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Lawinenhundestaffel übt am Brauneck

Keine Angst vor dem Hubschrauberflug

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Wie reagiert ein Hund auf Hubschrauberlärm? Weglaufen können Lawinenhunde im Einsatz nicht. Deshalb wurde jetzt für den Ernstfall trainiert - um die Vierbeiner an ihre Arbeit zu gewöhnen.

Lenggries – Mäx kauert im Gras. Aufmerksam beobachtet er, was da vor ihm passiert, schaut auf dieses große Ding, das so viel Lärm und Wind macht. Herrchen Andi Schütz von der Krüner Bergwacht tätschelt dem einjährigen Schäferhund ermutigend die Seite. „Alles gut, alles gut“, sagt er immer wieder. Dann geht’s los. Das Duo läuft auf die offene Tür des olivfarbenen „Search- and-Rescue“-Hubschraubers zu, der startbereit am Fuß des Draxlhangs am Brauneck steht. Ohne zu zögern, springt Mäx in den Helikopter. Gleich darauf wiederholen er und sein Besitzer die Übung. „Das hat er gut gemacht“, sagt Schütz im Anschluss und blickt zufrieden auf seinen Hund.

Der Krüner und die anderen Hundeführer der Bergwacht-Lawinenhundestaffel Hochland sind an diesem Spätnachmittag ans Brauneck gekommen, um für den Ernstfall zu proben. Die Vierbeiner sollen sich an den Lärm und den Wind gewöhnen, den ein Hubschrauber macht. „Wir müssen das regelmäßig üben, damit das im Einsatz so reibungslos wie möglich funktioniert“, erklärt Staffelleiter Günter Fleischer von der Bergwacht-Bereitschaft Ohlstadt. Er hat heute zwei Hündinnen dabei. Ronja ist die Erfahrene von den beiden. „Sie hat schon genügend Einsätze mitgemacht“, sagt Fleischer.

Bei der Suche nach vermissten Wanderern oder verschütteten Lawinenopfern kommt die Staffel zum Einsatz. Die Ausbildung ist umfangreich. Nach dem dreijährigen Lehrgang zum Bergwachtmann schließt sich eine vierjährige Ausbildung zum Lawinenhundeführer an. So lange brauchen auch die Hunde bis sie alles gelernt haben, was sie für den Ernstfall brauchen. „Dann hat man drei bis vier Jahre einen guten Hund, bevor der altersbedingte Abbau beginnt“, erklärt Fleischer. Seine zweite Hündin Chili ist mit ihren eineinhalb Jahren noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Wie Mäx macht auch sie heute zum ersten Mal nähere Bekanntschaft mit einem richtigen Hubschrauber. Allerdings darf auch sie nur das Annähern und Einsteigen üben. Zum Mitfliegen ist es noch zu früh.

Spike darf das schon – und er ist tatsächlich ganz heiß auf den Einsatz und auf den Helikopter. „Der sitzt seit einer halben Stunde da und macht deutlich: ,Ich will da rein, ich will da rein“, sagt sein Besitzer, der stellvertretende Staffelleiter Mike Meder, schmunzelnd. Mit seinem Herrchen wird Spike später abheben und ein kleines Stück fliegen. Dann wird das Duo zum Boden abgeseilt. Der Hund trägt dafür ein eigenes Geschirr, das am Gurtzeug des Hundeführers eingehakt wird.

Damit sich bei der Übung keiner verletzt, gibt es im Vorfeld für alle eine Einweisung von Luftrettungsmeister und Oberstabsfeldwebel Patrick Schneider. „Beim Annähern an den Hubschrauber müssen sich die Großen bitte ducken“, sagt er mit Blick auf die sich drehenden Rotorblätter. Und: „Haltet die Hunde bei Euch, die werden nervös sein.“ Danach gibt es noch sehr anschauliche Erläuterungen, was man im Hubschrauber-Inneren besser nicht anfasst, „wenn man nicht auf Schmerzen steht“, sagt Schneider. „Und noch kurz zu dem roten Schalter: Lasst die Hand einfach am Hund.“

Dann wird es ernst. Bis in die frühen Abendstunden wird trainiert – damit beim nächsten Einsatz der Lawinenhundestaffel irgendwo zwischen Zugspitzmassiv und den Chiemgauer Alpen alles reibungslos funktioniert.

Übung der Hundestaffel der Bergwacht 

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