Jagdschloss in Hinterriß
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Versteckt hinter Bäumen liegt das ehemalige Jagdschloss in Hinterriß.

Es ist über die Jahre verfallen

„Eingebettet im Karwendelgebirge“: Jagdschloss an deutsch-österreichischer Grenze offenbar verkauft - Was wird jetzt daraus?

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Die genauen Pläne sind noch ungewiss: Aber in das ehemalige Jagdschloss in Hinterriß könnte bald wieder Leben einziehen.

  • Ein ehemaliges Jagdschloss in Hinterriß hat einen neuen Besitzer.
  • Zuvor stand das herrschaftliche Anwesen leer und verfiel immer mehr.
  • Die Pläne des neuen Eigentümers sind noch unbekannt, Andeutungen gibt es aber.

Lenggries/Hinterriß – „Historisches Jagdschloss umgeben von Wäldern und Wiesen eingebettet im Karwendelgebirge“ – so war lange Zeit in einem Immobilienportal im Internet zu lesen. Die Rede ist vom früheren Herrschaftshaus des Herzogtums Sachsen-Coburg. Im Sommer 2019 verschwand die Anzeige aus dem Internet. Nach Angaben der Tiroler Tageszeitung (TT) hat sich wohl ein Käufer gefunden, der das historische Haus erworben hat – in der Anzeige war von 950 000 Euro für das Gebäude und das knapp 6300 Quadratmeter große Grundstück die Rede.

Von der einstigen Herrschaftlichkeit ist allerdings dieser Tage nichts mehr zu sehen. Das Gebäude zerfällt zusehends. „Das Schloss müsste komplett saniert werden. Der Denkmalschutz für das Anwesen wurde aufgehoben“, hieß es in der Anzeige. Auch eine Nutzung als Hotel sei seitens der Gemeinde möglich. „Das Jagdschloss könnte erneut ein wunderbarer Rückzugsort werden, um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen.“

Jagdschloss in Hinterriß: Gebäude hat bewegte Geschichte hinter sich - und zog in den 1960ern Diebe an

Das Jagdschloss hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Erbaut wurde es vom damaligen Hohenburger Schlossherrn Karl Emich zu Leiningen zwischen 1840 und 1844. Um seine Jagdgebiete besser erreichen zu könne, hatte er eine gut befahrbare Straße nach Hinterriß bauen lassen. 1846 kaufte schließlich Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha den noblen Landsitz. Das herzogliche Jagdgebiet erstreckte sich über 4000 Hektar Eigenbesitz und 60 000 Hektar Pachtfläche.

Nach Ernst II. nutzten dessen Neffe Herzog Alfred, dann Herzog Carl Eduard sowie Prinz Friedrich Josias das Jagdschloss. Die 1922 verstorbene Herzogin Helene wurde sogar in Hinterriß beerdigt. Schließlich wurde das Schloss verlassen – und zog Diebe an. Wie der Tölzer Kurier 1966 berichtet, entwendeten zwei Einbrecher etliche Jagdtrophäen aus dem Gebäude. Auf der Rückkehr von einem ihrer Einbrüche wurden sie aber geschnappt und schließlich zu jeweils einem halben Jahr Haft verurteilt.

Keine Auskünfte über geplante Nutzung des Jagdschlosses in Hinterriß

Das Schloss wechselte den Besitzer. „Es wurde in den 1970er-Jahren durch unsere Stiftung verkauft“, schreibt die Stiftung des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie auf Anfrage. Damals ging es an einen Wolfratshauser Bauunternehmer. Zu weiteren Verkäufen habe man keine Unterlagen und könne keine Angaben machen. Auch Eckhard Mönnig, ein Experte vom Naturkunde-Museum Coburg, der vor ein paar Jahren im Naturparkhaus einen Vortrag über das Jagdschloss hielt, hat keine aktuellen Informationen über das Schloss.

Laut Tiroler Tageszeitung hatte sich, bevor der aktuelle Besitzer zuschlug, eine Familie dafür interessiert, das Jagdschloss zu erhalten und dafür sogar eine private Sammelaktion ins Leben gerufen. Doch dann wurde das Schloss plötzlich nicht mehr angeboten. Nach Angaben der TT soll ein Mann, dessen Familie ein Traditionskaufhaus in München gehört, der neue Besitzer sein. Er habe gegenüber Anwohnern geäußert, kein Interesse an einer Hotelnutzung zu haben, sondern dort wohnen zu wollen.

Neuer Schlossbesitzer: Familie gehört Münchner Traditionskaufhaus

Von Seiten der Gemeinde Eben am Achensee, auf deren Flur das Jagdschloss liegt, gibt es keinerlei Auskünfte über die geplante Nutzung oder den neuen Besitzer.

In Bayern werden immer wieder historische Gebäude verkauft. So beispielsweise das Ammerlander Schloss am Starnberger See. Und sogar in Sissis Geburtsschloss in Possenhofen kann man sich einkaufen.

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