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„Ich möchte Jeff einfach zurückhaben“: So geht es den Angehörigen des vermissten Wanderers

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Jeff Freiheits Mutter Kathy und seine Frau Selena hoffen auf Hinweise auf den Verbleib des 32-Jährigen. © Matthäus Krinner

Das letzte Lebenszeichen des kanadischen Wanderers Jeff Freiheit kam vor zwei Wochen vom Brauneck. Doch seine Ehefrau Selena und seine Mutter Kathy geben die Hoffnung nicht auf.

Bad Tölz/Lenggries - Es fühlt sich an wie ein Albtraum“, sagt Selena Freiheit. Am frühen Morgen des 2. August hat sie zuletzt mit ihrem Ehemann Jeff telefoniert. Das war gegen 5 Uhr deutscher Zeit. Der 32-Jährige war kurz davor aufzubrechen. Nach Lenggries, aufs Brauneck und weiter zur Tutzinger Hütte am Fuß der Benediktenwand wollte es der Kanadier an diesem Tag schaffen. Der „Traumpfad“-Fernwanderweg sollte ihn in vier Wochen bis nach Venedig bringen. Doch das Telefonat ist eines der letzten Lebenszeichen. Denn an diesem 2. August verliert sich die Spur von Jeff Freiheit. Seitdem wird nach dem Kanadier gesucht.

Alle Neuigkeiten zur Suche nach Jeff Freiheit lesen Sie in unserem News-Blog.

Seit Sonntag sind Selena Freiheit und ihre Schwiegermutter Kathy in Bad Tölz, fahren seitdem zu den Stellen, wo ihr Mann, ihr Sohn zuletzt gesehen wurde. Auch auf dem Brauneck waren die beiden. Wenige Meter entfernt entstand ein Video, dass der Kanadier auf Instagram hochgeladen hat. Später kehrte er noch auf der Tölzer Hütte ein. „Wir haben mit der Frau geredet, die ihn bedient hat“, sagt Selena Freiheit. Bei der Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg bekam ihre Schwiegermutter eine Vorstellung, warum die Suche an vielen Stellen so schwierig ist. „Hier reiht sich Baum an Baum“, sie verstehe, warum man das Gebiet kaum per Helikopter absuchen könne.

Selena Freiheit: „Ich muss jetzt stark bleiben“

Sie waren in der Jachenau, wo der 32-Jährige am 3. August gesehen worden sein soll, telefonierten mit Hüttenwirten, der Polizei und der Bergwacht. Sie stehen in Kontakt mit vielen Freiwilligen, die sich mittlerweile an der Suche beteiligen, weil ihnen das Schicksal der Familie nahe geht. Einige von ihnen suchen auf eigene Faust Gebiete ab oder verteilen Plakate mit dem Foto des Vermissten entlang der Wegstrecke – bis nach Venedig. In der Facebookgruppe „Volunteers searching für Jeff Freiheit“ tauschen sie sich aus. Jeder ist dort willkommen. „Jeder Hinweis zählt“, sagt Selena Freiheit. Dass es bislang so wenig Konkretes gibt, sei natürlich frustrierend.

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Jeff Freiheit wird seit 2. August vermisst. © privat

Die Hoffnung aufzugeben, kommt für die 28-Jährige nicht in Frage. Sie könnte sich auch hinsetzen und die ganze Zeit weinen, sagte sie, „aber ich muss jetzt stark bleiben“. Es sei schwierig in Worte zu fassen, wie sie sich fühle. „Ich funktioniere im Moment wie auf Autopilot. Ich möchte Jeff einfach zurückhaben.“ Erst vor zwei Jahren haben die beiden geheiratet. Die Zeremonie fand in Kroatien statt, die Hochzeitsreise führte nach Italien. Später wurde zu Hause in Brandon/Kanada gefeiert. Seit neun Jahren sind Selena und Jeff ein Paar. Sie reisen gerne. Beide sind Lehrer, unterrichteten unter anderem in Kuwait. Der 32-Jährige hat bereits einige große Wandertouren hinter sich. Er war im Everest-Basislager und bestieg den Kilimandscharo. Am Machu Picchu hatte ihm ein anderer Wanderer vom „Traumpfad München-Venedig“ erzählt.

Viele Freiwillige helfen bei der Suche

Dass ihr jetzt so viele völlig fremde Menschen bei der Suche nach ihrem Mann helfen, weiß die Kanadierin „sehr zu schätzen“. Wie lange sie und ihre Schwiegermutter in Bad Tölz bleiben – Selena Freiheit weiß es nicht. Gebucht war eine Woche, aber sie will nicht zurück, so lange sie nicht weiß, was aus ihrem Mann geworden ist. Sollte die Polizei die Suche einstellen, weil es einfach keine neuen Anhaltspunkte mehr gibt, wird die 28-Jährige versuchen, weitere Freiwillige zu finden, die ihr helfen. Auch sei ein kanadischer Polizist auf dem Weg nach Deutschland, um die Ermittlungen zu unterstützen. Am Samstag hoffen sie und Kathy Freiheit außerdem, sich mit der Lenggrieser Bergwacht treffen zu können. Sie wollen herausfinden, wie sie am besten weiter vorgehen können.

Am Freitag suchte unter anderem die Bergwacht Lenggries die Nordseite der Achselköpfe nach Jeff Freiheit ab.
Am Freitag suchte unter anderem die Bergwacht Lenggries die Nordseite der Achselköpfe nach Jeff Freiheit ab. © Hias Krinner, Bergwacht Lenggries

Damit zu den großen Sorgen der Familie Freiheit nicht auch noch finanzielle kommen, haben Freunde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Für die Kampagne „Help support the Freiheits“ auf der Internetplattform „GoFundMe“ spendeten knapp 500 Menschen innerhalb weniger Tage gut 35.000 Dollar. Das Geld soll für die weitere Suchaktion eingesetzt werden.

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