+
Der Lenggrieser Unternehmer Fabio Cinelli (li.).

Urheberrechtliche Unterlassungs- und Folgeansprüche

Lenggrieser Modelabel verklagt: Kabarettistin Martina Schwarzmann bei Urheberrecht humorlos

  • schließen

Zwischen der Plattenfirma von Martina Schwarzmann und dem Lenggrieser Unternehmer Fabio Cinelli ist ein Rechtsstreit entbrannt. Die Kabarettistin zeigt beim Thema Urheberrecht als humorlos. 

Lenggries– Mia langts, dass I woas, dass I kannt, wenn I woin dad“: Dieser Satz wird demnächst das Landgericht München I beschäftigen. Wie Gerichtssprecherin Anne Fricke auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt, erhebt ein Münchner Plattenlabel deswegen „urheberrechtliche Unterlassungs- und Folgeansprüche“ gegen den Lenggrieser Fabio Cinelli.

Cinelli vertreibt unter dem Markennamen „Oberlandla“ T-Shirts, Sweatshirts und andere Kleidungsstücke, die mit bayerischen Sprüchen bedruckt sind – darunter auch dem besagten Satz. Die Kläger argumentieren, diese Zeile stamme aus der Feder der Kabarettistin Martina Schwarzmann, die 2008 das Lied „Mia glangt dass i woaß dass i kannt“ veröffentlichte. Cinelli hält dagegen, dass es sich um einen allgemein bekannten und verbreiteten Ausspruch handle, den er unter anderem von seiner Mutter kennen will.

Kabarettistin Martina Schwarzmann

Das Plattenlabel verlangt von Cinelli nun zum einen „Unterlassung“, also dass er die Kleidungsstücke mit dem Spruch nicht mehr verkauft, als auch Ersatz für entgangene Lizenzgebühren und Anwaltskosten. Der Lenggrieser wiederum hat Gegenklage eingereicht und will ebenfalls seine Anwaltskosten zurückhaben.

Die Klägerseite will sich auf Anfrage des Tölzer Kurier zur Sachlage nicht äußern. „Sollte einer unseren Autoren in einen Urheberrechtsstreit verwickelt sein, so würden wir dies zuerst mit der Gegenseite klären wollen“, teilt Holger Vogt, Geschäftsführer von Südpolmusic, mit.

Cinelli hingegen hatte den Rechtsstreit – allerdings ohne den umkämpften Spruch und die Künstlerin zu nennen – bereits vergangenen November auf seiner Internetseite öffentlich gemacht (wir berichteten). Das öffentliche Aufsehen, das er damit erregte, versucht er als „kleinen Funken Positives“ an dem juristischen Streit zu sehen. „Jede Werbung ist gute Werbung“, zitiert er. „Aber das kann den ganzen Ärger bei Weitem nicht aufwiegen.“

Auch er lege großen Wert auf den Schutz des Urheberrechts, zum Beispiel, was Design und Gestaltungsideen angeht, betont der Unternehmer. „Wir wehren uns aber dagegen, dass die Sprache monopolisiert wird. Sie muss Allgemeingut bleiben.“

Jurist zeigt sich verwundert

Als Rechtsbeistand hat Cinelli Dr. Urs Verweyen von der Berliner Kanzlei KVLegal an seiner Seite. Für den spezialisierten Juristen sind Urheberrechtsklagen – auch wegen „kleiner Musikfrequenzen, Textfetzen oder Romanideen“ – ganz alltäglich. Im Lenggrieser Fall aber wundert er sich nach eigenen Worten doch ein wenig, „dass man da auf die Idee kommen kann: ,Dieser Satz gehört mir, und andere dürfen ihn nur verwenden, wenn sie bezahlen.‘“

Seine Argumentation stützt sich hauptsächlich darauf, dass es sich um eine Redewendung handele, die lange vor Veröffentlichung von Martina Schwarzmanns Lied bekannt und gebräuchlich gewesen sei. „Ich kenne ihn zum Beispiel auch schon lange in einer hochdeutschen Variante“, sagt Verweyen. Der Anwalt führt nicht nur Cinellis Mutter als Zeugin an, sondern verweist auch darauf, dass eine Zeitung den Spruch in einer Liste unter dem Titel „Bayern in 100 Sprüchen“ als „bayrische Lebensphilosophie“ ausweise. Sogar die BBC führe ihn als „deutsche Redewendung“ an – und auch die österreichische Band „Folkshilfe“ habe schon gesungen: „Mir laungts, dass i woas, dass i kunnt, waun i mechat“. Die Ansprüche, die das Plattenlabel anmelde, sind aus seiner Sicht daher „offensichtlich unbegründet“. Nach Auffassung des Anwalts hat Martina Schwarzmann den Spruch genauso „irgendwo aufgeschnappt“ wie sein Mandant auch.

Nächste Verhandlung erst in ein paar Wochen

Abgesehen davon spricht Verweyen Schwarzmanns Textzeile die „individuelle schöpferische Leistung“ ab, die nötig sei, um überhaupt ein Urheberrecht zu begründen. Gerade bei solch kurzen Textausschnitten sei es generell schwierig, den kreativen Beitrag eines Autors festzumachen. Der Rechtsanwalt führt Vergleichsurteile ins Feld. So hätten Gerichte in der Vergangenheit der Zeile „Tausendmal berührt. . .“, wie sie in einem Lied von Klaus Lage vorkommt, besagte schöpferische Gestaltungshöhe nicht zugesprochen. Sehr wohl ein Urheberrecht konnte dagegen für Karl Valentins berühmten Ausspruch „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ in Anspruch genommen werden. Dessen „Sprachakrobatik“, so Verweyen, könne Martina Schwarzmann seiner Ansicht nach aber nicht für sich beanspruchen.

Bis sich beide Parteien vor Gericht wiedersehen, wird es noch einige Wochen dauern.

Auch interessant: Prozess um angeschossenen Kater: Verhandlung ausgefallen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flugzeug stürzt in Baumarkt - Drama um Ex-Landtagskandidat und seine Mutter
Er wollte in den Bayerischen Landtag einziehen, nun ist der Ickinger bei dem Flugzeugabsturz in Bruchsal ums Leben gekommen. Der Schock in Icking ist groß. 
Flugzeug stürzt in Baumarkt - Drama um Ex-Landtagskandidat und seine Mutter
Tragischer Unfall bei Radausflug: Mutter nach Sturz von Anhänger überrollt - vor Augen der Familie
Schlimmer Fahrradunfall am Walchensee: Beim Ausflug mit ihren Kindern kam eine Mutter zu Sturz - und wurde von einem Anhänger überrollt. Sie erlitt schwere Verletzungen.
Tragischer Unfall bei Radausflug: Mutter nach Sturz von Anhänger überrollt - vor Augen der Familie
Abriss des Sozialprojekts: Statt Carisma-Möbelmarkt zwölf Wohnungen
Der Tölzer Bauausschuss hat den Abriss des Carisma-Gebäudes sowie den Bau eines Mehrfamilienhauses an der August-Moralt-Straße einstimmig genehmigt. Bauherr ist Hubert …
Abriss des Sozialprojekts: Statt Carisma-Möbelmarkt zwölf Wohnungen
Mega-Hitze-Sommer? Tölzer Meteorologe Kai Zorn verrät, wie die Sommerferien wirklich werden
Noch eine Woche: Dann sind Sommerferien. Doch wie wird das Wetter? Der Tölzer Meteorologe Kai Zorn kennt die Antwort.
Mega-Hitze-Sommer? Tölzer Meteorologe Kai Zorn verrät, wie die Sommerferien wirklich werden

Kommentare