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Rund 50 Mitarbeiter der Lenggrieser Fachklinik drängten am Montagabend in den Sitzungssaal, um den Sachstandsbericht in der Gemeinderatssitzung zu hören. 

Lenggrieser Fachklinik Thema im Gemeinderat

Asklepios: „Absolut skrupelloses Vorgehen“

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Lenggries – So einen Andrang gibt es selten in einer Gemeinderatssitzung: Gut 50 Mitarbeiter der Lenggrieser Fachklinik füllten am Montag den Sitzungssaal. Bürgermeister Werner Weindl hatte einen Sachstandsbericht zur Klinik, die im Juli schließt, angekündigt.

Asklepios hatte die Fachklinik wie berichtet an eine Immobilienfirma verkauft und die am 11. Januar die  Schließung für Ende Juni angekündigt. „Diese Mitteilung hat uns alle überrascht“, sagte der Rathauschef. Auch für ihn habe es keine Anzeichen gegeben – und das, obwohl er im Beirat der Asklepios-Stadtklinik sitze. Und dort hätte es auf die Tagesordnung gehört, zumal Asklepios die Gründung einer Hauptabteilung für Akutgeriatrie in Tölz anstrebe. Diese soll mittelfristig um eine geriatrische Reha ergänzt werden – eben jenes Angebot, das in Lenggries geschlossen wird. „Wie die Reha an der Tölzer Klinik untergebracht werden soll, dafür gibt es noch kein Konzept. Daher ist es mir ein Rätsel, warum die Lenggrieser Klinik geschlossen wird“, sagt Weindl. Für ihn ist das Vorgehen des Konzerns „nicht nachvollziehbar und absolut skrupellos“. Dafür gab es von den Zuhörern Applaus.

Er glaubt übrigens auch nicht, dass der von Landrat Josef Niedermaier zur Sprache gebrachte mangelhafte Brandschutz der Auslöser der Schließung war. „Es wäre ja ein Leichtes für Asklepios gewesen, das so zu begründen. Aber das haben sie in ihrer Pressemitteilung ja nicht getan.“ Weindl vermutet, dass die Schließung der Klinik schon beim Kauf 2013 beschlossene Sache war. Damals gab es dort noch eine neurologische Reha, die später kurzerhand nach Tölz verlagert wurde. „Ich habe den Eindruck, Asklepios wollte sich die Neurologie krallen. Dann hat man eine Schamfrist vergehen lassen, und jetzt wird geschlossen.“ Dabei gehe man einfach rücksichtslos darüber hinweg, dass man das Schicksal von über 100 Mitarbeitern besiegelt.

Weindl räumte auch noch einmal mit der Meinung auf, dass eine Gemeinde vorab über derartige Immobilienverkäufe informiert werden müsse. „Bei solchen Vorgängen wünschen sich viele diktatorische Fähigkeiten einer Gemeinde. Aber bei uns kann man kaufen und verkaufen, ohne die Gemeinde zu fragen.“ Oft würden potenzielle Interessenten allerdings vorab kommen, um sich darüber zu informieren, was planungsrechtlich möglich ist. Aber auch das war hier nicht der Fall. In dieser Woche stehe nun aber ein Gespräch mit den neuen Eigentümern an. „Unser Wunsch ist, dass dort oben neue Arbeitsplätze entstehen – und das so schnell wie möglich.“ Ob die Gemeinde auch zu einem Sporthotel Ja sagen würde, wollte ein Zuhörer wissen. Das könne er im Moment nicht beantworten, sagte Weindl. „Wenn es sichere Arbeitsplätze schafft, verschließen wir uns nicht.“ Vom Planungsrecht, das Bauamtsleiter Anton Bammer erläuterte, wäre eine Hotelnutzung im Moment aber nicht möglich. Der Bebauungsplan lässt nämlich nur Vorsorge- und Reha-Einrichtungen zu.

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