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Lenggrieser Feuerwehr: 150 Jahre im Dienst des Nächsten

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Die ganze Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Lenggries vor dem Feuerwehrhaus.
Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Die ganze Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Lenggries vor dem Feuerwehrhaus. © Feuerwehr

1871 wurde die Lenggrieser Feuerwehr gegründet. Seit 150 Jahren leisten die Ehrenamtlichen somit einen Dienst am Nächsten. Ein Rückblick zum runden Geburtstag.

Lenggries – In einem Besprechungszimmer des Feuerwehrgerätehauses hängt der Beweis: 1871 steht auf der Gründungsurkunde, die dort hinter Glas aufbewahrt wird. Etwas brüchig ist sie schon, unten links fehlt eine Ecke des Papiers, aber das Gründungsjahr ist gut zu lesen. 150 Jahre wird die Lenggrieser Wehr somit heuer alt. Eigentlich wäre das Jubiläum im Sommer groß gefeiert worden – mit Bierzelt und allem drum und dran. Corona machte das unmöglich. Im kommenden Jahr sollen die Feierlichkeiten aber – so es die Pandemie zulässt – nachgeholt werden.

Die aktuelle Führungsmannschaft der Lenggrieser Feuerwehr mit (v. li.): Gerätewart Hans Oswald, Schriftführerin Sandra Lentile, Vorsitzendem Josef Willibald, Kommandant Hans Willibald, Kassier Anton Gerg und dem stellvertretenden Kommandanten Alois Gerg.
Die aktuelle Führungsmannschaft der Lenggrieser Feuerwehr mit (v. li.): Gerätewart Hans Oswald, Schriftführerin Sandra Lentile, Vorsitzendem Josef Willibald, Kommandant Hans Willibald, Kassier Anton Gerg und dem stellvertretenden Kommandanten Alois Gerg. © arp

1845 wurde die erste Löschmaschine gekauft

Wohl schon 1845 wurde die erste Löschmaschine (Pumpe) für die Gemeinde Lenggries gekauft. „Die Wasserspritze lieferte ungefähr 5 Kübel pro Minute und kostete unter Beigabe von 150 Fuß hänfernen Schläuchen 950 Gulden“, heißt es in der Chronik der Feuerwehr. Eine zweite Feuerlöschmaschine folgte 1855. Die Leistungsfähigkeit dieser Feuerspritze war deutlich höher, die Bedienung aufwendiger. Um sie kümmerte sich daher eine Pflichtfeuerwehr, die jährlich viermal üben musste. Daneben bildete sich am 10. März 1871 ein freiwilliges Feuerwehrkorps. Den Grundstein hierzu legte der Privatier Franz Paul Schöttl zum Grundner im Dorf. Unterstützt wurde er vom damaligen Bürgermeister Josef Schalch, dem Zimmermeister Josef Heyfelder, dem Kaufmann Johann Trischberger und dem Gastwirt Peter Pfund. Der Zuspruch war von Anfang an groß: Dem ersten Aufruf folgten über 40 Bürger, Bauern und auch Arbeiter. Am 24. April 1871 wurde das Gründungsfest begangen und die von der Gastwirtstochter Regina Pfund gestiftete Fahne geweiht.

Die Gründungsurkunde.
Die Gründungsurkunde. © Repro: Pröhl

Von Anfang an flossen die Spenden für die Feuerwehr reichlich

Erster Kommandant war Zimmermeister Josef Heyfelder. In kürzester Zeit hatte er ein gut geschultes Feuerwehrkorps auf die Beine gestellt. Positiver Nebeneffekt: Es flossen reichlich Spenden, die es möglich machten, neue Löschgerätschaften zu kaufen. Den ersten Großeinsatz absolvierte die Feuerwehr am 21. Dezember 1872. Ausgerückt wurde zu einem Remisenbrand beim Aschenloher in Anger. 1896 beging die Wehr das 25-jährige Jubiläum, 23 Gründungsmitglieder wurden mit ausgezeichnet. 1911 waren nur noch neun der 46 Gründungsmitglieder am Leben, drei davon standen noch im aktiven Dienst. Insgesamt zählte die Wehr 90 Mitglieder. Der Erste Weltkrieg aber schlug tiefe Wunden, viele Wehrmänner kehrten nicht nach Hause zurück. Das 50-jährige Jubiläum 1921 wurde daher bescheiden begangen. Allerdings wurde eine Standarte angeschafft und geweiht, die 1931 erneuert wurde.

