Riesige Freude über eine kleine Mandarine: Dank den Spenden aus Deutschland bekommen die Kinder ab und zu ein Stück frisches Obst. Die meisten kommen mit leerem Magen in die Schule und haben auch nichts dabei.

Neues Hilfsprojekt im Senegal

Lenggrieser hilft Straßenkindern, eine Zukunft aufzubauen

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Heiligabend ist für Andreas Krieg letztes Jahr ausgefallen. Stattdessen hat der Lenggrieser quasi selbst Christkind gespielt: Zusammen mit seiner Familie war der 46-Jährige über die Feiertage im Senegal, um Kleidung und Süßigkeiten zu verteilen sowie sein neuestes Hilfsprojekt voranzutreiben: ein Ausbildungszentrum für Jugendliche.

Lenggries/Mbour – Andreas Krieg aus Lenggries will nicht nur Hilfsgüter verschenken. Er will den Kindern und Jugendlichen in Mbour eine Zukunft schenken. Zu diesem Zweck hat der 46-jährige Mediendesigner zusammen mit seinem afrikanischen Arbeitskollegen Ali Sene im Jahr 2009 den Verein „Hilfe für die Straßenkinder in Mbour“ gegründet. Eine Grundschule haben die beiden dort mit Hilfe der rund 70 Mitglieder bereits gebaut (wir haben berichtet). Nun wollen sie ein Ausbildungszentrum in Angriff nehmen, wo Jugendliche eine Ausbildung in der Holz- und Metallverarbeitung absolvieren können. Auch eine Nähstube soll entstehen.

Denn der Bedarf an (Aus-)Bildungsmöglichkeiten in der 200 000-Einwohner-Stadt zirka 80 Kilometer südlich von der Hauptstadt Dakar ist groß: „Die Anzahl der Analphabeten ist sehr hoch“, erzählt Krieg. Außerdem gibt es viel zu wenige Schulen für die vielen Kinder: „Jede Familie hat mindestens sechs Stück“, weiß der Lenggrieser, selbst Vater einer Tochter (15) und eines Sohnes (11). Zusammen mit ihnen und seiner Frau Katrin war er in den Weihnachtsferien im Senegal. An Heiligabend flog die Familie in das überwiegend muslimische Land, in dem die Geburt Jesu’ so gut wie gar nicht gefeiert wird. Für die Kriegs kein Problem: Bei bis zu 35 Grad im Schatten und angesichts der bitteren Armut kamen ohnehin keine Weihnachtsgefühle auf.

Hand in Hand für die Straßenkinder: Der Lenggrieser Andreas Krieg (re.) und sein Kollege Ali Sene auf einer schaukel, die sie gebaut haben. Die beiden stehen an der Spitze des Vereins „Straßenkinder Senegal“.

„Es ist schon ein Kulturschock“, sagt Krieg und erzählt von winzigen Lehm- und Strohhütten, in denen die Großfamilien auf teilweise nur zehn Quadratmetern zusammenleben. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Menschen selbst zwei Euro Schulgeld pro Monat nicht leisten können. Deshalb ist die „École du soleil“ (Schule der Sonne), die der deutsche Verein 2014 eröffnet hat, auch kostenlos. Inzwischen werden dort 240 Mädchen und Buben von sieben Lehrern unterrichtet. Die Kinder brennen laut Krieg darauf, etwas zu lernen und sind stolz, zur Schule gehen zu können. „Die Uniformen sind teilweise schon sehr abgetragen, weil die Kinder sie gar nicht mehr ausziehen wollen.“

Damit die Mädchen und Buben nach der Schule ebenfalls eine Perspektive haben, will der Verein noch heuer mit dem Bau eines Ausbildungszentrums beginnen. „Ein Grundstück haben wir bereits“, freut sich Krieg. Es liegt ganz in der Nähe der Schule und soll aus drei bis vier Hallen bestehen, in denen die Jugendlichen einen Handwerksberuf erlernen können. Zur Refinanzierung plant Krieg, die Produkte, die dort hergestellt werden, zu verkaufen. Für den Bau selbst sind 50 000 Euro veranschlagt, von denen ein Großteil über Fördermittel vom Bund abgedeckt werden soll.

Trotzdem ist der Verein für jede Patenschaft und für jede Spende dankbar. „Jeder Euro fließt eins zu eins in das Projekt und wird nicht etwa dazu verwendet, um uns die Flüge zu bezahlen“, betont Krieg. Denn sowohl er als auch sein Kollege Ali Sene fliegen immer wieder nach Mbour, um Verhandlungen zu führen, Reparaturarbeiten an der Schule vorzunehmen oder Kleidung, Süßigkeiten und Spielzeug zu verteilen. Die nächste Reise ist für Ostern 2018 geplant: Dann soll das Ausbildungszentrum eröffnet werden.

Spender und Paten gesucht: Spendenmöglichkeiten sowie viele weitere Bilder und Infos zu dem Verein mit Sitz in Holzkirchen gibt es im Internet unter www.strassenkinder-senegal.de.

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