+
Das interessierte Lenggrieser Kunstpublikum nutzte die Chance, bei der Vernissage mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Kunstwoche Lenggries

Das Unbunte steckt voller Farbe

„Schwarz Weiß“ – mit diesem größtmöglichen aller Kontraste beschäftigt sich die Künstlervereinigung Lenggries bei ihrer 16. Ausstellung im Lenggrieser Pfarrheim. Am Freitag war Vernissage.

Lenggries Wie immer waren nicht nur die Mitglieder tätig, sondern man hatte sich mit Dorothea-Reese-Heim, Gudrun Reubel, Philip Hönicke und Veronika Partenhauser vier Gastkünstler eingeladen, mit denen ein „konsequenter Dialog“ zum Thema entstand – wie Vorsitzender Günter Unbescheid in seiner Begrüßungsrede zur Vernissage am Freitag betonte. „Wir haben den Ehrgeiz, dass dieser scheinbar alltägliche Begriff Tiefe bekommt und dieses Schwarz-Weiß nicht nur im farblichen Kontext gesehen wird, sondern dass die Widersätze polarisieren.“

Auch um den gesellschaftlichen Kontext ging es dabei, um das Denken in Schubladen und Extremen, um das Unbunte, in dem es so viele Schattierungen zu entdecken gilt. Genau das thematisierte auch die Videoinstallation der Gaißacher Mediengestalterin Veronika Partenhauser, die sie in der Garderobe im Erdgeschoß zeigte: Auf vier Bildschirmen sah man kurze technische Sequenzen von Menschen, die in Hallenbad-Umkleidekabinen ein- und austreten, mal in Bade-, mal in Straßenbekleidung, mal in Schwarz-Weiß, dann in der Farbe, die tatsächlich dahintersteckt. Grelles Rot, tiefes Blau, leuchtendes Grün – daraus wird ein sattes Dunkelgrau. Oder es wird eine zarte hellere Schattierung erzeugt, eine Farbwelt ohne Farbe sozusagen. „Schwarz-weiß ist ja niemals tatsächlich nur Schwarz oder Weiß“, betonte Unbescheid, „tatsächlich lebt es von den Grautönen.“

„Schwarz Weiß par excellence“ allerdings zeigt Gudrun Reubel mit ihren grafischen Motiven, bei denen der konsequente Kontrast zwischen Hell und Dunkel ein wesentliches Gestaltungsmerkmal ist – geprägt außerdem durch das Spiel mit Licht und Schatten.

Die Skulptur „Tetralogie“ und die Installation mit sieben über der Bühne rotierenden Polygonen, geschaffen von der Münchner Künstlerin Dorothea Reese-Heims, waren Blickfang im großen Pfarrheim-Saal. Filigran und gleichzeitig komplex boten sie vielfältige Interpretationsmöglichkeiten und Diskussionsstoff.

Den Eingangsbereich gestaltete der Benediktbeurer Metallkünstler Philip Hönicke; die Besucher werden durch seine eindrucksvollen Skulpturen auf die Kunstausstellung eingestimmt.

Das Motiv erschließt sich erst aus der Distanz:  Klas Stöver  mit Augenweide.

Die Mitglieder der Lenggrieser Kunstvereinigung Jürgen Dreistein, Sophie Frey, Heidi Gohde, Ecki Kober, Gabriele Pöhlmann, Paul Schwarzenberger, Klas Stöver und Günter Unbescheid setzten sich natürlich ebenfalls in bewährter und individueller Weise mit der Symbolkraft des Begriffs „Schwarz Weiß“ auseinander. Das künstlerische Spektrum zeigte dabei Bilder, Fotografien oder Skulpturen, die beispielsweise den Zustand der Natur aufzeigen wollen oder die Kompromisslosigkeit eines „Entweder Oder“; sie symbolisieren die Kontraste zwischen gegensätzlichen Elementen, beschreiben, wie die Digitalisierung unser Leben aufmischt oder spielen mit optischen Täuschungen und emotionalen Aspekten. „Es war eher die Entdeckung der Zwischenräume als die Aufdeckung der Extreme“, zog Unbescheid zur Arbeit der Künstler im vergangenen Jahr ein Resümee.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 30. September. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und Samstag und Sonntag von 10 bis 19 Uhr im Lenggrieser Pfarrheim.

Ines Gokus

Auch interessant

Kommentare