Weisen auf die Geschiebeproblematik hin: (v. li.) der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, der Tölzer Vize-Rathauschef Michael Lindmair, Vereinsvorsitzender Karl Probst und Vereinskassier Fritz März. 
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Weisen auf die Geschiebeproblematik hin: (v. li.) der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, der Tölzer Vize-Rathauschef Michael Lindmair, Vereinsvorsitzender Karl Probst und Vereinskassier Fritz März. 

Pressegespräch

Lenggries: Ziele von „Rettet die Isar jetzt“ bei Ortstermin nochmals verdeutlicht

  • Alois Ostler
    VonAlois Ostler
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Mehr Wasser, weniger Kies. Das sind und bleiben die Kernforderungen von „Rettet die Isar jetzt“. Karl Probst fordert mit Nachdruck die Umsetzung der Ziele des von ihm geführten Vereins.

Lenggries/Fall – „Die Zeit drängt“, sagte Karl Probst beim jährlichen Pressegespräch am Mittwoch. Vor Ort erläuterte er Journalisten die Anliegen des Vereins „Rettet die Isar jetzt“. Unterstützung versicherten die stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Stefan Klaffenbacher (Bürgermeister von Lenggries) und Michael Lindmair (Zweiter Bürgermeister von Bad Tölz). 2030 erfolgt bekanntlich die Neuvergabe der Konzession für das Walchenseekraftwerk. Dafür wird ein sogenanntes wasserrechtliches Verfahren durchgeführt. „Dabei müssen alle Aspekte abgewogen werden, und zwar öffentlich – nicht in einem stillen Hinterzimmer“, sagte Probst. Der Kraftwerksbetreiber Uniper wolle erklärtermaßen weitermachen, es könnte aber auch der sogenannte Heimfall eintreten. Diese Rück-Übereignung an den Freistaat ist laut Probst jedoch eher unwahrscheinlich. Deshalb müsse man jetzt tätig werden, um die Rahmenbedingungen für die Neuvergabe der Konzession zu erarbeiteten. „Wir müssen möglichst bald wissen, woran wir sind“, sagte Probst. Da könne man nicht bis 2029 warten. Es müssten vor allem Versuche über Rückleitungsmengen erfolgen.

Verein „Retten die Isar jetzt“ alarmiert: Geschiebeproblematik in Krün

Das Wasser der Isar wird zum großen Teil in den Walchensee abgeleitet. „Deshalb fehlen in Lenggries zwei Drittel des eigentlichen Durchflusses“, so Probst. Am Wehr in Krün zapft der Kraftwerksbetreiber das Isarwasser ab. In Wallgau verschwindet es zusammen mit dem Wasser des Finzbaches in einem Stollen und mündet dann im Sachensee, von wo aus es nach Obernach und dann in den Walchensee fließt. Beim Ortstermin an den neuralgischen Stellen legte Probst einmal mehr den Finger in die Wunde. In Krün ist es die Geschiebeproblematik. „Hier bleibt zu viel Kies liegen, weil nach einem Hochwasser der Abfluss nicht gedimmt wird“, bemängelte Probst. Das Wasser laufe nicht langsam ab, sondern werde sofort wieder zur Energieerzeugung genutzt. Das habe nicht nur Auswirkungen auf die Landschaft, sondern auch auf die Fische. Der Kraftwerksbetreiber kümmere sich darum nicht. Die Beseitigung des Gerölls sei Sache des Wasserwirtschaftsamts. „Für diese Schäden muss also der Steuerzahler aufkommen und nicht der Kraftwerksbetreiber als Verursacher“, so Probst. Das müsse sich bei der Neuvergabe der Konzession unbedingt ändern.

Weiteres Problem: Sachensee verlandet

Der Sachensee verlandet zusehends. „Hier lagern sich immer mehr Sedimente und Schlamm ab“, sagte Probst. Auch hier habe der Kraftwerksbetreiber kein Interesse, die Eingriffe in das Gewässersystem zu mildern. Wie eine weitgehend intakte Natur aussehen kann, das machte Probst bei einem weiteren Zwischenstopp an der oberen Isar zwischen Wallgau und Krün deutlich. „Hier war bis 1990 nur ein trockenes Kiesbett“, sagte Probst. Seit der vom Verein erkämpften Teilrückleitung fließen hier im Sommer wieder mindestens 4,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, im Winter noch 3 Kubikmeter. So sei wieder Lebensraum entstanden für die seltene Gefleckte Schnarrheuschrecke und die Deutsche Tamariske. Das erhoffe man sich auch für den Rißbach, wenn eines Tages wieder mehr Wasser fließen sollte. Die von manchen Kritikern befürchtete Verbuschung werde nicht eintreten, so Probst.

Voller Schlamm und Ablagerungen: Der kleine Sachensee im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen verlandet immer weiter. Auch dieser Problempunkt wurde bei der Tour aufgezeigt.

Ziel: Isarwasser rein, Geschiebe raus

Während sich der Verein nur an der Diskussion beteiligen kann, wollen die Kommunen aktiv werden. „Uns ist zugesichert worden, dass sich die sechs Anliegergemeinden in den Arbeitskreisen einbringen können“, berichtete der Lenggrieser Bürgermeister Klaffenbacher. Es werde nicht leicht sein, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. „Wir wollen jedenfalls das Beste für unsere Gemeinde herausholen“, erklärte Klaffenbacher. Das Ergebnis müsse für alle Seiten verträglich sein, pflichtete der Tölzer Vize-Bürgermeister Lindmair bei. Karl Probst träumt manchmal davon, dass sich der Verein eines Tages auflösen könnte – wenn alle Ziele von „Rettet die Isar jetzt“ erfüllt sind. Aber bis dahin dürfte noch viel Wasser die Isar hinunterfließen.

Die Hauptversammlung des Vereins „Rettet die Isar jetzt“ findet am Donnerstag, 16. September, um 19.30 Uhr im Alpenfestsaal in Lenggries statt.

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