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Dichter Paul Schwarzenberger und die Formation „Whiskey’n’Gin“ bereicherten die Midissage.

Midissage

Lenggrieser Kunstwoche: NeuGierig bleiben

Die Lenggrieser Kunstwoche, die in diesen Tagen wieder im katholischen Pfarrheim und an ausgewählten Plätzen im Ort läuft, hat sich in den 15 Jahren ihres Bestehens zu einer festen Größe im Kulturleben von Lenggries etabliert.

LenggriesSeit mehreren Jahren steht die Ausstellung jeweils unter einem zentralen Thema. „NeuGier“ haben die Organisatoren des Lenggrieser Kunstvereins unter Führung von Günter Unbescheid heuer gewählt. Jetzt hatte der Verein zur gut besuchten Midissage eingeladen.

Das Motto hat es wegen seines negativ besetzten Wortstamms Gier sicher nicht immer leicht, positive Assoziationen zu wecken. Blickt man jedoch genauer hin, entpuppt sich der unbedingte Wille nach dem Neuem, nach dem noch Unbekannten als eine der Hauptantriebsfedern menschlichen Handelns und wird daher inzwischen meist doch positiv verstanden. Die lose Vorgabe des Vereins wurde von den Künstlern auf denkbar unterschiedlichste Weise interpretiert und setzt, wie immer, auch eine gehörige Portion Neugier beim Publikum voraus. Diese wird in jedem Fall belohnt.

So können die Besucher äußerst facettenreiche Werke bestaunen, wie etwa die großen geometrischen Objekte aus Metall von Thomas Lenhart, die im ganzen Dorf verteilt sind, oder die ebenso geometrischen, aber in deutlich kleinerem Format gehaltenen filigranen Konstruktionen von Andrea Mähner. Einen ähnlich kontrastreichen, doch korrespondierenden Kontrapunkt bilden die aus Papier erschaffenen Werke von Paula-Jiun No und Anni Rieck, die im Saal des Pfarrheims ausgestellt sind. Während die Exponate Nos durch ihre raue und schwere, farblich kontrastreiche Beschaffenheit eine geerdete, bodenständige Materialität ausstrahlen, entschweben die fragilen Flugobjekte Riecks fast unbemerkt über den Köpfen der Besucher. Dies ändert sich freilich, wenn man sich längere Zeit im Raum aufhält und sich in Ruhe von den an der Decke schwebenden Formen aus Papier auf ihre Reise mitnehmen lässt.

Die Midissage bereicherten Paul Schwarzenberger mit nachdenklichen, manchmal auch komischen, immer jedoch hintergründigen bayerischen Texten und die Musikgruppe Whiskey’n’Gin. Mit „Jung und Oid“ war der Abend überschrieben, und viele der von Schwarzenberger vorgetragenen Texte beschäftigten sich mit der Thematik des Älterwerdens und den Konflikten zwischen den Generationen, mit dem Streit über das Rechthaben und das Rechtbekommen, Lebenserfahrung gegen innovative Jugend, Altersweisheit gegen jugendliche Flexibilität, schließlich aber auch mit der Aufforderung, miteinander zu reden und sich „gefälligst“ zu vertragen.

Der anfangs eher innere Monolog des „alternden Protagonisten“ Paul Schwarzenberger wurde zum Dialog mit Sebastian Schwarzenberger, dem Neffen des Dichters, der ihm in den Reihen der Musiker auf der Bühne zur Seite stand, flankiert von Nicole und Sepp Müller sowie Toni Simon, die in der Formation Whiskey’n’Gin neben ihren musikalischen Qualitäten auch echtes schauspielerisches Talent bewiesen. Weniger nach festem Ablauf als mehr auf Zuruf und in einer lockeren Session agierten die Künstler und rangelten zuweilen auch verbal um die Bühnenhoheit.

Diese Improvisation machte den Charme dieses gelungenen Abends aus. Hier hinein passte dann auch wunderbar das Gastspiel von Sadek Wahedi, ein afghanischer Musiker, der kurzfristig noch gewonnen werden konnte und den Abend am Keyboard spontan bereicherte.

Wer nun NeuGierig auf die Ausstellung geworden ist, dem sei sie wärmstens ans Herz gelegt, am besten kombiniert mit dem lesenswerten Ausstellungskatalog.

Die Kunstwoche läuft bis Sonntag, 1. Oktober. Zum Abschluss gibt es um 11 Uhr ein Künstlergespräch im Pfarrheim. Zu Gast sind Bildhauer Thomas Lenhart, Künstlerin Anni Rieck, Pfarrer Stefan Huber und Vereinschef Günter Unbescheid. Eva Pehl

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