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Diese eigens für Lenggries geschaffene Installation von Detlef Hartung und Georg Trenz wird in Lenggries zu sehen sein. Die Lichtkünstler beziehen das Doppelkreuz im Pfarrheim in ihre Schau mit ein.

Start ist am 13. September

Licht-Künstler von internationalem Rang zu Gast bei Kunstwoche Lenggries

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Bei der Lenggrieser Kunstwoche steht heuer das Thema Transparenz im Mittelpunkt. Detlef Hartung und Georg Trenz, Träger des Deutschen Lichtdesign-Preises.

Lenggries– Die Lenggrieser Kunstwoche hat sich als außergewöhnliche Schau im Landkreis etabliert – und wird zunehmend darüber hinaus weitgehend bekannt. Die Gruppierung, bestehend aus einheimischen Künstlern, lädt jedes Jahr Gastkünstler zur Ausstellung ein. Heuer sind Antonia Leitner, Gabriela Nepo-Stieldorf, Marina Herrmann sowie Detlef Hartung und Georg Trenz. Die beiden letztgenannten schaffen Lichtkunst-Projekte. 2018 sorgten sie mit ihrer Installation am Kölner Dom zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs international für Aufmerksamkeit. Dafür erhielten sie einen der Deutschen Lichtdesign-Preise.


„Diese  Installation hat eine Sogwirkung“

Hartung und Trenz sind mit ihrer Kunst weltweit unterwegs. „In Lenggries werden sie etwas Neues zeigen, das speziell auf die Ausstellungsmöglichkeiten zugeschnitten ist“, freut sich Günter Unbescheid, Vorstand der Künstlervereinigung Lenggries (KVL). Für die beiden Licht-Künstler ist der Eingangsbereich im Pfarrheim vorgesehen. Dort ist die Decke hoch, und über dem Eingang hängt ein großes Kreuz. „Dieses wird in die Installation eingebunden“, sagt Unbescheid. Hartung und Trenz werden Bilder und Schrift, die Bezug auf den christlichen Glauben nimmt, auf außergewöhnliche Weise an die Wand projezieren. Die Installation trägt den Titel „Palimpsest I + II“. Die beiden Künstler würden viel mit christlichem Kontext arbeiten, sagt Heidi Gohde, Zweite Vorsitzende der KVL. Bei zwei Testläufen wurde festgestellt: „Diese Installation hat eine Sogwirkung“, sagt Gohde.

„Schlaflose Nächte“ nennt Künstlerin Sophie Frey ihre neue Serie mit Hinterglasbildern. Hier stellt die Tölzerin Eulen vor Gardinen am offenen Fenster dar.

Dass Künstler von derartigem Rang nach Lenggries kommen, sei auch den Sponsoren der Ausstellung zu verdanken, ohne deren Unterstützung dies nicht möglich gewesen wäre, dankt Unbescheid. Auf der Webseite von Detlef Hartung und Georg Trenz reiht sich das Projekt in Lenggries vor einer Schau in Kanada und einer Beteiligung in München an der Langen Nacht der Museen.

Zustande kamen die Kontakte über Gastkünstlerin Marina Herrmann. Sie kennt die Tölzer Region durch die Ausstellung „Tiefenlichter“ im Campendonk-Museum in Penzberg 2017. Auch Herrmann ist mit ihren Objekten international unterwegs. In Lenggries zeigt sie die Rauminstallation „Coloured City“ im großen Saal des Pfarrheims. Dort werden riesige transparente Folien in der Mitte des Raums von der Decke hängen, auf denen Wolkenkratzer aus Großstädten zu sehen sind. Dazwischen befinden sich bemalte Folienbahnen, welche Verbindungen zu den Türmen schaffen. Herrmann will hier ein globales Weltstadtgebilde darstellen.

 „Demokratie ist ohne Transparenz nicht möglich“

Das Thema Transparenz wurden von den Mitgliedern der KVL ausgewählt. Es geht um Durchsichtigkeit und Durchlässigkeit, Durchschaubarkeit, aber auch um Nachvollziehbarkeit. Vorstand Günter Unbescheid siedelt das Thema auch im gesellschaftlichen und politischenKontext an. „Transparenz in Politik und Wirtschaft ist essentielle Voraussetzung für das Funktionieren demokratischer Systeme“, sagt Unbescheid. Im persönlichen Bereich gebe es eine „versteckte Transparenz“, sagt Unbescheid, und meint damit, welche Daten etwa vom Smartphone ohne Wissen des Besitzers irgendwo gespeichert werden. Dies mache den Menschen gläsern. Man habe es nicht mehr in der Hand, welche persönliche Informationen an Dritte weitergegeben werden. Demgegenüber stehe das menschliche Verhalten, in sozialen Medien viel von sich selbst preiszugeben.

Günter Unbescheid aus Jachenau beschäftigt sich damit, wie sich der Mensch in der digitalen Welt verändert und wie transparent er wird – teils gewollt, teils ungewollt.

Genau damit beschäftigt sich Unbescheid in seinen eigenen Arbeiten, die bei der Kunstwoche zu sehen sein werden. Heidi Gohde will mit ihren Fotos „Unsichtbares sichtbar machen“. KVL-Mitglied Sophie Frey zeigt neue Hinterglasbilder mit schemenhaften Gestalten, Jürgen Dreistein Farbstiftzeichnungen mit dem Titel „Lichtszenario“. Ursula-Maren Fitz setzt sich mit „Alternativen Fakten“ auseinander, und Ecki Kober thematisiert die digitale Informationsflut. Veronika Partenhauser hat eine Video-Installation geschaffen, die sich mit Gedanken beschäftigt. Gabi Pöhlmann baute unter anderem eine Stele, auf der wie auf einem Gitternetz Worte verlaufen. Von Paul Schwarzenberger sind neue Collagen zu sehen, außerdem hat er wieder ein Wortspiel geschaffen. Fotograf Klas Stöver zeigt Bilder zum Thema Schatten und Licht.

Figuren in Bäumen

Insgesamt fünf Gastkünstler hat die KVL geladen. Neben Herrmann, Hartung und Trenz ist das noch Antonia Leitner, eine junge Metallbildhauerin aus Reichersbeuern. Ihre Objekte, die sich unter anderem mit Spiegelungen beschäftigen, werden vor dem Pfarrheim zu sehen sein. Wie immer schafft die Künstlervereinigung auch eine Verbindung zum Ortskern. Vor dem Rathaus wird heuer Gabriela Nepo-Stildorf aus Innsbruck präsent sein. Auf dem Vorplatz werden große, farbige, durchsichtige Figuren aus Plexiglas zu sehen sein, zudem werden zwei auch in Bäume montiert. Die Österreicherin hat für ihre Arbeiten schon zahlreiche Preise erhalten.

Die Kunstwoche beginnt am Freitag, 13. September, um 19 Uhr. Die Schau im Pfarrheim (mit Objekten auf der Wiese und im Dorf) dauert bis 29. September. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Am Donnerstag, 19. September, findet eine „Lange der Nacht der Kunst“ statt.

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