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Alles muss perfekt sein: Michael Weiße zeigt Kuflom Gebrebrhan, wie im Brauneck-Hotel ein Tisch eingedeckt werden muss. Auch in seiner Heimat Eritrea hat der 23-Jährige in der Gastronomie gearbeitet.

Praktikum im Hotel

Neustart in Lenggries

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Lenggries – Kuflom Gebrebrhan (23) aus Eritrea flüchtete weite Strecken zu Fuß nach Deutschland. Nun versucht er Fuß zu fassen:  Er macht ein Praktikum im Brauneck-Hotel.

Höflich, etwas schüchtern wirkt der kleine, schmächtige Mann, der gerade dabei ist, die Tische für das Abendessen im Brauneck-Hotel in Lenggries einzudecken. Kuflom Gebrebrhan macht derzeit ein Praktikum. „Ich liebe die Arbeit“, sagt er mit leichtem Akzent und grinst breit.

Der junge Mann aus Eritrea kann wieder lachen – das war in jüngster Vergangenheit nicht immer so. In seinem Heimatort gehörte der 23-Jährige einer christlichen Minderheit an. Vier Jahre lang arbeitete er in einem Restaurant. Dann kam das Militär, plötzlich galten andere Regeln. Wie etwa Ausgangssperren. „Wir mussten um 18 Uhr zuhause sein“, berichtet Gebrebrhan. „Alles wurde für uns schwieriger.“ Daher fasste er den Entschluss, zu fliehen. Zu Fuß ging er von Eritrea über Äthiopien in den Sudan. Von dort ging es mit dem Auto weiter nach Libyen. Dort stieg er in ein Boot nach Italien. „350 Leute waren auf dem Boot“, schildert er die beengten Zustände. Mit der Bahn ging’s nach Österreich – und schließlich mit dem Bus in die bayerische Landeshauptstadt. Nach zehn Wochen endete seine Flucht in München. Nach weiteren vier Monaten in der Erstaufnahme-Einrichtung in Eichstätt kam er im Februar nach Lenggries.

Dort lebt er jetzt in der Kaserne, wo er Dr. Hans-Georg Raasch kennen lernte. Der 70-Jährige hilft mit, die Flüchtlinge zu betreuen. „Hauptamtlich“ ist er allerdings bei den Tölzer Coaches. Diese haben es sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. „Wir wollen auch den Flüchtlingen helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Über seinen Schützling Kuflom hat er nur Positives zu berichten. „Er ist total fleißig, spricht schon recht gut Deutsch.“ Der junge Eritreer nimmt an einem Mathematik-Kurs bei Raasch teil. „Er hat in zwei Tagen 35 Aufgaben erledigt“, sagt der Coach. Da er zudem recht gut Englisch spricht und zurück in die Gastronomie wollte, versuchte Raasch, für Kuflom ein Praktikum zu finden. Mit Erfolg.

„Ich bekomme nur positives Feedback“, sagt Personalreferentin Simone Heilig. Zwei Wochen ist Gebrebrhan nun da, hat bislang im Service mitgearbeitet. Dazu wird er in den Bereich Housekeeping und Küche reinschnuppern. Alle Mitarbeiter greifen ihm unter die Arme. „Bei uns geht es sehr familiär zu“, sagt Heilig.

„Jetzt peilen wir einen Lehrplatz an“, erklärt Raasch die weiteren Pläne. Tatsächlich sieht es recht gut aus. „Wir werden den Weg bereiten, dass er eine Trainee-Stelle bekommt und dann ab Februar eine Ausbildung beginnen kann“, sagt Heilig. „Wenn er das will, dann kann er bei uns einen Neustart schaffen“, sagt Hoteldirektor Ralf Meister. Kuflom Gebrebrhan lächelt.

Melina Staar

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