Wie wär‘s damit? Annemarie Baumgartner reicht die Räucherpfanne einem Teilnehmer. Foto: mel

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Die Geheimnisse des Räucherns

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Lenggries - Weihrauch und Myrrhe kennen viele in Verbindung mit den Heiligen Drei Königen. In der Zeit der Raunächte steckt aber noch viel mehr Symbolik, wie Kräuterexpertin Annemarie Baumgartner jetzt bei einem Vortrag erklärte.

Es ist eine magische Zeit, die Zeit zwischen den Jahren. Zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar sind die sogenannten Raunächte. „Es ist die Zeit, das alte Jahr zu verabschieden, aufzuräumen“, sagt Annemarie Baumgartner. Sie hielt vor Kurzem in Lenggries einen Vortrag über die Kunst des Räucherns und die Bedeutung der Raunächte.

Es ist ein uraltes Bedürfnis des Menschen, Unglück von sich und seinen Lieben fernhalten zu wollen. In früheren Zeiten, wenn im Winter die Tage dunkel und kalt waren, waren die Leute besonders beunruhigt. „Kein Wunder, dass die Menschen dachten, das Böse zieht umher, wenn es in ihren Holzhütten überall geknarzt hat“, sagt Baumgartner. Während der zwölf Raunächte wollte man versuchen, die Stimmung hochzuhalten, um das neue Jahr gut zu begrüßen.

Das geschah über das Räuchern, das früher häufig auch an Weihnachten stattfand. „Heute kommt man an Heiligabend nicht mehr dazu, es wird meist nur noch an Heiligdreikönig praktiziert.“ Welche Hintergründe hatte das Räuchern? „Zum einen hat man die Menschen eingeräuchert, um sie zu desinfizieren“, erklärt Baumgartner. Zum anderen wurden verschiedenen Düften unterschiedliche Bedeutungen beigemessen.

Als Demonstration zündet Baumgartner Räucherkohle in einer kleinen Räucherpfanne an. „Es gibt nix, was man nicht verräuchern kann“, sagt sie. Aber nicht alles taugt dazu. Zum Auftakt legt sie getrocknete Erzengelwurz auf die Kohle. „Immunstärkend“ solle diese wirken. Rosmarin, erzählt Baumgartner, wirke verjüngend. „Sie werden zehn Jahre jünger hier wieder rausgehen“, sagt sie den Teilnehmern. Als ein Lachen folgt, meint sie: „Sehen Sie, das Räuchern hellt die Stimmung auf und wirkt belebend. Wenn man an einem Rosmarinstock vorbeigeht und den Duft riecht, kann man einfach nicht zwider sein.“

Jetzt „wird’s gleich sauber dampfen“, kündigt Baumgartner an, als sie Fichtenharze auf die Kohle legt. „Das räuchert alles aus.“ Alle Ungeziefer verscheucht auch der Rainfarn, den die Kräuterexpertin als nächstes präsentiert. „Jeder hat eine Verantwortung für sich selbst“, sagt sie. Wenn man sich selbst etwas Gutes tue, wirke sich das positiv auf den ganzen Körper aus.

Einige Teilnehmer verziehen bei dem Geruch etwas das Gesicht. „Es muss nicht alles gut riechen“, sagt Baumgartner. „Aber wirken.“ Anschließend verscheucht sie mit Beifuß – natürlich mit einem Augenzwinkern – die schlechte Stimmung, die sich vielleicht über Weihnachten angestaut hat. „Damit man für Silvester gut drauf ist.“ Das Wichtigste sei, im Leben positiv eingestellt zu sein. „Geld ziehen wir jetzt auch noch an“, scherzt Baumgartner, als sie Johanniskraut räuchert. „Ich sag’s Ihnen, Sie werden sich nicht mehr auskennen.“

Nach weiteren Räucherungen mit Lorbeer, Zirbel, Kampferraute und Fenchel liegt ein interessanter Duft über dem Lesesaal der Gästeinformation in Lenggries. „Hier können sich jetzt keine Bakterien und Viren mehr halten – und die bösen Geister sind wir auch alle los“, sagt Baumgartner. Es sei wichtig, die Natur mit allen Sinnen zu erleben. „Das ist die Türe zum Glück. Dann kann man sie wertschätzen und erhält Lebensfreude.“

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