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Kunst auf Biegen und Brechen: Gold- und Silberschmied Markus Pollinger in seiner Werkstatt. 

Kunst aus Hammer-Schlägen

Das Leben, ein Kupfergefäß

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Große Ehre für Markus Pollinger: Der Gold- und Silberschmied aus Lenggries ist mit dem Staatspreis des Bayerischen Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet worden.

Lenggries – Offensiv-Zauberer gewinnen Spiele, aber nur eine starke Abwehr holt sich die Meisterschaft, sagen Fußballer. Markus Pollingers Kunst hat nichts mit zauberhaften Pinselschwüngen zu tun. Nein, es ist im Wortsinn eine Kunst auf Biegen und Brechen. Pollinger presst, faltet und schlägt für sein Werk sogar. Eine Vehemenz, die dem Lenggrieser nun seine persönliche Meisterschaft beschert hat: den Staatspreis des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der seit 1952 für gestalterische und technische Hochleistungen im Handwerk verliehen wird.

Pollinger ist Gold- und Silberschmied – und er kreiert Kupfergefäße in abstrakten, manchmal gar verstörenden Formen. Aus Blechscheiben macht er Schalen und lötet einen Deckel drauf. Fertig? Nein, jetzt beginnt der künstlerische Prozess – das pressen, biegen und schlagen. Mit Hammer, Drückbank und hydraulischem Gerät deformiert Pollinger seine Objekte. Manchmal kann man in ihnen sogar Schnäbel und Gesichter entdecken – „animalische, furchterregende Züge“, wie der Lenggrieser sagt. Ein bis zwei Wochen braucht es, bis er mit einem Werk zufrieden ist.

Pollinger vertiefte nach Ausbildung und Meisterschule sein Wissen über Gold und Silber an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Hier entstanden die Kupfergefäße im Rahmen seiner Abschlussarbeit. Genauso wie er schon immer Goldschmied werden wollte, wollte er einmal auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München ausstellen. „Ich war schon erstaunt, dass sie mich überhaupt genommen haben“, sagt Pollinger. Er präsentierte seine Kupferkunst auf der Sonderschau „Talente“ zeigen – wie 104 andere jungen Gestalter aus 32 Ländern. Die Altersgrenze von 33 Jahren unterschritt der 32-jährige Pollinger knapp: „Es war meine letzte Chance“, sagt er und schmunzelt. „Seit 15 Jahren gehe ich auf diese Messe, und jetzt gewinne ausgerechnet ich den Staatspreis. Einfach verrückt.“

Alles andere als verrückt ist das Thema seiner Kunst: Es ist schlicht die Realität. Jeder könne selbst entscheiden, ob er die Kupfergefäße als Gebrauchsgegenstand oder als Kunst betrachten möchte. Die deformierten Objekte kann man sich als Körper vorstellen: „Der Mensch verändert sich ständig. Teilweise ist es ein Prozess von innen, teilweise zwingt ihn die Gesellschaft dazu, sich anzupassen.“ Die äußeren Einflüsse, das sind Pollingers Schläge, Biegungen und Pressungen.

Zu rabiat darf er in seiner Lenggrieser Angerschmiede aber nicht vorgehen. „Es ist auch schon einiges kaputt gegangen“, sagt er. Die Verbindung aus Kunst und Handwerk ist für Pollinger ein Lernprozess, der mit 32 Jahren noch lange nicht am Ende ist. Nach sechs Jahren in Nürnberg ist er nun an der Akademie für Bildende Künste in München eingeschrieben. Denn: „Auf seinen Lorbeeren darf man sich nicht ausruhen.“

Angerschmiede

Markus Pollinger fertigt unter anderem auch Messer und Ringe. Einen Überblick über seine Werke präsentiert er auf seiner Homepage www.angerschmiede.de

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