Der Zweite Weltkrieg forderte in den Reihen der Wehr viele Opfer

Es folgten die dunklen Jahre der NS-Zeit. „Am politischen Himmel zogen düstere Wolken herauf, der ,Führer‘ rief zu den Waffen, und ein fürchterliches Ringen sollte beginnen, bei dem auch unsere Wehr vor harte Bewährungsproben gestellt wurde“, heißt es in der Chronik. Der Zweite Weltkrieg forderte in den Reihen der Wehr viele Opfer. „Die Übriggebliebenen kamen verwundet, krank, ausgezehrt und ohne Hoffnung aus den Gefangenenlagern und Lazaretten nach Hause“, so die Chronik weiter. „Vorstand Georg Meßmer und die Kommandanten Josef Hundegger und Xaver Taubenberger mussten mit alten Männern und kaum der Schule entwachsenen Jugendlichen den Feuerschutz aufrecht erhalten.“ Und nicht nur in Lenggries wurde gelöscht – auch nach München rückten die Isarwinkler nach den Bombenangriffen aus.

Wehrmachtsfahrzeug zum Löschfahrzeug umgebaut

Nach Kriegsende waren nur mehr wenige Wehrmitglieder übrig. Bürgermeister Georg Meßmer, Floßmeister Franz Xaver Taubenberger und der vom Wehrdienst entlassene ehemalige Kreisbrandmeister Johann Gerg setzten mit einigen wenigen Getreuen alles in Bewegung, um wieder aufzubauen. Und ganz langsam steuerte die Wehr ihrer alten Blüte entgegen. Die Gemeinde unterstützte die Bemühungen. Ein besonders freudiger Anlass war die Einweihung des neuen Feuerwehr-Gerätehauses am 20. September 1953. Kostenpunkt: Gut 151 000 D-Mark. Auch wurde ein Wehrmachtsfahrzeug, das die SS am Hohenwieser Berg zurückgelassen hatte, für die Feuerwehr zum Löschfahrzeug umgebaut. Es war nicht das einzige ungewöhnliche Fahrzeug im Fuhrpark der Wehr: In den 1960er-Jahren kaufte der damalige Kommandant Josef Schwemberger von den Amerikanern einen Kaiser Jeep als Mehrzweck-Fahrzeug an. „Liebevoll wurde er von allen Daktari genannt“, heißt es in der Chronik.

Lenggrieser Feuerwehr-Fahrzeug war eigentlich für den Iran gedacht

Die Herausforderungen für die Feuerwehren – es gibt sieben Viertelswehren im Gemeindegebiet – wurden im Laufe der Jahre nicht kleiner. Durch den Bau hoher Gebäude wie dem „Brauneck-Hotel“ wurde es für die Feuerwehr Lenggries notwendig, sich für Personen-Rettung eine 30-Meter-Drehleiter anzuschaffen. Dieses Ansinnen wurde 1978 in die Tat umgesetzt. Etwas ungewöhnlich ist die Geschichte hinter einer anderen Fahrzeuganschaffung: 1978 bekam die Feuerwehr einen Volvo C202. Dieses Fahrzeug aus Schweden war eigentlich für den Iran gedacht – daher die sandfarbene Ausführung. „Weil jedoch der Schah kurz vor seiner Absetzung stand, wurden Fahrzeuge nicht mehr dorthin ausgeliefert und stattdessen an interessierte Feuerwehren und Bergwachten verkauft“, so die Chronik. Lediglich in Feuerwehrrot musste das gute Stück noch umlackiert werden.

Einsatzfahrzeuge kosten heute so viel wie ein Reihenhaus

1981 – zum 110-jährigen Gründungsfest – wurde eine neue Feuerwehr-Standarte geweiht. 1996 stand ein Um- und Anbau am Feuerwehrhaus an. Es wurden zwei Hallen in südlicher Richtung sowie eine Wohnung für den Gerätewart im ersten Stock gebaut.

