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Im Schloss Hohenburg führt Schulleiter Christoph Beck das St.-Ursula-Gymnasium. 

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St.-Ursula-Gymnasium im Porträt: Wie das Hohenburg-Gefühl zum Abitur trägt

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Das Abitur: Vielen Eltern und Schülern gilt es als zentrales Fundament, auf dem sich das spätere (Berufs-)Leben aufbauen lässt. Heute: das St.-Ursula-Gymnasium Hohenburg.

Lenggries – Das Hohenburg-Gefühl breitet sich schnell aus. Die schwere Holztür fällt zu, sperrt das Draußen aus. Die Sonne scheint durch die Fenster des ehemaligen Jagdschlosses, erhellt den herrschaftlichen Treppenaufgang, die breiten Flure. Hier haben große Träume Platz. Ja, das Lenggrieser Gymnasium ist eine Wohlfühlschule.

„Wir legen großen Wert darauf, dass die Arbeitsatmosphäre stimmt“, sagt Schulleiter Christoph Beck. Wer sich wohlfühle, könne bessere Ergebnisse bringen. Die Statistik gibt ihm recht: Die Abiturergebnisse seiner Schule lagen in den vergangenen Jahren stets über dem bayerischen Durchschnitt.

In Hohenburg werden ausschließlich Mädchen unterrichtet. Das sei ein wesentlicher Aspekt der Wohlfühlatmosphäre, erklärt Becks Stellvertreter Thomas Gampl. Durch Jungen komme doch Aggressivität rein. An einer Mädchenschule hingegen „ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern viel entspannter“, so Gampl. Diskussionen im Unterricht könnten offener geführt werden.

Böse Zungen behaupten, an Hohenburg bekämen die Schülerinnen ihr Abitur geschenkt. „Stimmt“, sagt Beck und lächelt verschmitzt. „Schülerinnen, die vielleicht anderswo untergehen würden, können hier zum Abitur kommen.“ Die Anforderungen seien zwar gleich, doch da Hohenburg eine kleine und sehr persönliche Schule sei, könnten sich die Lehrer entsprechend um die einzelnen Schülerinnen kümmern. „Hier kennt jeder jeden und wir merken, wenn etwas nicht stimmt.“

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Die Ursulinen gründeten die Schule 1953, vor 15 Jahren aber kehrten die letzten Schwestern nach Landshut zurück. Auch wenn der Orden nicht mehr in Hohenburg vertreten ist, versucht die Schule seinen Geist zu bewahren. Das macht sich nicht nur darin bemerkbar, dass die Schülerinnen die rechte Haupttreppe, wo die Nonnen früher ihre Klausur hatten, kaum nutzen, obwohl es jetzt nicht mehr verboten wäre. „Vor den Abiturprüfungen bekomme ich immer einen Anruf oder eine Mail von Sr. Andrea (Anm. d. Red.: Oberin des Ordens), dass die Schwestern in ihrer Morgenandacht für die Abiturientinnen gebetet haben“, sagt Beck. Außerdem fahre jede Schülerin mindestens einmal im Leben zum Mutterkloster nach Brescia, wo die Heilige Angela die Gesellschaft der Heiligen Ursula ins Leben rief. „Aus Brescia kommen die Schülerinnen immer verändert und gestärkt wieder.“

Um das St.-Ursula-Gymnasium besuchen zu dürfen, müssen die Mädchen jedoch nicht katholisch sein. „Das würde nicht dem Geist der Heiligen Angela entsprechen“, betont der Schulleiter. Hohenburg würden auch evangelische, muslimische und konfessionslose Mädchen besuchen. Da morgens gebetet wird und regelmäßig Gottesdienste stattfinden, sollte man christlichen Werten allerdings offen gegenüber stehen.

Eine Besonderheit der St.-Ursula-Schulen, in Hohenburg gibt es eine Realschule, ist natürlich das Gebäude. „Das alte Schulhaus hat einen besonderen Reiz“, findet Beck. Ausgestattet sei die Schule aber dennoch modern. Wie auch an anderen Schulen seien Dokumentenkameras, Beamer und Laptops üblich.

Auch „die Unterrichtstechnik unterscheidet sich nicht wesentlich“, sagt Gampl. Die Ausrichtung der Schule macht sich dennoch bemerkbar: Im Sinne der Schöpfungsbewahrung engagieren sich Schülerinnen im Umweltschutz und für verschiedene soziale Projekte. Einige wurden sogar ausgezeichnet. Und wer die Hohenburgerinnen nun in eine Schublade gesteckt hat, sollte sie da schleunigst wieder rausholen. In einem P-Seminar von Schulleiter Beck brauen sie Bier. Mädchen sind eben immer für eine Überraschung gut.

sw

 

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