Der Lenggrieser Gemeinderat lehnt einen LPV-Beitritt ab.
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Der Lenggrieser Gemeinderat lehnt einen LPV-Beitritt ab.

Aus dem Gemeinderat

Landschaftspflegeverband: Lenggries lehnt Beitritt ab

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die Gemeinde Lenggries sagt Nein zum Beitritt zum Landschaftspflegeverband (LPV) im Landkreis. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Gemeinderats ist vor allem das Ergebnis einer Umfrage unter den örtlichen Landwirten.

Lenggries – Im März hatte der Gemeinderat die Entscheidung über den Beitritt zum LPV vertagt (wir berichteten). Zu wenig sei zum damaligen Zeitpunkt über die Tätigkeit des Verbands bekannt gewesen. Auch wollte die Gemeinde vor einer Entscheidung die Meinung der örtlichen Landwirte abfragen.

Im Vorfeld der Aprilsitzung wurde daher ein Informationsschreiben verfasst – darin enthalten waren Links zu Internetseiten von Verbänden in Landkreisen mit ähnlicher Struktur wie hier. Er hätte auch gerne eine kritischere Betrachtung von Landschaftspflegeverbänden angefügt, um auch die andere Seite darzustellen, sagte Geschäftsleitender Beamter Tobias Riesch. Er habe aber nichts gefunden.

Lenggries: 78 von 79 Bauern lehnen Beitritt ab

Dafür wurde aber noch ein Fragebogen entwickelt, auf dem die Meinung der Landwirte abgefragt wurde. Die Gemeinderäte Stefan Heiß (FWG) und Martin Willibald (FWG) verteilten den Bogen an 110 Bauern. 79 antworteten. Ein Großteil – so die Auswertung – fühlte sich durch das Schreiben der Gemeinde ausreichend über den LPV informiert. Die Antwort auf die Frage, ob die Gemeinde dem Verband beitreten soll, fiel mehr als deutlich aus: 78 sagten Nein, nur zwei Ja. „Jetzt wird sich mancher fragen, warum das 80 Stimmen sind, wo doch nur 79 Bögen abgegeben wurden“, sagte Riesch. „Aber eine Familie war gespalten. Da hat die Frau was anderes gesagt als der Mann. Insgesamt ist es aber ein sehr deutliches Ergebnis.“ Bis auf einen Landwirt sieht keiner Arbeit für den LPV auf den eigenen Flächen. Auch mit Blick auf alle landwirtschaftlich genutzten Flächen in Lenggries fällt das Ergebnis kaum anders aus. Für Arbeiten, die der LPV vergibt, würden sich lediglich zwei Landwirte bewerben.

LPV Gründung mit 14 von 21 Gemeinden

Der Landschaftspflegeverband war am Montag auch kurz Thema im Kreis-Umweltausschuss. Jakob Koch (Grüne) wollte von Landrat Josef Niedermaier (FWG) wissen, wie er es beurteilt, dass verschiedene Gemeinde dem LPV nicht beitreten wollen. „Im Landkreis Traunstein waren anfangs auch nicht alle Gemeinden dabei“, antwortete Niedermaier. Er glaube aber „an die Macht des Guten“ und daran, dass sich die Zweifler früher oder später überzeugen lassen. Er wolle „die Parolen“, die zum Zeit in Leserbriefen verbreitet wurden, „lieber nicht kommentieren. Wenn man nicht will, dann will man nicht“. Die Verweigerungshaltung komme möglicherweise aber auch im zuständigen Ministerium nicht so gut an. „Aber jeder ist seines Glückes Schmied“, sagte Niedermaier. Der Landkreis ziehe die Gründung jedenfalls durch. „Und jeder, der später betreten will, ist uns herzlich willkommen“, sagte der Landrat.

Mit an Bord sind 14 von 21 Gemeinden. „Das ist eine solide Basis“, ergänzte Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde. Dass alle drei Städte dem Beitritt zugestimmt haben, freut Niedermaier besonders. „Hier hatte ich am meisten Bedenken.“ Auch Steger sieht darin „ein wertvolles Zeichen der Solidarität“. Und natürlich können sich auch Landwirte aus Gemeinden, die kein Mitglied im LPV sind, um Arbeiten bewerben, beantwortete Steger eine weitere Frage von Koch. (va)

Nicht alle Gemeinderäte verstehen das Misstrauen der Landwirte

Gefragt wurde auch nach Gründen, warum der Beitritt zum LPV skeptisch gesehen wird. „Bei der Beantwortung haben sich die Landwirte viel Mühe gemacht“, sagte Riesch. Viele sähen einfach keinen Bedarf, weil die Flächen selbst ausreichend gepflegt werden. Andere fürchten „eine schleichende Enteignung“, betrachten den LPV als „Bürokratiemonster“ und die Investitionen in einen Geschäftsführer als überflüssig, führen an, dass es bereits Dienstleister gibt, die Pflegeleistungen übernehmen oder haben „kein Vertrauen in Naturschutzverbände“, so Riesch. Vertrauen wäre aber wichtig, weil im LPV-Vorstand Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitik gleichberechtigt an einem Tisch sitzen.

Dass man das nicht als Chance erkennt, stimmte Sabine Gerg (SPD) nachdenklich. „Es wäre ein Austausch auf Augenhöhe gewesen. Wo gibt es das sonst schon?“ Sie hätte sich gewünscht, „dass man das einfach mal ausprobiert. Wenn es nichts ist, könnte man ja auch wieder austreten“, so Gerg. Willibald sah das völlig anders. „Die überwältigende Mehrheit ist dagegen – und wir haben die gefragt, die es betrifft“, sagte der FWG-Rat. Die Befragung fand Tobias Raphelt (SPD) ziemlich gut. „Das wünsche ich mir zukünftig auch bei anderen Themen.“

Landschaftspflegeverbrand in Lenggries abgelehnt - Beschluss mit vier Gegenstimmen

Roman Haehl (Grüne) – seine Fraktion hatte den Beitritt ursprünglich beantragt – hält den LPV immer noch für „eine gute Sache, um Naturschutz und Landwirtschaft zusammenzubringen“. Er habe nicht erwartet, dass die Umfrage so deutlich ausfalle. „Es wäre schön gewesen, von Anfang an dabei zu sein, aber wenn wir das jetzt durchdrücken, schlägt man eine Tür zu.“ Die Landwirte würden dann erst recht das Gefühl haben, dass ihnen etwas übergestülpt werde. „Mir wäre aber wichtig, dass wir das wohlwollend begleiten“, sagte Haehl. Beitreten könne man ja jederzeit, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). Aber jetzt sei einfach der falsche Zeitpunkt. „Wir wollen uns nicht gegen die Stimmen der Betroffenen stellen.“ Das will Josef Wasensteiner (CSU) auch auf keinen Fall. Im Süden sei die Struktur einfach anders als im Norden des Landkreises. „Bei uns gibt es weniger Bedarf für einen LPV“, sagte Wasensteiner. „Wir sind die besten Naturschützer“, ergänzte Heiß, selbst Landwirt. Mit vier Gegenstimmen (Grüne und Sabine Gerg) wurde beschlossen, dass kein Bedarf gesehen wird, dem LPV beizutreten. „Zu gegebener Zeit“ werde man sich aber wieder mit dem Thema befassen.

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