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Der Bruchtest ist eine der schwierigsten Taekwondo-Übungen: Konzentration, Präzision und Körperbeherrschung sind dabei gefragt. Schwarzgurt Anna Moser hat dieses Können bei den Dan-Prüfung unter Beweis gestellt.  

Lenggrieser Taekwondoka im Portrait

Anna Moser - die Brettlbrecherin

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Es ist nicht ungewöhnlich, wenn jemand Pokale oder Medaillen in einer Glasvitrine ausstellt. Aber ein fein säuberlich durchtrenntes Brett? Das ist exotisch – aber nur solange, bis man Anna Moser kennenlernt. Sie ist Taekwondoka beim TV Lenggries, seit kurzem Schwarzgurt – und passionierte Brettlbrecherin.

LenggriesDie 18-jährige Lenggrieserin fand auf Umwegen zum Taekwondo. Als Knirps war sie Turnerin. Doch dann schaute sie sich nach anderen Sportarten im TV Lenggries um. Sie begann zu tanzen, und 2007 wurde sie über einen Freund auf Taekwondo aufmerksam. Sie trainierte fleißig und arbeitete sie sich hoch: weißer Gurt, gelber Gurt, grüner Gurt, blauer Gurt, roter Gurt. Und nun die Krönung: die Schwarzgurt-Prüfung.

Ein Jahr lang bereitete sie sich darauf vor und reiste schließlich zur Prüfung nach Erlangen. „Ich war relativ nervös“, gibt Moser zu. Es gab schließlich viele Unwägbarkeiten. Passt die Tagesform? Funktioniert alles wie geplant? Wer ist der Kampfpartner? Und dann besteht natürlich immer eine gewisse Verletzungsgefahr. „Taekwondo ist ein Kampfsport. Wenn es blöd läuft, kann man nach dem ersten Drittel nicht mehr weitermachen.“

In der Prüfung selbst ging es darum, in fünf Kategorien überzeugende Leistungen abzuliefern. Im Formenlauf musste sie festgelegte Schritt- und Technikfolgen zeigen und gegen einen imaginären Gegner kämpfen. Weiter ging es mit dem Ilbo-Taeryon, dem Sparring. Das Ziel: den Gegner nicht treffen. Vollgas gab Moser im Wettkampf mit Ganzkörper-Schutzbekleidung. Zum Abschluss ging es um Selbstverteidigung und einen Bruchtest. Mit zwei Schlägen musste Moser zwei Bretter zerschlagen. Bei Versuch eins zielte sie knapp daneben, beim zweiten Anlauf traf sie präzise. „Ich bin stolz darauf, dass es geklappt hat“, sagt Moser. Beim Turnverein Lenggries gebe es schließlich außer ihr nur zwei Schwarzgurte – ihre beiden Trainer Max und Barbara Wiltschko.

Am Taekwondo schätzt Moser mehrere Aspekte: Man lerne, sich zu verteidigen, studiere Techniken ein und lerne seinen Körper kennen. Taekwondo steigere zudem die Konzentrationsfähigkeit. Was sie besonders liebt: den Nervenkitzel. Man wisse nie, was der Partner macht. „Kommt ein Kick zum Kopf? Wenn man zu langsam ist, kriegt man einen Schlag ab.“ Von jedem Training komme sie mindestens mit einem blauen Fleck heim“, gibt die 18-Jährige zu. Taekwondo sei aber nicht nur körperlich, sondern auch mental anspruchsvoll: „Man muss ständig überlegen, was passieren könnte. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu verteidigen.“

In ihrem Freundeskreis sei es kein großes Thema, dass Moser eine Sportart ausübt, in der es körperlich hart zur Sache geht. Ein Teil ihrer Freunde habe Verständnis, weil sie selbst Taekwondo-Kämpfer sind, sagt Moser. So manche Freundin sei froh, bei abendlichen Ausflügen eine kampferprobte Frau an der Seite zu haben. „Sie sagen: Wenn was ist, kann uns die Anna ja verteidigen.“

Moser trainiert zweimal pro Woche, lange blieb Zeit für andere Hobbys, wie Radfahren, Motorradfahren – und Querflöte spielen. „Das ist für mich ein guter Ausgleich und ein Ruhepol“, sagt die 18-Jährige. Ein paar Mal habe sie im kleineren Kreis Auftritte gehabt, „aber eigentlich habe ich das nur hobbymäßig für mich selbst gemacht“. Zuletzt kam die Querflöte allerdings etwas zu kurz, da sich die Zwölftklässlerin auf das Abitur in Hohenburg vorbereitet. Ihre schriftlichen Prüfungen absolviert sie in Mathematik, Deutsch und Latein. Das Mündliche macht sie in Wirtschaft und Sport Additum.

Ihre sportlichen Ziele will sie trotz der bevorstehenden schulischen Prüfungen nicht aus den Augen verlieren. Ursprünglich ging sie davon aus, dass der 1. Dan das Höchste ist, was sie im Taekwondo erreichen kann. Inzwischen träumt sie vom dritten Dan. „Aber man muss schauen, wie sich das mit dem Beruf vereinbaren lässt.“ Um r vorwärts zu kommen, würde sich Moser wünschen, dass sich mehr Erwachsene der Lenggrieser Trainingsgruppe anschließen – fest dabei sind bislang nur acht bis zehn Taekwondoka. Altersgrenzen nach oben gebe es fast nicht. Der älteste Teilnehmer, der sich in Erlangen einen schwarzen Gurt erkämpfte, war laut Moser 50 Jahre alt.

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