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Das Lenggrieser Spielcasino war im Juli 2019 Ziel eines Überfalls. Jetzt standen die Täter vor Gericht.

Urteil gesprochen

Lange Haftstrafen für Lenggrieser Casino-Räuber

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Das Landgericht München II hat zwei der vier Casino-Räuber von Lenggries zu langen Haftstrafen verurteilt. Für eine Beute von jeweils 115 Euro müssen sie für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Besonders schwerwiegend wirkte sich der Einsatz einer Machete aus sowie die Erwartung einer viel höheren Beute.

Lenggries/München – Sie hatten noch alles versucht. Täter-Opfer-Ausgleich, Geständnisse, Drogen-Bekenntnisse und Entschuldigungen. Doch am Ende kassierten am Montagabend die beiden älteren Casino-Räuber (28) von Lenggries saftige Gefängnisstrafen. Für fünfeinhalb Jahre müssen die Männer einsitzen. Gegen die beiden 28-Jährigen wurde zudem die Unterbringung in der Entziehungsanstalt angeordnet. Und das alles für die klägliche Beute von insgesamt 463 Euro oder 115 Euro pro Nase.

Mitte Juli 2019 hatten sich die drei 20 und 28 Jahre alten Täter bei einem der Angeklagten in Bad Tölz getroffen. Es wurde gezockt, Drogen wurden konsumiert. Irgendwann schmiedeten sie den Plan, das Casino in Lenggries zu überfallen. Das Trio rechnete mit einer Beute von 10 000 Euro.

Den Tätern blieb nur das Geld aus der geöffneten Kasse als Beute

Weil man noch einen Fahrer benötigte, wurde ein vierter Mann (25) angeheuert. Auch er bekam Drogen, zog seine erste Amphetamin-Line und fühlte sich danach stark genug für den Überfall. Unvermummt spionierte er zunächst das Casino aus, später brachte er die Servicekraft zu Boden, drohte dem Mann mit einer Machete und forderte ihn auf, den Schlüssel für den Wechselautomaten herauszurücken. Dort hatte die Truppe die große Beute vermutet. Das Insider-Wissen stammte von einem der älteren Angeklagten, der Spielhallenaufseher war, allerdings nicht in Lenggries. Weil die Täter den Schlüssel nicht bekamen und gleichzeitig der Alarm ausgelöst wurde, blieb ihnen nur noch die geöffnete Kasse. In Panik krallten sie sich das Geld und hauten ab.

Jüngster Täter kommt mit Bewährungsstrafe davon

Gegen den 25-Jährigen der nicht vorbestraft war, wurden dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe verhängt.

Der ebenfalls beteiligte 20-Jährige war seinerzeit durch eine Öffentlichkeitsfahndung gefasst worden. Sein Onkel und sein Arbeitgeber hatten ihn auf dem Bild erkannt. Schließlich ging er zur Polizei und stellte sich. Er wurde zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Für ihn war die U-Haft ein absoluter Albtraum. Als er wieder entlassen wurde, sortierte er seine Freunde komplett neu und begann ein zivilisiertes Leben.

Zwei Täter entschuldigen sich bei dem Opfer

Über seinen Anwalt entschuldigte er sich bei dem Opfer. Das hatte auch der 25-jährige Mittäter in großem Stil getan. Er schrieb an die Betreiberin des Casinos, kündigte die finanzielle Übernahme des Beuteschadens und der Kosten für eine neue Schließanlage an und entschuldigte sich für den entstandenen Schaden. Die Frau schrieb an seinen Anwalt: „Ich wünsche ihm für seinen Lebensweg alles Gute.“

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