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Diskutierten auf dem Posium (v.li.): Sebastian Englich (Linke), Jakob Koch (Grüne), Sebastian Salvamoser (SPD), Moderator Dr. Andreas Steppan, Simon Roloff (FDP), Josef Rohrmoser (CSU) und Stefan Drexlmeier (Energiewende Oberland) 

Klimadebatte 

Von Windkraft bis ÖPNV

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Über 100 Zuschauer verfolgten  die Debatte von jungen Kommunalpolitikern, die vom Nachhaltigkeitsteam des Hohenburger Gymnasiums organisiert worden war. Dabei kamen viele brisante Themen auf den Tisch. 

Lenggries – Klimaschutz ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Das zeigte sich auch am Dienstag bei der Veranstaltung „Regionalentwicklung im Zeichen des Klimawandels“, die vom Nachhaltigkeitsteam des Hohenburger Gymnasiums organisiert worden war. Junge Politiker aus dem Landkreis waren eingeladen, um auf dem Podium zu diskutieren – und der Alpenfestsaal war gut gefüllt.

Volles Haus: Zahlreiche Zuhörer verfolgten im Lenggrieser Alpenfestsaal die Debatte

Das Thema „könnte nicht brisanter sein“, sagte Moderator und stellvertretender Kurier-Redaktionsleiter Andreas Steppan mit Blick auf die Brände in Australien und den warmen Winter vor der eigenen Haustür. Er wollte wissen, welchen Stellenwert das Thema für die Nachwuchspolitiker auf dem Podium einnimmt – persönlich und für deren Partei. Er würde durchaus gerne mal zu einer „Fridays for Future“-Demo gehen, bekannte Josef Rohrmoser (22) von der Jungen Union der CSU. Beruflich sei das aber schwierig für ihn. „Es gibt viele Herausforderungen, die auf uns zukommen. Man muss den Klimaschutz aber sinnvoll angehen.“ Auch bei den Jungen Liberalen habe das Thema einen „superhohen Stellenwert“, ergänzte Simon Roloff (17). Man sei aber gegen eine „Verbotspolitik“. Die wird oft den Grünen unterstellt. Jakob Koch (21) von der Grünen Jugend nahm es gelassen. „Wir setzen uns dafür ein, dass die großen Hebel bewegt werden.“ Und das müsse auch nicht „der kleine Mann ausbaden“, antwortete Koch auf eine Anmerkung von Sebastian Salvamoser (28) von der SPD. Der hatte gefordert, dass Klimaschutz niemanden über Gebühr belasten dürfe. „Wir müssen innovative Lösungen entwickeln.“ Das sieht auch Sebastian Englich (34), Landratskandidat der Linken, so. „Klimaschutz ist aber auch für die kleinen Leute machbar, wenn man die richtigen Hebel umlegt.“

„Thema könnte brisanter nicht sein.“

Fakten über die Lage in der Region hatte Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland mitgebracht. Deren Ziel ist es, dass die Region Oberland mit ihren vier Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Miesbach bis 2035 energieautark ist. Beim Strom ist man auf einem guten Weg. „Knapp die Hälfte des Verbrauchs in der Region wird aus regenerativen Energien gedeckt“, sagte Drexlmeier. Hier profitiere man klar davon, dass die Wasserkraft gut genutzt wird – vor allem durch das Walchenseekraftwerk. Um aber wirklich das Ziel der Energiewende zu erreichen, sei ein Energiemix notwendig. Und das bedeutet auch einen Ausbau der Windkraftanlagen. Gerade mal ein Rad dreht sich in der Region Oberland, wie Moderator Steppan anmerkte. Das liegt auch an der bayerischen 10H-Abstandsregel. Muss die gelockert werden? Lockern vielleicht, antwortete Rohrmoser. „Aber die Regel ist schon auch nicht ganz falsch.“ An vielen Stellen seien Windräder auch mit Blick auf das Landschaftsbild „bei uns schwierig“. 

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Er würde lieber einen weiteren Ausbau von Wasserkraft- und Solaranlagen sehen. Man brauche aber auch den Wind – „gerade im Winter“, merkte Drexlmeier an. Das Potenzial der Wasserkraft sei weitgehend erschöpft. „Diese allein wird uns nicht über die Ziellinie bringen“, sagte Drexlmeier. Und letztlich könne man auch nicht immer sagen, „dass wir der Landkreis der Reichen und Schönen sind und deshalb die anderen die Windräder bauen sollen“, merkte Koch an.

Unsere verbrauchte Wärme kommt zu 86 Prozent aus Öl und Gas

Noch schwieriger als beim Strom sind die Klimaziele in anderen Bereichen zu schaffen. Die verbrauchte Wärme in der Region kommt nach wie vor zu 86 Prozent aus Öl und Gas. Und im Bereich Verkehr ist vor allem der Individualverkehr für die CO2-Emmissionen verantwortlich. Der Umstieg auf den „Öffentlichen Personennahverkehr ist ein wichtiges Thema“, sagte Englich. Und Koch „sprudelte vor Ideen“, was hier verbessert werden muss. Bessere Verzahnung von Bussen und Bahnen, ein Tarifsystem und damit ein Ticket für ganz Bayern, und generell brauche es einen ÖPNV, „den sich jeder leisten kann“, forderte der Grüne. Sogar einen kostenlosen ÖPNV für Studenten, Rentner und Geringverdiener könnte sich Salvamoser vorstellen. Dafür bekam er teilweise Rückendeckung von Roloff, während Rohrmoser der Meinung ist, „dass uns der ÖPNV auch etwas wert sein sollte. Was nix kostet, ist oft nix wert.“ Dass es Verbesserungen im Nahverkehr braucht, da waren sich alle einig. Salvamoser forderte beispielsweise „einen Halbstundentakt für BOB und Kochelseebahn“, Rohrmoser mahnte die fehlenden West-Ost-Verbindungen an.

Forderung nach fairen Preisen 

In der rund zweistündigen Debatte wurden noch zahlreiche Themen angeschnitten – vom Tourismus bis hin zur Landwirtschaft. Hier würden sich die Jung-Politiker von den Verbrauchern mehr Bereitschaft wünschen, faire Preise für regional erzeugte Produkte zu bezahlen.

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Zum Abschluss wollte Steppan noch wissen, was jeder selbst dazu beiträgt, das Klima zu schützen. Englich fährt viel Rad, Koch und Roloff bemühen sich, Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, Salvamoser achtet darauf, wenig Verpackungsmüll zu erzeugen. Rohrmoser würde sich wünschen, „dass keiner mehr leugnet, dass es einen Klimawandel gibt. Und man sollte nicht immer auf andere zeigen, sondern sich an der eigenen Nase packen“. Auch Roloff mahnte „mehr konstruktive Debatten und weniger Populismus“ an.

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