanderin aus Obergiesing, das spätere Opfer, konnten die Ermittler tatsächlich auf den Bildern ausfindig machen. Bleibt die Frage: Ist der Täter am Ende doch mit dem Auto gefahren?

Die Kripo griff auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Im Januar 2007, zwei Monate nach dem Verbrechen, wurde eine Münchner Zeugin, die den Täter im Zug getroffen haben wollte, unter Hypnose befragt. „Das war damals eine durchaus gängige Methode“, sagt Deindl. Der Erfolg war mäßig. Der Sextäter habe Bartstoppeln statt Dreitagesbart gehabt und eine Getränkedose mitgeführt. Am 29. März 2007 berichtete die bekannte ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ über den ungeklärten Fall am Brauneck. Die Polizei gab darin bekannt, dass der Täter beim Vorangehen zum Tatort offenbar mehrfach Wegweiser umgerissen hat, um die nachfolgende Frau beim Wanderziel Längental weiter in die Irre zu führen. 50 Hinweisen gingen nach der Sendung ein. Eine Frau wollte den Gesuchten im Süden Münchens getroffen haben. Eine heiße Spur war aber nicht darunter.

Von den nahezu 10 000 Hinweisen, die bis 2016 eingingen und überprüft wurden, waren 800 dabei, bei denen die Ermittler weitergehende Maßnahmen veranlassten und Männer zum Beispiel um eine Speichelprobe baten. Es gab Verdächtige, die nicht nur große Ähnlichkeit mit dem Phantombild hatten, sondern bei denen laut Deindl „vieles passte“ und „eine gewisse Vorgeschichte hinzukam“.

Einer tauchte sogar unter. Mit dem Fall hatte aber auch er nichts zu tun. „Sechs bis sieben Mal“ – so fasst der Kriminaloberrat ein Jahrzehnt Polizeiarbeit lakonisch und unaufgeregt zusammen – „waren wir der Meinung, dass wir den Fall geklärt haben und wir unseren Mann endlich haben.“ Ein Irrtum.

Christoph Schnitzer


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