Der Isarwinkel ist eine Perle – auch, weil die Flächen seit Jahrhunderten bewirtschaftet werden. Helfen dabei kann ein Landschaftspflegeverband.
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Der Isarwinkel ist eine Perle – auch, weil die Flächen seit Jahrhunderten bewirtschaftet werden. Helfen dabei kann ein Landschaftspflegeverband.

Beitritt Thema im Gemeinderat

Landschaftspflegeverband: Noch überwiegt die Skepsis in Lenggries

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Was bringt ein Landschaftspflegeverband? Können örtliche Landwirte von ihm profitieren oder ist er eher eine Belastung? Viele Fragen sind bei den Lenggrieser Gemeinderäten offen. Daher wurde der Beschluss, ob die Gemeinde den vom Landkreis geplanten Verband beitritt, auf April verschoben.

Lenggries – Der Landkreis ist einer der letzten weißen Flecken: Das will der Kreistag ändern und beschloss im vergangenen Jahr, einen Landschaftspflegeverband (LPV) auf den Weg zu bringen. Dieser kümmert sich um den Erhalt der ökologischen Vielfalt – vor allem durch die Pflege ökologisch wertvoller Lebensräume. Wird eine Fläche nicht mehr bewirtschaftet, könnte der LPV den Auftrag zur Pflege dieses Areals vergeben. Beispielsweise könnten brachgefallene Streuobstwiesen wieder in Nutzung gebracht, Almflächen wieder aktiviert und Magerrasen und Heckenstrukturen gepflegt werden. Auch bei Moorrenaturierungsmaßnahmen könnte der Verband aktiv werden und die Gemeinden bei der Pflege ihrer Ökokonto- und Ausgleichsflächen unterstützen. Partner sind dabei die örtlichen Landwirte, die mit den Pflegemaßnahmen beauftragt werden. Die Rechnung zahlt der LPV, wobei es 90 Prozent Fördermittel vom Freistaat gibt. Weitere Besonderheit: Im Verband sitzen Vertreter von Kommunalpolitik, Naturschutz und Landwirtschaft gleichberechtigt an einem Tisch.

Einige Gemeinde sind skeptisch - darunter auch Lenggries

Die Gemeinden im Landkreis befassen sich derzeit mit dem Beitritt zum geplanten LPV. Einige haben bereits Ja gesagt, andere sind skeptisch – darunter ist auch Lenggries. Auf Antrag der Grünen befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Beitritt. „Es haben sich schon einige Fragen aufgetan“, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). Er habe auch das Gespräch mit Landwirten gesucht, „die ja die Hauptbetroffenen wären“, sagte der Rathauschef. „Und hier gibt es einen enormen Mangel an Informationen.“ Es sei vielen unklar, was der LPV genau mache. Das bestätigte Stefan Heiß (FWG), selbst Landwirt. „Viele wissen einfach nicht, um was es geht.“ Einige befürchte auch, dass sich der Verband negativ auf die kleinstrukturierte Landwirtschaft auswirken könne. „Wir brauchen einfach mehr Informationen“, so Heiß.

Unsere Landwirte sind der beste Landschaftspflegeverband

Gemeinderat Andreas Wohlmuth (FWG)

Das sah Andreas Wohlmuth (FWG) ähnlich. „Ich verstehe den Sinn und Zweck nicht. Unsere Landwirte sind der beste Landschaftspflegeverband.“ Die wüssten schon, was zu tun sei. Ähnlich äußerte sich CSU-Fraktionschef Josef Wasensteiner. „Es gibt Bedenken seitens der Bewirtschafter.“ Er wisse auch gar nicht, wie groß der Bedarf in der Gemeinde Lenggries für einen LPV tatsächlich sei. „Unsere Almen werden gepflegt und bewirtschaftet.“ Hier müsse sichergestellt sein, dass nicht in bestehende Strukturen eingegriffen werde.

Beratung wird nun auf den April verschoben

Das will auch Roman Haehl (Grüne) nicht. Es gehe um die Flächen, die aus der Bewirtschaftung herausgefallen seien. Es sei durchaus möglich, dass der Bedarf für den LPV im Norden des Landkreises momentan größer sei als im Süden. „Aber wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass auch uns der Strukturwandel trifft“, sagte Haehl. Der Isarwinkel sei einzigartig, eben weil er so gut bewirtschaftet werde. „Das muss erhalten bleiben“, und hier könne ein LPV helfen. Dabei gehe es nicht darum, „jemandem etwas überzustülpen. Der Eigentümer einer Fläche sagt, ob er Leistungen in Anspruch nehmen möchte“, so Haehl.

Trotzdem überwogen die Zweifel. Daher regte Klaffenbacher an, den Punkt auf die April-Sitzung zu verschieben und bis dahin weitere Informationen einzuholen und auch die Landwirte damit zu versorgen. Dafür plädierte auch Wasensteiner. Er fordert zudem, dass Lenggries ein Mitspracherecht im Verband braucht. Das sieht Klaffenbacher ähnlich. „Wir sind schließlich flächenmäßig die größte Gemeinde Bayerns.“

Der Beitritt wird nun im April erneut beraten. Lenggries müsste sich mit 50 Cent pro Einwohner und Jahr – also mit 5000 Euro – am LPV beteiligen.

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