Stillstand trotz Schnee und Sonnenschein: Die Blombergbahn darf derzeit keine Skifahrer transportieren. Nicht nachvollziehbar, findet Geschäftsführer Hannes Zintel. Schließlich sei es unwahrscheinlich, sich im Freien und unter Einhaltung der Abstandsregeln anzustecken.
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Stillstand trotz Schnee und Sonnenschein: Die Blombergbahn darf derzeit keine Skifahrer transportieren. Nicht nachvollziehbar, findet Geschäftsführer Hannes Zintel. Schließlich sei es unwahrscheinlich, sich im Freien und unter Einhaltung der Abstandsregeln anzustecken.

Corona-Auswirkungen

Bergbahnen im Tölzer Land droht finanzielle Schieflage

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Die Verlängerung des Lockdowns bringt zahlreiche Bergbahnen in Not. Sie fordern deshalb schnelle und unbürokratische Hilfen für Januar und Februar - die Hochsaison im Wintersport.

  • Liftbetreiber haben nur noch wenig Hoffnung, diesen Winter den Betrieb noch aufnehmen zu können
  • Bergbahnen kritisieren die bestehenden Wirtschaftshilfen als unbürokratisch und unpassend
  • Liftbetreiber fordern Ausfallentschädigung, die auf ihre Branche zugeschnitten ist

Bad Tölz/Wolfratshausen – Die Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar bringt zahlreiche Bergbahnen in Not. Das zumindest befürchtet Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneckbahn. „Vor allem jene, die auf den Winterbetrieb spezialisiert sind, geraten in eine Schieflage, die nicht mehr weit weg ist von der Insolvenz.“

Zwar könnten sie – wie die Unternehmen anderer Branchen auch – die sogenannte November- und Dezemberhilfe beantragen, die der Bund unter bestimmten Voraussetzungen gewährt, um die Betriebe für ihre finanziellen Ausfälle zu entschädigen. Allerdings seien die Monate November und Dezember für die Bergbahnen nicht entscheidend. „Die Saison geht bei uns ja erst im Januar richtig los. Folglich muss es Ausfallentschädigungen gerade für Januar und Februar geben“, sagt Lorenz.

Erst am vergangenen Dienstag habe der Verband deutscher Seilbahnen, in dem Lorenz aktiv ist, ein Gespräch im bayerischen Wirtschaftsministerium geführt: „Eine konkrete Lösung zeichnet sich leider nicht ab.“ Lorenz stört sich auch an den bürokratischen Hürden, die man nehmen müsse, um an die Entschädigung zu kommen: „Das ist der Wahnsinn, was man da alles ausfüllen muss. Die Politik tut so, als würde sie helfen, aber an der praktischen Umsetzung hapert es gewaltig.“

Liftbetreiber fordern unbürokratische Entschädigungen für die Monate Januar und Februar

Lorenz hofft deshalb auf ein Ende des Lockdowns: „Es wäre wichtig, dass wir Mitte Februar den Betrieb aufnehmen können.“ Zwei bis drei Tage Vorlauf bräuchte die Brauneckbahn, um startklar zu sein. „Wir müssen die Piste präparieren, die Pistenränder markieren, Ein- und Ausstiege der Lifte vorbereiten.“ Ein Großteil der 35 Mitarbeiter der Brauneckbahn sei derzeit in Kurzarbeit und freue sich auf einen baldigen Einsatz.

Hannes Zintel von der Blombergbahn dagegen ist froh über die Wirtschaftshilfe, die er für November und Dezember bewilligt bekommen hat: „Damit konnten wir unsere Fixkosten einigermaßen decken.“ Auch für die Möglichkeit, seine Leute in Kurzarbeit zu schicken sei er dankbar. „Allerdings würden sie es bevorzugen, zu arbeiten“, sagt er.

Ob das in dieser Saison noch passieren wird? „Wir hoffen das Beste und erwarten das Schlimmste.“ Zintel schätzt gerade bei der Blombergbahn das Risiko, sich anzustecken, gering ein. „Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass es unwahrscheinlich ist, sich in einem offenen Doppelsessellift anzustecken.“ 30 Meter Abstand liege zwischen den einzelnen Sesseln, die auch mit nur einer Person besetzt werden könnten. „Es ist schade, dass keine Unterschiede gemacht werden. Man kann doch einen offenen Lift und eine geschlossene Kabine, die 50 Leute oder mehr transportiert, nicht über einen Kamm scheren.“ Sollte es Mitte Februar Lockerungen geben, wäre die Blombergbahn sofort startklar: „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“

Die Skilifte haben sich vor Saisonbeginn auf den Skibetrieb vorbereitet - umsonst

Am Rabenkopf bei Kochel hat man die Wintersaison im Grunde schon abgeschrieben: „In unserer Höhenlage kann man im März nicht mehr so gut Skifahren, es sei denn, es schneit noch richtig viel“, sagt Martin Krinner. Er betreibt die Ötzlifte, die sich auf 600 beziehungsweise 850 Metern Höhe befinden. Etwa 4000 Euro laufende Kosten habe er im Jahr, die auch bei einem Stillstand anfallen. „Ich hoffe, dass wir unsere Lifte erhalten können, schließlich werden sie sehr gut angenommen, vor allem von Eltern mit Kindern.“

Auch Georg Gerg, Chef des Reiserlifts in Gaißach ist enttäuscht: „Wir haben uns vor Saisonbeginn vorbereitet, die Anlage gewartet, uns um den TÜV gekümmert. Vor gut zwei Wochen haben wir einen Probelauf gemacht und beschneit. Realistisch betrachtet glaube ich, das war alles umsonst.“

Lesen Sie hier, wie es den Liftbetreibern im Nachbarlandkreis Miesbach geht.

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