+
Reihenweise platte Reifen hat ein 41-jähriger Täter in Lenggries hinterlassen. Gegen ihn wird in 130 Fällen ermittelt (Symbolfoto)

Täter in Lenggries endlich geschnappt 

130 Fälle! Serien-Reifenstecher „hatte das Messer noch in der Hand“

  • schließen

Über Monate trieb er in Lenggries unerkannt sein Unwesen. Jetzt hat die Polizei einen Serientäter, der rund 100.000 Euro Schaden anrichtete, gefasst.

Lenggries – Der Fall hatte in Lenggries über lange Zeit für erhebliche Verunsicherung gesorgt: Ungefähr seit dem Herbst vergangenen Jahres trat im Gemeindebereich immer wieder ein unbekannter Täter in Erscheinung, der an zahlreichen Autos die Reifen aufschlitzte. Nun vermeldet die Polizei, dass der Täter endlich gefasst ist. Der Mann, ein 41-Jähriger aus dem Landkreis, wurde in der Nacht zum Mittwoch auf frischer Tat erwischt.

Oft ein Dutzend Fälle pro Nacht

Mit unschöner Regelmäßigkeit hatte der Mann zuvor zugestochen. Alle paar Wochen oder auch Monate war in Lenggries dasselbe Bild zu beklagen. Der Reifenstecher machte sich ohne erkennbares Motiv reihenweise an geparkten Autos zu schaffen, meist etwa ein einem Dutzend pro Nacht. Zuletzt hatte die Polizei im Juni von neuen Fällen berichtet.

Jetzt war der Reifenstecher wieder ganz besonders aktiv. Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Polizei machte er sich allein in der Nacht zum Mittwoch an 22 Fahrzeugen zu schaffen. Dabei passierte jedoch das, worauf die Polizei schon lange ihre einzige Hoffnung bei den Ermittlungen gesetzt hatte: Der Täter wurde beobachtet und direkt überführt. 

Ein Anwohner alarmierte die Polizei 

Nach Angaben der Polizei hatte ein 64-jähriger Anwohner um kurz vor Mitternacht beobachtet, wie der Täter in der Lenggrieser Marktstraße zugange war. Die Polizei lobt das „schnelle Handeln“ des Zeugen, der sofort den Notruf wählte. Die umgehend ausgerückte Streife traf den Reifenstecher tatsächlich in der nahe gelegenen Herwarthstraße an und überraschte ihn dabei, wie er eine weitere Tat beging. „Er hatte das Messer noch in der Hand“, berichtet der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer. Der Tatverdächtige wurde festgenommen.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Rohrhofer um einen Mann, den die Polizei schon länger im Visier hatte. Bislang hatten aber nie handfeste Beweise gegen ihn vorgelegen. Die Polizei versuchte einiges, um des Mannes habhaft zu werden. So wurde er laut Rohrhofer observiert, und es waren verstärkt Streifenwagen und Zivilkräfte in Lenggries unterwegs. Das Unterfangen war aber schwierig, da man nie wusste, wann der Reifenstecher wieder zuschlagen würde. Außerdem hinterließ er keine verwertbaren Spuren.

Nachdem ihn die Beamten auf frischer Tat ertappt hatten, ließ sich der 41-Jährige widerstandslos festnehmen. Bei seiner Vernehmung räumte er laut Rohrhofer ein, „schon öfters unterwegs“ gewesen zu sein, um Reifen aufzuschlitzen. Gegen ihn wird nun in insgesamt 130 Fällen ermittelt. Der angerichtete Sachschaden summiert sich auf etwa 100 000 Euro. Einen Zusammenhang mit einer ähnlichen Serie in Geretsried bestätigte die Polizei am Mittwoch nicht offiziell.

Verdächtiger nicht mehr in U-Haft

Mittlerweile ist der Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft sah die rechtlichen Voraussetzungen für Haftbefehl nicht gegeben. Das liegt unter anderem daran, dass dafür die Schwere seiner Taten nicht ausreicht – bei gefährlicher Körperverletzung oder Vergewaltigung sähe es zum Beispiel anders aus –, und dass er einen festen Wohnsitz hat, also keine Fluchtgefahr herrscht. 

Rohrhofer zeigt durchaus Verständnis dafür, dass diese Situation aus Sicht der Bevölkerung unbefriedigend ist. Die Polizei werde aber weiter ermitteln und mit den zuständigen Behörden in Verbindung bleiben, um eine weitere Gefährdung durch den Mann abzuwenden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein „Häuschen“ für Klosterschüler in Indien
Mit diesem Gedenktag am Sonntag, 19. November, wissen die Menschen in unserer Gegend nicht viel anzufangen. Wie wichtig aber der 2001 eingeführte Welttoilettentag ist, …
Ein „Häuschen“ für Klosterschüler in Indien

Kommentare