Aus dem Jahr 1908 ist diese Aufnahme, entstanden vor dem jetzigen Rathaus. 
Aus dem Jahr 1908 ist diese Aufnahme, entstanden vor dem jetzigen Rathaus.  © Repro: Pröhl

Die Einsatzfahrzeuge wurden in den Folgejahren Stück um Stück erneuert. Weitere kamen hinzu. Das ist nur mit einer großen finanziellen Kraftanstrengung möglich. Denn mittlerweile kosten Fahrzeuge mitunter so viel wie ein Reihenhaus. Beispiel: das neue Hilfeleistungslöschfahrzeug. Bei technischen Hilfeleistungen, Verkehrsunfällen, Bergungen von Personen und Hochwasser kann es eingesetzt werden. Die Ausrüstung ist umfangreich und reicht vom Wasserwerfer über einen Lichtmasten mit Scheinwerfern bis zum Rettungsspreizer, um eingeklemmte Personen zu befreien. 320 000 Euro kostet das rot-weiße Schmuckstück, das am 23. September 2007 geweiht wird.

Eine neue Drehleiter und neue Einsatzkleidung

Mehr als doppelt so teuer ist die jüngste Anschaffung unter den Einsatzfahrzeugen: Die neue Drehleiter, die die über 40 Jahre alte Vorgängerin 2017 ablöste, kostete 661 000 Euro. Am 14. März 2017 holte sie eine Feuerwehr-Delegation um den damaligen Bürgermeister Werner Weindl beim Hersteller Rosenbauer in Karlsruhe ab. Das 16 Tonnen schwere Einsatzfahrzeug ist auf dem neuesten Stand der Technik. „Wir haben an Ausrüstung alles genommen, was geht und sinnvoll ist. Mehr gibt es nicht“, sagte Kommandant Hans Willibald. Und der damalige Kreisbrandmeister Robert Schmid scherzte in der Frühjahrsversammlung der Wehren: „Ich glaube, ich brauche drei Stunden, wenn ich jetzt aufzähle, was die Drehleiter alles hat.“

Aber nicht nur in Fahrzeuge wird investiert. Zug um Zug werden die Feuerwehren im Gemeindebereich Lenggries derzeit mit neuen Helmen und Einsatzkleidung ausgestattet. Da es um den Tausch von rund 450 Garnituren geht, soll das Ganze über drei Jahre gestreckt werden. Und auch schon für die Zukunft wird geplant. So möchte die Gemeinde Lenggries eine zentrale Schlauchpflegeeinrichtung für alle Feuerwehren in der Kommune schaffen. Eingebaut werden könnte sie zentral im ehemaligen Freibankgebäude neben dem Gerätehaus der Lenggrieser Feuerwehr an der Münchner Straße.

113 aktive Mitglieder zählt die Lenggrieser Feuerwehr heute

Aktuell zählt die Feuerwehr 113 aktive Mitglieder, darunter drei Frauen, sowie 76 passive. Die Einsatzkräfte löschen nicht nur Brände und unterstützen bei Katastrophen, sie pflegen auch Partnerschaften mit den Kollegen aus der Bretagne und der Feuerwehr Stans in Tirol. Zudem freuen sie sich über den Erfolg des Weinfests am Feuerwehrhaus, das alle zwei Jahre stattfindet. Wichtig ist auch der Nachwuchs, der zurzeit sehr stark ist. „Wir hatten viele Zugänge, willkommen sind auch neue Mitglieder ab 15 Jahren“, sagt Kommandant Hans Willibald.

Einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre war die Rettung von Personen aus den Gondeln der Bergbahn, als diese nach einem Bolzenbruch stillstand.
Einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre war die Rettung von Personen aus den Gondeln der Bergbahn, als diese nach einem Bolzenbruch stillstand. © Feuerwehr

Bei zahllosen Bränden war die Lenggrieser Feuerwehr in den vergangenen 150 Jahren im Einsatz. Aber auch zu Hochwassern und Verkehrsunfällen müssen die Aktiven immer wieder ausrücken. Einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre war kein Löscheinsatz, sondern eine Personenrettung: Als am 12. Januar 2010 nach dem Bruch eines Bolzens die Brauneck-Bahn stehen blieb, rettete die Feuerwehr die festsitzenden Passagiere aus den unteren Gondeln, während die Fahrgäste weiter oben mit Helikoptern aus der misslichen Lage befreit werden mussten.

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