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Der Skibetrieb am Brauneck stärkt die Gästebilanz in Lenggries – vor allem bei den derzeit guten Bedingungen.

Interview

Lenggrieser Gäste-Info-Chefin: „Es gibt Nachholbedarf“

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Ursula Dinter-Adolf, Leiterin der Lenggrieser Gäste-Info, spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen und die künftige touristische Ausrichtung der Gemeinde. Beim Thema Wandern sieht sie Nachholbedarf.

Lenggries – Neuer Campingplatz, neues Wanderwegekonzept, kein Falkenhof mehr – in Lenggries tut sich einiges im Tourismusbereich. Währenddessen liegen in Bad Tölz die Pläne für ein Spa auf Eis, Bad Heilbrunn liebäugelt mit dem Bau eines Sterne-Hotels. Was diese Entwicklungen für Lenggries bedeuten, was aus touristischer Sicht gut beziehungsweise weniger gut läuft und wohin die Reise künftig gehen soll, darüber sprach der Tölzer Kurier mit Ursula Dinter-Adolf, der Leiterin der Gäste- Information.

-Die Winter werden immer schneeärmer. Was bedeutet diese Entwicklung für Lenggries? Wird aus dem Wintersport- künftig ein Wanderparadies?

Wintersport-Ort und Wanderparadies schließen sich nicht aus. Seit Jahren gibt es ein breites Angebot für die Nicht-Skifahrer mit geführten Touren, Wanderungen und einer bunten Palette an Veranstaltungen. Lenggries ist auf alle Wetterlagen vorbereitet. Insbesondere die Gästekarte Plus mit dem breiten Leistungsangebot ist ganzjährig eine „Urlaubsversicherung“. Als Wanderparadies erleben die Gäste unsere Region zu jeder Jahreszeit.

-Ist der Winter eigentlich noch die Hauptsaison oder hat sich diese eher in den Sommer verlagert?

Hier gibt es keine großen Verschiebungen. Die Zahlen in den Wintermonaten sind relativ konstant, eine gute Schneelage macht sich natürlich besonders positiv bemerkbar. Der Februar ist immer ein besonders starker Monat. Dass die Gästezahlen in den Sommermonaten stärker zugenommen haben, liegt am allgemeinen Trend zum Urlaub in Deutschland. Aber sicher auch daran, dass die meisten Ferienzeiten in die Sommermonate fallen.

-Wer gehört zur Hauptzielgruppe des Lenggrieser Tourismus’?

Radfahrer und Familien gehören zu unseren wichtigen Zielgruppen. Die Kernzielgruppe sind Menschen, die Freude an der Natur haben – ob als „Genießer“, die Entspannung suchen oder als „Aktive“, die etwas unternehmen und sich bewegen wollen.

-Ist ein neues Wanderwegekonzept deshalb so wichtig für Lenggries und den gesamten Südlandkreis?

Ja. In Österreich und Südtirol, im Allgäu und im Bayerischen Wald sind die Tourismusregionen schon ganz auf den Wanderurlauber eingestellt. Bei uns gibt es Nachholbedarf. Der Gast soll sich gut zurechtfinden, auch über Gemeindegrenzen hinweg, gut informiert sein und auf attraktiven Wegen die schöne Natur genießen können. Außerdem hängen vom Tourismus im südlichen Landkreis – primär und sekundär, also bei Handwerkern, Zulieferbetrieben – viele Ausbildungs- und Arbeitsplätze ab.

-Was bedeuten die Hotel-Pläne in Bad Heilbrunn oder das Spa-Aus in Bad Tölz für Lenggries?

Jede positive Entwicklung für den Tourismus im Tölzer Land ist auch eine positive Entwicklung für Lenggries – und umgekehrt. Das Spa-Projekt in Bad Tölz wäre für die Gäste im Landkreis ein interessantes Angebot gewesen. Wenn die Region für die Gäste attraktiv ist, profitieren alle Orte davon.

-Braucht Lenggries künftig mehr Betten?

Mit dem Campingplatz, der auch Zimmer und Almhütten anbietet, erweitern sich in diesem Sommer die Übernachtungskapazitäten in Lenggries. Angebot, Nachfrage und Betreiber müssen „zusammenpassen“ – und auch die strategische Ausrichtung sollte stimmen.

-Was hat es mit dem „sanften Tourismus“ auf sich, den sich auch Lenggries auf die Fahnen geschrieben hat?

Ziel eines „sanften Tourismus“ ist – neben einem intensiven Naturerlebnis und einer bestmöglichen Anpassung an die jeweilige Landeskultur – die Natur möglichst gering zu beeinflussen. Der „sanfte Tourismus“ wird bei uns gelebt, denn jedem Akteur in der Region ist sehr bewusst, dass unsere Natur und ihre Erhaltung enorm wichtig sind.

-Ihre Kollegen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen versuchen gezielt, asiatische – vor allem chinesische – Gäste anzuwerben. Ist das für Lenggries auch ein Thema?

Einige Gäste aus dem asiatischen Raum kommen bereits auf ihren Europareisen nach Lenggries und logieren in den Hotels. Aber: Unter den Garmischer Beherbergungsbetrieben sind deutlich mehr Hotels und große Häuser, die für diese Zielgruppe interessant sind.

-Im Sommer kommt der neue Campingplatz am Fuße des Braunecks, der Falkenhof dagegen fällt als Attraktion weg. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Es ist bedauerlich, dass der Falkenhof wegfällt. Den Bau des neuen Campingplatzes – und das an einem attraktiven Standort – begrüße ich sehr, hier ist eine wichtige Entscheidung für den Tourismusort Lenggries gefallen. Die Nachfrage nach einem Campingplatz ist vorhanden und hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ich freue mich, dass wir ab dem Sommer auch die Camper bei uns begrüßen können.

-Was läuft gut in Lenggries, was könnte noch besser laufen?

Insgesamt bin ich mit der Tourismusentwicklung in Lenggries sehr zufrieden. Erfreulich ist zum Beispiel, dass kürzlich ein Traditionshaus, das Hotel Alpenrose, einen jungen Nachfolger gefunden hat. Dem Ziel, unseren Gästen mehr online buchbare Unterkünfte anzubieten, kommen wir immer näher. Hier wäre jedoch noch Potenzial nach oben.

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