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Gut gefüllt waren die Reihen bei der Bürgerversammlung am Freitagabend im Alpenfestsaal.  

Lenggrieser Bürgerversammlung

Kaserne als Hochschul-Standort?

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Gut besucht war die Lenggrieser Bürgerversammlung am Freitagabend im Alpenfestsaal. Rathauschef Werner Weindl blickte auf die großen Herausforderungen, die die Gemeinde zu meistern hat.

Lenggries– Im vergangenen Jahr knackte die Gemeinde erstmals die 10 000-Einwohner-Grenze. „Seitdem werde ich immer wieder gefragt, ob Lenggries jetzt eine Stadt wird“, sagte Bürgermeister Werner Weindl. Wichtiger als die Einwohnerzahl seien hierfür aber eine städtisch geprägte Siedlungsform mit zusammenhängender Bebauung, wie beispielsweise in der Tölzer Marktstraße, eine zumindest zum Teil industriell geprägte Wirtschaft und eine Steuerkraft, die über dem Landesschnitt liegt. Das alles erfüllt Lenggries nicht. Für Weindl ist aber ein anderer Punkt wesentlicher: „Wenn man Stadt werden will, muss man das beim Innenministerium beantragen. Und ich wüsste nicht, warum wir das tun sollten. Ich erkenne hier keinen Vorteil.“ Ihm sei es viel wichtiger, „den dörflichen Charakter von Lenggries zu erhalten“.

Ansonsten blickte Weindl auf zahlreiche Projekte zurück und voraus. Als Erfolgsmodell für den Tourismus habe sich die „Gästekarte plus“ entwickelt, die vor fünf Jahren eingeführt wurde. Die 59 „Plus-Gastgeber“ stehen für 38 Prozent der Betten im Ort, vereinen aber 44 Prozent der Gästeankünfte und 49 Prozent der Übernachtungen auf sich. Die All-Inclusive-Karte, die beispielsweise eine kostenlose Berg- und Talfahrt am Brauneck und kostenlose Eintritte in die „Isarwelle“ beinhaltet, werde gut nachgefragt. „Sie ist eine Erfolgsgeschichte und ein Alleinstellungsmerkmal“, so Weindl.

Die Zuhörer bekamen einen Überblick über die Baumaßnahmen – von der neuen Jachenbrücke über die Umrüstung der Kläranlage bis hin zum geplanten Hackschnitzelheizwerk an der Schule samt Fernwärmenetz, um gemeindliche Einrichtungen wie Rathaus und Gästeinfo mit zu versorgen. Vorwärts gehen soll es auch endlich beim Radweg in die Jachenau. „Wir haben dem Staatlichen Bauamt die Planungsunterlagen überreicht, und das will heuer mit dem Bau beginnen.“ 1,1 Millionen Euro veranschlagt der Freistaat für den ersten Bauabschnitt ab dem Rehgraben (" seite 4).

Eine große Herausforderung wird für die Gemeinde der Umbau des ehemaligen Hotels Post. „Wir haben es gekauft, um die Entwicklung selbst in der Hand zu haben“, sagte Weindl. Der vorherige Eigentümer habe die Umwandlung in 19 Wohnungen vorgesehen. „Das hätte der Anfang vom Ende der Einkaufsstraße Marktstraße sein können.“ Bei den geschätzten Sanierungskosten von 7,8 Millionen Euro sehe man aber „noch erhebliches Einsparpotenzial“.

Bei der ehemaligen Kaserne, die zum Großteil ebenfalls der Gemeinde gehört, will Weindl eine Idee aufgreifen, die Markus Söder – damals noch Heimatminister – bei einem Auftritt im Tölzer Kurhaus aufbrachte. „Er will einen Hochschulstandort im Oberland ansiedeln. Dafür würde sich die Kaserne anbieten.“ Weindl will nun Gespräche führen, ob und wie sich das realisieren lassen könnte.

Beim Kreispflegeheim ging der Bürgermeister kurz auf die angedachte Kooperation mit dem Tölzer Josefistift ein (wir berichteten). Beide Einrichtungen müssen neu gebaut werden und könnten dann gemeinsam unter dem Dach der Tölzer Stiftung betrieben werden. „Aus Sicht des Gemeinderats wäre das eine gute Lösung.“ Der Tölzer Stadtrat befasst sich am Dienstag damit. Parallel dazu prüft Lenggries weitere Alternativen. Weindl: „Unser Ziel ist ein neues, zeitgemäßes Pflegeheim, bei dem die Gemeinde einen gewissen Einfluss hat und bei dem wir wissen, dass die zu Pflegenden gut versorgt sind.“

An das kurze Grußwort von Drittem Landrat Klaus Koch schlossen sich einige Bürgerfragen an (Bericht folgt).

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