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So sieht der Hochseilgarten auf der Aida Prima aus.

Kletterparcours auf Aida Prima

Lenggrieser Hochseilgarten auf hoher See

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Lenggries - Anfang Mai wurde das neue Kreuzfahrtschiff Aida Prima im Hamburger Hafen getauft. Mit an Bord ist auch ein Hochseilgarten – gebaut von der Lenggrieser KristallTurm GmbH.

Den ersten Kontakt mit dem Architekturbüro, das die neue „Aida“ geplant hat, gab es bereits 2012. Heinz Tretter, Geschäftsführer der KristallTurm GmbH, unterhielt sich mit den Verantwortlichen darüber, dass es bereits auf ein, zwei anderen Schiffen Klettermöglichkeiten gebe. Die wollten die Planer unbedingt auch auf ihrem Schiff anbieten. Doch das erwies sich als bedeutend schwieriger als gedacht. Da es auf der japanischen Werft, die die „Aida“ baute, Probleme gab, wie Tretter sagt, sei das Schiff erst mit eineinhalb Jahren Verspätung ausgeliefert worden.

Die Aida Prima wurde Anfang Mai getauft.


So kam es denn auch, dass die Endmontage der Kletterelemente erst während der Fahrt von Japan nach Hamburg erfolgen konnte. Ein Schlossermeister war vor Ort, zwei Monteure wurden in den Oman geflogen, wo sie zustiegen. Zwei weitere kamen in Zypern an Bord und brachten zusätzliches Material. In Spanien wurden die letzten Handgriffe gemacht und das Personal geschult. Auf den ersten Fahrten war außerdem Patricia Vogt mit an Bord. Die Trainerin aus Lenggries betreute die Mitarbeiter (siehe Interview).

Die Montage eines Hochseilgartens auf einem Schiff sei „eine ganz andere Hausnummer“, sagt Tretter. „Es ist eine komplette Sonderkonstruktion.“ Verwendet werden zwar Standardbauteile, diese müssen aber an die Schiffsstruktur angepasst werden. „Man muss viele statische Berechnungen vornehmen, da sich das Schiff bewegt“, sagt Tretter. Berücksichtigt werden muss beispielsweise auch die Schwingung des Motors, die unterschiedlich ausfällt, je nachdem, wie schnell das Schiff unterwegs ist. Die Konstrukteure müssen sich an die Standards des TÜV halten, die zur Kiellegung, also bei Baubeginn, festgelegt werden.

Jetzt ist der Hochseilgarten so stabil, dass selbst bei hohem Seegang geklettert werden könnte. „Aber die Leute würden es vielleicht unangenehm finden“, sagt Tretter. Als Spezialeffekt gibt es über dem Kletterparcours ein Membrandach – „es besteht aus Leuchtkissen, wie bei der Allianz Arena“. Bei schönem Wetter wird das Dach geöffnet. Die Gäste können dann praktisch aus dem Schiff hinausklettern.

Aufgebaut wurde ein Rundkurs im hinteren Deck, in dem es keine Zwischenböden gibt. „Dort haben wir vier Decks Freiraum“, erklärt Tretter. Ganz unten befindet sich der Pool, ganz oben der Klettergarten. Die Nutzer können verschiedene Schwierigkeitsgrade wählen, je nachdem, wie sicher sie sich fühlen. „Es gibt mehrere Weichen, an denen man sich entscheiden kann, wie man weitermachen möchte.“ Insgesamt gibt es 18 verschiedene Kletterelemente.

Das Angebot wird laut Tretter von den Passagieren schon rege genutzt. „Alle sind am Klettern, weil es etwas Neues ist.“ Seine ersten Erfahrungen mit dem Einbau von Hochseilgärten in Schiffe kann der Lenggrieser jetzt übrigens gut gebrauchen: Er hat bereits einige weitere Anfragen erhalten.

Tretters KristallTurm GmbH mit Sitz in Lenggries verkauft ihre Hochseilgärten weltweit: Über 20 Anlagen wurden in den vergangenen fünf Jahren gebaut – beispielsweise in Russland, der Türkei, den USA, Spanien und der Schweiz. Die Firma wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis für Innovation und Technik 2011, dem Innovationspreis 2012 und dem Gründerpreis des Deutschen Handwerks 2014.

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