Vor allem in den Wochen des Spätsommers soll die Nixe am Fluss entlanggeistern.
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Vor allem in den Wochen des Spätsommers soll die Nixe am Fluss entlanggeistern.

Ursula Weber spürt märchenhafte Plätze auf

Lenggrieser Sage: Der Lockruf an der Isar

Im Tölzer Land gibt es zahlreiche märchenhafte Plätze, zu denen es heitere, aber auch schaurige Geschichten aus der oberbayerischen Sagenwelt gibt. So manche Geschichte wird auch heute noch erzählt, andere sind in Vergessenheit geraten. Die Tölzer Erzählerin Ursula Weber hat die Plätze aufgespürt. In loser Reihenfolge stellt die Journalistin und Buchautorin im Tölzer Kurier diese Plätze und ihre Geschichten vor.

Lenggries - Alle Erzählungen tragen viel Lebensweisheit und oft auch eine große Prise Humor in sich. Heute stellt Ursula Weber die Sage von der Isarnixe vor.

Reißend und gefährlich bahnte sich die Isar früher ihren Lauf durch das Oberland, als es weder das Walchenseekraftwerk noch den Sylvensteinsee gab. Insbesondere die Flößer bekamen diese Naturgewalt hautnah zu spüren und zahlreiche von ihnen verloren bei der riskanten und kühnen Arbeit ihr Leben. In den alten Geschichten und Sagen jedoch bekamen die Gefahren der Isar menschliche Gestalt, so wie es die Erzählung von der Isarnixe anschaulich schildert: Über 500 Jahre ist es her, als sich der Bayernherzog Albert IV. im Jahre 1487 mit Kunigunde, der Schwester des späteren Kaisers Maximilian I., vermählte und dazu auf die Burg in Grünwald einlud. Spielleute und Gaukler reisten an, um die Hochzeitsgesellschaft mit ihren Künsten zu erfreuen.

Darunter war ein junger Musikus, der es meisterhaft verstand, seiner Sackpfeife die schönsten Melodien zu entlocken und sogar verschiedene Tier- und Vogelstimmen trefflich nachzuahmen. Die Kunde seines Könnens machte alsbald die Runde, und unter den vielen Zuhörern fand sich ein schönes Edelfräulein ein, das dem Spielmann sehr wohl gefiel und nicht mehr von seiner Seite weichen wollte. Doch als der Herzog schließlich mit seinem Gefolge einen Ausflug zum Jagdschloss Grünwald unternahm, wollte es das Edelfräulein genau wissen: „Dass du mich begehrst, seh ich wohl. Aber ob du auch den Mut hast, für mich dein Leben zu wagen?“ „Keine Frage!“, rief der Spielmann aus und forderte sie auf, ihm die Gelegenheit dazu zu geben, ihr seine Liebe zu beweisen.

Der junge Spielmann verschwand im reißenden Wasser

Da riss sich die junge Frau in unbedachtem Übermut ihr Geschmeide vom Hals und warf es in die Isar. Ohne zu zögern, sprang der Spielmann hinterher, um in den wilden Fluten nach der Kette zu tauchen. Doch so schnell, wie die Kette in den reißenden Wassern verschwunden war, so geschah es auch mit dem jungen Mann. Von beidem ward nie wieder etwas gesehen. Das Edelfräulein aber verschwand ebenfalls nach drei Tagen spurlos.

Nur ein seltsamer Lockruf soll seither an der Isar zu hören sein und von jener tragischen Begebenheit erzählen. Mit ihrem schmeichelnden „Tutli-i-i-i“ versuche das gespenstische Edelfräulein neue Opfer zu finden. Vor allem in den Wochen des Spätsommers geistere es als Isarnixe an den Schilfufern des Flusses entlang, um insbesondere Flößer mit ihrem durchdringenden Gesang zu betören und ihnen ein nasses Grab zu bereiten. Diese wussten jedoch um die große Gefahr und wappneten sich. Betend und mit allerhand geweihten Gegenständen erwehrten sie sich des bösen Fluches, um nicht – wie so manch anderer von ihnen – in der Isar den Tod zu finden.

Einem jungen Flößer aus Lenggries soll das „Tutli-Pfeiferl“ gar in Gestalt seiner hübschen Braut begegnet sein. Doch konnte er den bösen Zauber noch rechtzeitig durchschauen und sich vor den schleierhaften Fängen der Isarnixe retten. (Ursula Weber)

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