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Zog den Vergleich zwischen Königscard und Gästekarte plus: TI-Chefin Ursula Dinter-Adolf

Keine Beteiligung an Landkreis-Lösung

Lenggries schert beim Tourismus aus: Lieber „Plus“-Karte als  Königscard

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Während in vielen Gemeinden derzeit auf Vorschlag von Tölzer Land Tourismus die Einführung der Königscard diskutiert wird, setzt Lenggries weiter auf Bewährtes: die „Gästekarte plus“. Allerdings möchte die Kommune vom Landkreis dafür jetzt Geld.

Lenggries – Seit einiger Zeit wird im Tölzer Land um eine landkreisweite elektronische Gästekartenlösung gerungen. Nach vielen Diskussionen hat man sich nun für ein System entschieden. Jetzt sollen die Gemeinden mit ins Boot geholt werden. Daher befassen sich derzeit die Lokalpolitiker mit dem Thema.

 Entschließt sich eine Gemeinde dazu, sich an der Gästekarte zu beteiligen, können die Vermieter aus zwei Varianten wählen. Entweder entscheiden sie sich für die Basiskarte, mit der die eine oder andere örtliche Vergünstigung verknüpft werden kann oder sie setzen auf die Königscard, die zahlreiche Leistungen zwischen dem Allgäu und Tirol bietet, wie freie Eintritte in Museen, Bäder, bei Bergbahnen und Kulturangeboten. 

„Der Schwerpunkt der Leistungen liegt im Allgäu“, sagte Ursula Dinter-Adolf, Leiterin der Lenggrieser Tourist-Info, in der Gemeinderatssitzung. Auch das ist für sie ein Grund, der Königscard eher skeptisch gegenüberzustehen. Schließlich würden Gäste im Urlaub nicht lange Strecken auf der Straße zurücklegen wollen. Stattdessen sollen die Touristen ihr Geld möglichst vor Ort ausgeben, um die heimische Wirtschaft zu stärken.

Hauptgrund, warum die Gemeinde bei der angestrebten landkreisweit einheitlichen Lösung nicht mitziehen will, ist aber, dass sich die Lenggrieser Gästekarte und vor allem die „Gästekarte plus“, die es seit 2012 gibt, etabliert haben. „Wir wollen unser System nicht ändern, weil es super läuft“, sagte Bürgermeister Werner Weindl. 52 von 175 Lenggrieser Gastgebern geben die „Plus“-Karte aus. 25 Leistungen können damit in Anspruch genommen werden – darunter eine kostenlose Fahrt mit der Brauneckbahn, freie Eintritte in Naturfreibad und Isarwelle sowie viele Vergünstigungen bei Skischulen und anderen Freizeitanbietern. „Wir haben eine Leistungsdichte vor Ort, die für die Gäste interessant ist – ohne dass sie lange Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen“, sagte Dinter-Adolf.

Umlage für Gästekarte plus ist geringer

Finanziert werden die „Plus“-Leistungen über eine Umlage. Jeder Gast zahlt dafür pro Übernachtung 2,50 Euro – Kinder etwa die Hälfte. Diese Umlage, die über den Vermieter weitergereicht wird, ist auch bei der Königscard fällig – „da sind es aber 4,75 Euro pro Nacht“, sagte die Tourismus-Expertin. Die Umlage fließt in einen Finanztopf, der an die Leistungspartner – beispielsweise die Bergbahn – ausgeschüttet wird. In Lenggries bekommen die Partner so etwa 70 Prozent des eigentlichen Leistungspreises erstattet. Eine so hohe Ausschüttung gebe es fast nirgends bei solchen Kartensystemen, so Weindl. In den vergangenen fünf Jahren flossen auf diese Weise gut 1,2 Millionen Euro an die Partner und damit auch in die heimische Wirtschaft. „Mit dem System herrscht große Zufriedenheit“, sagte Weindl.

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Peter Gascha (FW) konnte das Vorgehen des Landkreises überhaupt nicht nachvollziehen. „Wir sind hier die Vorreiter. Ich verstehe die Beweggründe nicht, warum man jetzt im Landkreis mit einem anderen System anfängt.“ Das gebe nun wieder „ein totales Durcheinander“. Er finde das „schon ein Ding“ und bat darum, beim Landkreis mal nachzufragen, welche Gründe zu der Entscheidung geführt haben. Auch Fraktionskollege Markus Landthaler möchte beim Bewährten bleiben. „Diese weit überregionalen Angebote der Königscard können die Gäste doch gar nicht nutzen.“ Für Vize-Bürgermeister Franz Schöttl (CSU) ist die „Gästekarte plus“ eine „Erfolgsgeschichte“, an der man festhalten sollte. 

Lenggries will sich zwar nicht am landkreisweiten System beteiligen, möchte aber zumindest von dessen Finanzierung profitieren. Die soll nämlich über die Kreisumlage erfolgen. Im Gemeinderat wurde einstimmig beschlossen, dass man dem nur zustimmt, wenn Lenggries den Anteil bekommt, der der Gemeinde zustehen würde, wenn sie sich an der Landkreis-Karte beteiligen würde.

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