Die Loipen in Lenggries sind beliebt – aber nicht immer gibt es genug Schnee, damit sie kontinuierlich gespurt werden können. Nun reifen Überlegungen, um die Bedingungen für Langläufer im Isarwinkel zu verbessern.
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Die Loipen in Lenggries sind beliebt – aber nicht immer gibt es genug Schnee, damit sie kontinuierlich gespurt werden können. Nun reifen Überlegungen, um die Bedingungen für Langläufer im Isarwinkel zu verbessern. (Archivfoto)

Langlauf und Biathlon

Ein Nordisches Zentrum für den Isarwinkel?

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Noch steckt die Idee in den Anfängen - doch die Vision eines „Nordischen Zentrums“ für Langläufer und Biathleten verbreitet jetzt schon viel Aufbruchstimmung.

Lenggries – Ein Gedankenspiel weckt im Isarwinkel Hoffnungen bei vielen Wintersportfreunden: Hier könnte in Zukunft ein „Nordisches Zentrum“ entstehen. Noch steckt der Gedanke in den Kinderschuhen, doch viele Beteiligte zeigen sich jetzt schon angetan.

Zuletzt hatten öffentlich zum Beispiel die drei Lenggrieser Bürgermeisterkandidaten in der online übertragenen Podiumsdiskussion des Tölzer Kurier von der Idee geschwärmt. „Wir sind alle drei begeistert von dem Ansatz, um Langlauf als Breitensport zu erhalten“, sagte etwa Tobias Raphelt (SPD) und sprach damit seinen Mitbewerbern Stefan Klaffenbacher (FWG) und Klaus Hanus (Grüne) gleichermaßen aus dem Herzen. „Skifahren am Brauneck werden wir immer haben, aber dabei stoßen wir an Kapazitätsgrenzen“, ergänzte Raphelt. Deswegen sei auch aus touristischer Sicht ein weiteres Angebot im Langlaufbereich begrüßenswert.

Im Idealfall steht am Ende ein Stadion „mit allem Drum und Dran“

Doch was hat es mit dem Projekt eigentlich auf sich? Zu den Initiatoren zählt Toni Danner, 2. Vorsitzender des Skiclubs und hier schwerpunktmäßig zuständig für den Bereich Langlauf. Er berichtet von verschiedenen Anstößen für die Idee. Eine wichtige Rolle habe etwa die Podiumsdiskussion „Dein Winter. Dein Sport“ gespielt, zu der vor zwei Jahren im Tölzer Kurhaus mehrere Experten zum Thema „Zukunft des Wintersports“ eingeladen waren. Einen besonderen Enthusiasmus habe damals Prof. Ralph Roth von der Sporthochschule Köln verbreitet. „Da kam schon die Überlegung auf: Mach’ ma was“, berichtet Danner. Der schneearme vergangene Winter, in dem loipentechnisch in Lenggries gar nichts ging, sei dann ein weiterer Anlass gewesen, die Initiative zu ergreifen, um die Zukunft des Langlaufsports im Isarwinkel zu sichern.

Dafür könnte sich Danner grob gesagt drei Ausbaustufen vorstellen. Kurzfristig vielleicht schon im kommenden Winter umsetzbar sei die künstliche Beschneiung einer ausgewählten Loipe. Dazu könne man entweder eine Schneekanone einsetzen, die am Weltcuphang schon vorhanden ist, oder auch ein zusätzliches Leihgerät, so Danner. Ein weiterer Schritt wäre dann der Bau einer Rollerbahn, auf der nordische Sportler auch im Sommer trainieren können. Auch die Einrichtung eines Schießstands, um Biathlonsport zu ermöglichen, wäre eine Option. Und langfristig könnte ein „Nordisches Zentrum“ entstehen, im Idealfall inklusive „Stadion mit allem Drum und Dran“, sagt Danner.

Beim Nordischen Zentrum wären Vereine von Moosham bis Jachenau mit dabei

Trainingsmöglichkeiten vor Ort wären aus seiner Sicht wichtig, „damit sowohl Breiten- als auch Hobbysportler zu ihrem Recht kommen“. Derzeit müssten viele Sportler – sei es zum Wettkampftraining oder einfach zum Freizeitvergnügen – „dem Schnee hinterherfahren“, etwa nach Pertisau oder Seefeld. „Unser Interesse ist gerade auch, dass die Kinder und Jugendliche vor Ort trainieren können“, sagt Danner. Und auch insgesamt sei der Langlaufsport gefragt. Im Skiclub gebe es in diesem Bereich einen „Zulauf wie nie zuvor“, insgesamt 80 Aktive seien hier im nordischen Bereich registriert.

Ein erster Schritt auf dem Weg zum „Nordischen Zentrum“ war eine Infoveranstaltung, organisiert über den Deutschen Skiverband. Dazu waren unter anderem die Bürgermeister aus dem Isarwinkel eingeladen, außerdem Landrat Josef Niedermaier und aus Lenggries 2. Bürgermeister Franz Schöttl sowie die drei – zu jenem Zeitpunkt – Bürgermeisterkandidaten. Prof. Roth stellte ein Vergleichsmodell aus dem Schwarzwald vor – und verbreitete laut Danner abermals „Aufbruchstimmung“. Von kommunalpolitischer Seite sei als Resonanz gekommen: „Wenn Ihr Vereine Euch zusammentut und ein Konzept erarbeitet, dann sind wir auch dabei“, wie Danner zusammenfasst.

„Dieses Feuer wollen wir jetzt erhalten“

„Dieses Feuer wollen wir jetzt erhalten“, sagt er. Das soll bei einem Workshop voraussichtlich im Oktober passieren, zu dem sich Vertreter von Vereinen und aus dem Tourismus treffen wollen. „Ein Verein allein kann das nicht stemmen“, ist Danner klar. Die Nachbarvereine aus Gaißach, Bad Tölz, Wackersberg und der Jachenau sowie auch der SC Moosham – Heimat von Top-Biathletin Uschi Disl – sind schon mit in der Spur.

Gemeinsam will man nun ein genaueres Konzept erarbeiten, mit dem man dann an Städte und Gemeinden herantreten will. Zu diskutieren bleibt freilich auch noch der genaue Standort des „Nordischen Zentrums“. „Da haben wir schon einige ins Auge gefasst, und natürlich sind auch welche in Lenggries dabei“, sagt Danner. „Aber entschieden ist noch nichts.“

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