Der sogenannte Haubendurchlass ist eines der Nadelöhre im Lenggrieser Dorfbach. Pröhl
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Der sogenannte Haubendurchlass ist eines der Nadelöhre im Lenggrieser Dorfbach.

Planungen laufen

Lenggrieser Dorfbach: Arbeiten am Hochwasserschutz

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die Flut im Westen Deutschlands hat bei vielen das Thema Hochwasserschutz wieder stärker in den Fokus rücken lassen. Was eigentlich aus den Plänen für den Dorfbach geworden ist – darum ging es jüngst bei der Lenggrieser CSU.

Lenggries – Den Hochwasserschutz für die Lenggrieser Bäche zu verbessern, „ist wichtiger, als zusätzliche Radlwege zu bauen“, hatte CSU-Ehrenvorsitzender Manfred Baumgärtel in der Jahresversammlung des Lenggrieser Ortsverbands (wir berichteten) angemerkt. Pläne für Dorf-, Hals-, Reiter- und Weiherbach seien ja schließlich vorhanden, ergänzte Baumgärtel und wollte wissen, wie es um die Realisierung bestellt sei. Wie wichtig das Thema ist, betonte auch Ortsvorsitzender Bernhard Simon. „Jetzt hat es Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz getroffen, nächstes Jahr trifft es vielleicht uns.“

Dorfbach könnte den ganzen Ortskern unter Wasser setzen

Tatsächlich gibt es eine vom Gemeinderat im Jahr 2012 beschlossene Variante. Im Hochwasserfall soll das überschüssige Wasser aus dem Reiter- und Halsbach in einer 450 Meter langen, im Boden verlegten Rohrleitung in den Weiherbach übergeleitet werden und von dort in einer weiteren etwa 860 Meter langen Rohrleitung in Richtung Isar abfließen. Das würde auch dafür sorgen, dass im Dorfbach nicht zu viel Wasser ankommt.

Letzterer könnte – so die Berechnung des Weilheimer Wasserwirtschaftsamtes (WWA) – im Fall eines 100-jährlichen Hochwassers für eine Überschwemmung des ganzen Ortskerns sorgen. Ein derartiges Ereignis gab es bislang noch nicht. Die Behörde muss aber auf dieser Grundlage planen, damit der Freistaat im Ernstfall nicht schadenersatzpflichtig wird. Problem dieser Variante: Sie ist mit rund 10,5 Millionen Euro sehr teuer. Zudem ist eine ganze Fülle von Grundstücksbesitzern betroffen, in deren Flächen die Rohrleitungen verlegt werden müssen.

Wasserwirtschaftsamt arbeitet an einen günstigeren Alternativplanung

Das Ganze sei irgendwie „eingeschlafen und nicht vorwärts gekommen“, sagte CSU-Fraktionschef Josef Wasensteiner in der Versammlung. Anfang des Jahres habe er sich daher bei Bürgermeister Stefan Klaffenbacher erkundigt, wie eigentlich der Sachstand sei. „Das Wasserwirtschaftsamt will wohl gewisse Änderungen der Planung vornehmen“ – vor allem mit Blick auf die Kosten und Durchführbarkeit. Derzeit warte der Gemeinderat aber noch auf die Vorstellung, so Wasensteiner.

Dorfbach kann im Hochwasserfall noch weniger Wasser aufnehmen als vermutet

Das wird voraussichtlich noch bis zum Winter dauern, wie Markus Brandtner, Projektleiter für den Dorfbachausbau am Wasserwirtschaftsamt, auf Nachfrage mitteilt. „Derzeit stimmen wir die hydrologischen Grundlagen zwischen der Planungsgemeinschaft und unserer Dienststelle ab.“ Parallel dazu habe das Ingenieurbüro nochmals eine Begehung des Dorfbachs durchgeführt, „um Möglichkeiten für eine Ertüchtigung des bestehenden Gewässerlaufes zu finden, ohne an anderer Stelle hierfür Flächen in Anspruch nehmen zu müssen“, so Brandtner. Tatsächlich hatten die jüngsten Vermessungen und Berechnungen des WWA gezeigt, dass der Dorfbach weniger Wasser als vermutet aufnehmen kann. War die Behörde vormals von fünf Kubikmetern pro Sekunde ausgegangen, sind es an manchen Stellen nur vier bis 4,5. Bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis rechnet die Behörde aber mit 10,8 Kubikmetern.

Ableitung in den Tratenbach hat nur Sinn, wenn der Dorfbach ertüchtig werden kann

Statt der teuren Variante hatte die Behörde zuletzt darüber nachgedacht, überschüssiges Wasser aus dem Reiter- in den Tratenbach zu leiten und den Dorfbach so zu entlasten. „Der Sachverhalt stellt sich aber unverändert so dar, dass die zu erwartende Wassermenge trotz der Entlastung über eine mögliche Tratenbach-Überleitung zu groß für den Dorfbach sein wird“, so Brandtner. Eben deshalb suche man nach Ertüchtigungsmöglichkeiten. Voraussichtlich im Winter steht dann die Entscheidung an, ob die bereits beschlossene Variante oder doch die Tratenbach-Überleitung realisiert werden soll.

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