Die Lenggrieserin Andrea Ziller steht am Bahngleis, hinter ihr fährt ein Lint-Zug der BRB vorbei.
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Lärmgeplagt: Die Lenggrieserin Andrea Ziller leidet unter dem „Quietschen und Kreischen“ der neuen Lint-Züge, wie sie sagt. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe des Bahnübergangs bei den Tennisplätzen.

Anwohner-Familie schildert Belastung durch neue Züge

Lenggrieser leiden unter Lint-Lärm

  • Andreas Steppan
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Es ist unerträglich: Die neuen Lint-Züge der Bayerischen Regiobahn rauben Anwohnern der Gleise die Nerven. Ein Runder Tisch soll alle Betroffenen jetzt zusammenbringen.

  • Die Kritik an den neuen Lint-Zügen der Bayerischen Regiobahn wird lauter
  • Vor allem die Lärmbelästigung belastet betroffene Anlieger sehr
  • Am Mittwoch kommt Landtagspräsidentin Ilse Aigner zum Runden Tisch nach Holzkirchen

Lenggries – Die Kritik an den neuen Lint-Zügen der Bayerischen Regiobahn (BRB) reißt nicht ab – und zieht mittlerweile weite Kreise. Für diesen Mittwoch hat das Unternehmen die Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die Landräte von Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sowie die Bürgermeister der Städte und Gemeinden an den BRB-Strecken im Oberland zu einem Runden Tisch nach Holzkirchen eingeladen.

Neben dem Thema Barrierefreiheit geht um den Zuglärm. Dazu hatten sich bislang vor allem Anwohner aus dem Tegernseer Tal öffentlich zu Wort gemeldet. Dass es auf dem Streckenzweig Richtung Isarwinkel nicht viel anders klingt, zeigt die Schilderung einer Lenggrieser Familie.

„Ich bin ein Zugkind“, sagt Andrea Ziller. Seit ihrem siebten Lebensjahr wohne sie in der Nähe des Bahngleises. Egal, ob im Lauf der Jahre die alten Züge der Deutschen Bahn oder später die Integral- oder Talent-Triebwagen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) darüberfuhren: „Man hat sich daran gewöhnt und hat die Züge irgendwann gar nicht mehr gehört“, sagt die heute 43-Jährige.

Vor 5 Uhr quietscht der erste, nach 1 Uhr der letzte Zug

Doch was sie und ihre Familie durchmachen, seit die neuen Lint-Züge im Einsatz sind, beschreibt sie als höchst belastend. „Diese Züge kreischen und quietschen ganz furchtbar.“ Andrea Ziller wohnt mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe des Bahnübergangs bei den Lenggrieser Tennisplätzen.

Das Zweifamilienhaus sei keine 50 Meter vom Bahngleis entfernt. Stündlich werde die Familie nun vom Kreischen der Züge aufgeschreckt. Fensterscheiben und Gläser würden vibrieren.

Andrea Ziller ist ohnehin keine Langschläferin, steht unter der Woche für gewöhnlich um 5.15 Uhr auf. Aber nicht einmal so lange ist ihr mittlerweile ruhiger Schlaf vergönnt, denn schon um 4.50 Uhr weckt sie der erste Zug, wie sie schildert. Nachts höre sie das Kreischen bis zum letzten Zug um 1.10 Uhr. Bei Andrea Zillers Wohnhaus passieren die Züge übrigens eine gerade Strecke. Es gebe auch Tage, da sei es weniger laut – aber eine Regelmäßigkeit, zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Wetter, konnten sie und ihre Familie noch nicht feststellen.

„Auch der Motor der Lint-Züge ist deutlich lauter als bei den alten“, sagt die Lenggrieserin. Dazu komme das Hupen der Züge, wenn am Bahnübergang wieder Spaziergänger unterwegs sind.

„Der Lärm geht irgendwann auf die Gesundheit“

Sie sei chronisch krank und daher „auf guten Schlaf angewiesen“, sagt Andrea Ziller. In ihrem Teilzeit-Job und als dreifache Mutter müsse sie Tag für Tag fit sein – jetzt aber sei ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt. „Dieser Lärm verursacht Stress, das geht irgendwann auf die Gesundheit“, befürchtet sie.

Die Anliegen der Bürger will beim heutigen Runden Tisch der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher einbringen. „Es liegt mir sehr am Herzen, dass die BRB etwas unternimmt“, sagt er. Was sie Barrierefreiheit angeht, „kann es nicht sein, dass man das in der heutigen Zeit nicht besser in den Griff bekomment – ja, dass man sich mit neuen Zügen sogar noch verschlechtert“. Und auch das Lärm-Problem, das schon von mehreren Seiten an ihn herangetragen wurde, „bedarf der Klärung“, sagt Klaffenbacher.

Als „nicht akzeptabel“ bezeichnet Landrat Josef Niedermaier die Lage. „Dass die neuen Lint-Züge zwar die Normen erfüllen, aber nicht optimal barrierefrei und laut sind, ist sehr ärgerlich.“ Dass neue Züge gekauft und dadurch ein erweiterter und stabilerer Fahrplan ermöglicht wurde, das habe der Landkreis zwar sehr begrüßt. In die Auswahl des Modells aber sei er nicht eingebunden gewesen – „das ist auch nicht vorgesehen“ – und seine Einflussmöglichkeiten seien begrenzt. „Dennoch: Ich dränge darauf, den gegenwärtigen Zustand zu verbessern“, betont Niedermaier. „Wir werden unsere Forderungen deutlich formulieren und das Gespräch mit den Akteuren suchen.“

Kontakt

Andrea Ziller würde sich gerne mit anderen Lärm-Betroffenen aus dem Isarwinkel zusammenschließen. Sie ist erreichbar per E-Mail an andrea.ziller@t-online.de

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