Freier Blick auf die Fassade des Lenggrieser Rathauses: Die Bäume mussten aufgrund der anstehenden Maßnahmen weichen.
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Am Lenggrieser Rathaus wird in diesem Jahr das Dach erneuert und das oberste Geschoss ausgebaut

Thema im Hauptausschuss

Lenggrieser Haushalt 2021: Das letzte Jahr ohne neue Schulden

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Keine Neuverschuldung, die Tilgung von Krediten und einiges an Investitionen: Die finanzielle Lage der Gemeinde Lenggries ist nach wie vor geordnet, wenn auch nicht mehr ganz so rosig wie in den Vorjahren.

Lenggries – Es klingt ein wenig absurd: Aber weil es der Gemeinde Lenggries zuletzt recht gut ging, muss sie finanziell heuer Abstriche machen. Schuld daran ist in erster Linie die Gewerbesteuereinnahme von 2019, die mit vier Millionen Euro rund eine Million höher ausfiel als sonst üblich. Genau diese Steuereinnahme ist nun aber zwei Jahre später unter anderem die Berechnungsgrundlage für die Schlüsselzuweisungen vom Land und die Umlage, die die Gemeinde an den Kreis zahlt (siehe Kasten). Letztere fällt um einiges höher aus als im Vorjahr, Erstere deutlich geringer. Im Klartext: Mehr Geld geht raus, weniger kommt rein.

Personalkosten steigen heuer - auch durch den neuen Kindergarten

Gleichzeitig steigen heuer die Personalkosten. Allein durch den neuen Kindergarten seien es 330 000 Euro mehr, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) am Montag bei der Haushaltsberatung im Hauptausschuss. Insgesamt fließt ein Drittel der Personalkosten in die Kinderbetreuungseinrichtungen.

Haushalt 2021 in Zahlen

Wichtige Einnahmen (in Klammern: Zahlen aus 2020):

Grundsteuer A + B: 1,05 Millionen Euro (1,05 Mio)

Gewerbesteuer: 3,1 Millionen Euro (3 Mio)

Anteil Einkommensteuer: 6,16 Millionen Euro (6,32 Mio)

Schlüsselzuweisungen: 2,1 Millionen Euro (2,9 Mio)

Wichtige Ausgaben:

Personalkosten: 6,25 Millionen Euro (5,92 Mio)

Sächl. Verwaltungs- und Betriebsaufwand: 5,66 Millionen Euro (5,54 Mio)

Kreisumlage: 5,83 Millionen Euro (5,22 Mio)

Zuführungsrate: 171 200 Euro (4,31 Mio)

Stand der Rücklage Ende ’21: 2,5 Millionen Euro (4,14 Mio)

Schuldenstand Ende ’21: 2,03 Millionen Euro (2,53 Mio)

Eine Messzahl, die viel über die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Gemeinde aussagt, ist die sogenannte Zuführungsrate. Letztlich ist das das Geld, das nach Abzug aller laufenden Kosten von den Steuereinnahmen (und anderem) übrig bleibt und für Investitionen zur Verfügung steht. Mit 171 000 Euro fällt dieser Betrag heuer äußerst mager aus, im vergangenen Jahr standen noch 4,3 Millionen zur Verfügung. „Wir erfüllen aber die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzuführung deutlich“, sagte Kämmerer Michael Wenig.

1,6 Millionen Euro kommen aus den Rücklagen

Damit heuer alle geplanten Investitionen gestemmt werden können, braucht die Gemeinde 1,6 Millionen Euro aus den Rücklagen, also sozusagen aus dem Sparstrumpf. Den hat sie in den vergangenen Jahren glücklicherweise gut gefüllt gehalten, so dass heuer keine Neuverschuldung notwendig sein wird. Im Gegenteil: Die Gemeinde möchte eine weitere halbe Million an Krediten bei Bayerngrund tilgen, die seinerzeit für den Kauf der Kaserne aufgenommen werden mussten. „Aber da müssen wir mal schauen, wie sich das Jahr so entwickelt“, sagte Wenig. So oder so wird es das letzte Jahr ohne Neuverschuldung sein. Laut Finanzplanung steigt der Schuldenstand der Gemeinde von jetzt 2,5 Millionen Euro bis Ende 2024 auf rund 26,5 Millionen Euro an. „Der massive Sprung liegt in erster Linie am Neubau des Pflegeheims, aber auch an anderen Maßnahmen, die nötig sind“, sagte der Kämmerer.

Der Rathausumbau ist heuer eine der größten Investitionen

Investiert wird dieses Jahr trotz allem einiges. Dabei kommt der Gemeinde entgegen, dass es auch noch den einen oder anderen Haushaltsrest aus dem vergangenen Jahr gibt. „Der Rathausumbau wird eine der größten Maßnahmen“, sagte Klaffenbacher. Wie berichtet wird das Dach erneuert. In diesem Zuge entstehen im obersten Stock neue Büros, zudem wird die erste Etage mit einem Aufzug barrierefrei erschlossen. Kosten heuer: rund 810 000 Euro. Für die Feuerwehren werden heuer (und in den beiden kommenden Jahren) für 175 000 Euro neue Helme und Einsatzkleidung gekauft. Außerdem bekommen die Wehren in Anger (75 000 Euro) und Wegscheid (277 000 Euro) neue Fahrzeuge. Für den Neubau des Feuerwehrhauses in Schlegldorf sind Planungskosten eingestellt – genauso wie fürs neue Pflegeheim.

Parkplatzausbau an der Wasserwacht kostet 460.000 Euro

In der Mittelschule wird die Umrüstung der Beleuchtung auf LED abgeschlossen. Eingeplant sind auch Ausgaben für Grunderwerb, um den Radwegbau zwischen Leger und der Jachenau voranzubringen. „Der Bau wird aber noch dauern“, bremste Klaffenbacher die Euphorie. 460 000 Euro wird der Neubau und die Erweiterung von Parkplätzen - unter anderem von dem an der Wasserwacht am Sylvenstein kosten. Dazu kommen 120 000 Euro für Parkautomaten, die künftig an den Wanderparkplätzen stehen sollen.

Der Ausschuss empfahl dem Gemeinderat, den Haushalt zu beschließen. Geschehen wird dies am 22. März.

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