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An der Metallmanschette im oberen Bereich der Betonwand am Klärwerk-Tank tritt Teer aus.

Gemeinderat

Lenggrieser Kläranlage: Der Teer muss raus

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In der Lenggrieser Kläranlage wurde Teer gefunden. Diese Nachricht ließ einige Gemeinderäte hörbar schlucken. Jetzt werden umfangreiche Entsorgungsmaßnahmen notwendig.

Lenggries – Seit Mitte Mai laufen Arbeiten auf dem Gelände des Lenggrieser Klärwerks. Die Gemeinde erweitert für rund 2,6 Millionen Euro die Kapazitäten und stellt auf anaerobe Klärschlammfaulung um. Das Faulgas soll dann in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt werden und so Wärme und Strom erzeugen. Der bisherige Klärschlammbehälter – ein großer, kreisrunder, nach oben offener Tank wird dazu umgebaut. Unter anderem wird eine Zwischendecke eingezogen, auf der später das BHKW stehen soll. Damit man das Maschinenhaus später auch betreten kann, wurden bereits zwei Türen in die Betonwand geschnitten. Durchtrennt wurde dabei auch eine Metallmanschette, die sich im Inneren in einigen Metern Höhe an der Wand entlangzieht. „Dabei hat man auch das Dichtungsmaterial durchgeschnitten – und dann schon den Teer gerochen“, sagte Ralf Kirchgatterer vom Technischen Bauamt in der Sitzung des Gemeinderats am Montagabend.

Teer darf seit den 70er-Jahren nicht mehr eingesetzt werden

Seit den 70er-Jahren darf Teer weder im Straßenbau noch als Dichtungsmaterial eingesetzt werden. Der Grund: Er enthält Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten. Das Gebäude in Lenggries entstand in den 60er-Jahren. „Da war Teer noch ein ganz normaler Baustoff“, sagte Bürgermeister Werner Weindl.

„Momentan können wir am Behälter nicht weiterarbeiten“, ergänzte Kirchgatterer. Alles sei provisorisch abgedichtet worden, damit niemand zufällig in Berührung mit dem Teer kommt. „Aber wir müssen den Schadstoff ausbauen und entsorgen.“

Und das ist überaus aufwendig. Kirchgatterer hat bei einer Fachfirma angefragt, was grob auf die Gemeinde zukommen könnte. Für den Ausbau des Teers muss ein Wetterschutzdach über den Tank gebaut werden. Darunter kommt eine Folienabdichtung samt Belüftungsanlage. Betreten werden darf das Gebäude nur durch eine doppelte Schleuse inklusive Wechsel der Kleidung beziehungsweise Dekontamination. „Es ist also ein relativ großer Aufwand“, sagte Kirchgatterer. Dazu komme, dass das entfernte Material nur mit Spezialtransportern abgefahren werden darf. Auch das Wasser, das zum Reinigen der Flächen benutzt wird, müsse gesondert entsorgt werden.

Betonbehälter mit krebserregenden Stoffen?

Und es gibt noch eine weitere Unwägbarkeit: Der Betonbehälter ist innen mit schwarzer Farbe gestrichen, die ebenfalls PAK enthalten könnte. „Auch die haben wir jetzt beprobt. Das Ergebnis liegt aber noch nicht vor“, sagte Kirchgatterer.

Dass der Teer rausmüsse, sei klar, sagte Weindl. Aber man wolle auf jeden Fall verschiedene Meinungen hören, auf welche Weise das passieren kann. „Vielleicht gibt es ja verschiedene Wege, die zu einer Lösung führen.“ Darum bat auch Markus Landthaler (FW): „Das ist ja brutal, dieser ganze Zinnober.“ Man dürfe sich hier nicht auf die Aussage einer einzigen Firma verlassen.

Birgitta Opitz (CSU) wollte wissen, ob die sommerlichen Temperaturen zu weiteren Problemen führen könnten. „Tropft der Teer bei Hitze runter?“ Kirchgatterer konnte sie beruhigen. „Der ist wie ganz zäher Honig.“ Und selbst wenn etwas nach unten falle, lande der Schadstoff nur auf dem Betonboden. „Es besteht nicht die Gefahr, dass wir etwas ins Grundwasser verschleppen.“

Wie lange die Entsorgung dauern wird und wie viel sie kostet, lasse sich im Moment noch überhaupt nicht abschätzen. Weindl: „Es wird uns aber auf jeden Fall eine Zeitlang beschäftigen.“

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