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Die 800 Meter hohe Lalidererwand im Alpenvereinsführer „Karwendelgebirge“. 

Alpenvereinsführer „Karwendelgebirge“

Legendäres Kultbuch der Karwendelfans: Nach der 16. Auflage ist Schluss

Immer wieder macht der Bergverlag Rother mit Neuerscheinungen aufmerksam, die dem Tölzer Land und seinen Bergen gewidmet sind. Doch sein legendärer Alpenvereinsführer „Karwendelgebirge“, das Kultbuch für Bergsteiger, ist inzwischen vergriffen.

Lenggries– Der 1920 gegründete Verlag hat ab 1950 in Zusammenarbeit mit dem Alpenverein die „Alpenvereinsführer“ herausgegeben. Als erster dieser Klassiker erschien „Karwendelgebirge“ (Autoren: Dr. Heinrich Klier und Dr. Fritz März). Das ambitionierte Standardwerk der Bergführerliteratur hat auf 500 eng bedruckten Seiten alle rund 1300 bekannten Anstiege und Kletterrouten auf die fast 250 Gipfel des Karwendels beschrieben, darunter auch die Wege durch die Lalidererwand, die berühmteste Nordwand der Kalkalpen.

Für Karwendel-Enthusiasten ist das Buch immer noch die Bibel

Für Karwendel-Enthusiasten jenseits der 40 ist das Buch immer noch gleichsam die Bibel. In trockener Alpinprosa beschreiben die Autoren darin auch die wildeste Form des gefährlichen Abenteuerbergsteigens. So heißt es zum Beispiel über die zu ihrer Zeit vermutlich weltweit schwerste Kletterstelle von 1921, die „Ha-He-Verschneidung“ des Münchner Klettergenies Otto Herzog an der Lalidererwand, ganz lapidar: „Von hier über eine meist nasse Wandstelle (VI) in eine Verschneidung und durch sie zum Beginn der Eisschlucht.“

Nach der 16. Auflage war Schluss

Runter geht’s von der „Lali“ durch die steinschlaggefährdete „Spindlerschlucht“ mit wüstem Karwendelbruch und lausigen Abseilstellen, wo sich jedem Plaisir-Kletterer die Haare aufstellen. Ein wenig Fatalismus hilft da schon.

Solche Schinderei ist heute nicht mehr so angesagt. Nach der 16. Auflage war Schluss. Vom Verlag sagt Bettina Löneke: „Wir haben uns das nicht leicht gemacht. Uns hat das Herz geblutet, aber das Interesse der Kunden hat sich verändert.“

Das bestätigt auch Bergführer und Karwendelspezialist Tom Listle aus Gaißach: „Der klassische Alpinismus hat sich aufgefächert in Hüttenwandern, Skitouren, Bergradeln, Klettersteige, Gleitschirmfliegen, Bergläufe und Canyoning. Geklettert wird lieber in gut abgesicherten Routen.“

Liebhaber zahlen jetzt viel Geld für ein antiquarisches Exemplar

Liebhaber zahlen jetzt viel Geld für ein antiquarisches Exemplar. Bergsteigern stehen heute Auswahlbücher zur Verfügung, die sich die weniger gefährlichen Plaisir-Touren in festem Fels herauspicken. Dafür stehen ihnen der Panico-Führer und Beschreibungen bei „bergsteigen.com“ oder „hikr.org“ zur Verfügung, die allerdings in ihrer Zuverlässigkeit nicht immer ganz seriös sind.  rbe

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