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„Rettet die Isar jetzt“ ist besorgt

Ist Flussschnorcheln in der Isar ein Problem?

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Lenggries - Auf der Isar ist eine Menge los. Viel zu viel, findet nicht nur der Verein „Rettet die Isar jetzt“. Deshalb wird es auch skeptisch betrachtet, dass neben Rafting, Standup-Paddeln und Co. nun auch noch ein neues Freizeitvergnügen angeboten wird: Scubing – Flussschnorcheln.

Dr. Karl Probst, Vorsitzender von „Rettet die Isar jetzt“ beobachtet die Entwicklung schon seit Längerem mit Sorge. „Insbesondere der Raftingbetrieb ist gekennzeichnet von Vermassung und Kommerzialisierung und führt immer weiter weg vom klassischen Naturgenuss hin zum Fun- und Eventerlebnis, leider oft auch ohne Rücksicht auf Fauna, Flora und Ruhebedürfnis anderer Besuchergruppen“, schreibt er einem Brief an verschiedene Verbände, Vereine und Parteien. Hierin informiert er auch, „dass nun auch unter Wasser eine neue Trendsportart, das sogenannte Scubing kreiert worden ist und auch bereits kommerziell angeboten wird“. Dabei würden die Teilnehmer in Neoprenanzügen in der Isar schnorcheln und dabei Rückzugsorte von Fischen stören und deren Population eventuell negativ beeinträchtigen.

In dem Rundschreiben werden die Verbände um Stellungnahme gebeten, was sie von Scubing mit Blick auf das Ökosystem Isar halten und ob sie „regulierende Maßnahmen“ für erforderlich befinden. „Wir haben fast zwei Dutzend Adressen angeschrieben. Und die ersten Rückmeldungen zeigen, dass Scubing schon als Problem gesehen wird“, sagt Probst auf Anfrage.

Das sei es aber nicht, betont Nick Boettger. Der Lenggrieser ist derzeit der einzige kommerzielle Anbieter von Scubing in der Isar. Wobei kommerziell relativ zu sehen ist. „Unter der Woche arbeite ich als Handwerker. Am Wochenende biete ich Freizeitaktivitäten an.“ In eher überschaubarem Umfang. 2016 habe es keine einzige Scubingtour gegeben. Im Jahr davor „waren wir einmal zu zweit unterwegs und haben die Tour dann noch einmal zu viert wiederholt“. Von einer Massenbewegung könne also keine Rede sein. Die Gründe sind einfach: Das Sich-Treiben-lassen und Schnorcheln habe nur Sinn, wenn die Isar einen gleichmäßig hohen Wasserstand aufweise. Außerdem sollten zeitgleich nicht noch Dutzende Boote unterwegs sein. „Im Sommer hat es deshalb gar keinen Sinn“, sagt Boettger. Zudem sei er selber Sportfischer, kenne sich mit Gewässerkunde aus und wisse durchaus, wo man unterwegs sein kann, ohne Fische zu stören.

Der Lenggrieser hätte sich gefreut, wenn „Rettet die Isar jetzt“ vor dem Rundbrief Kontakt zu ihm aufgenommen hätte. Denn in der wichtigsten Sache sind sich Probst und Boettger einig: „Die Isar wird viel zu viel genutzt“, sagt Boettger vor allem mit Blick auf die zahlreichen auswärtigen Anbieter, die mit ganzen Busgruppen zum Raften anreisen. Eine Regulierung wäre hier durchaus angebracht. Denn dass das Ökosystem Isar leide, könne man beispielsweise am fehlenden Artenreichtum bei den Fischen sehen.

Auch Probst wünscht sich eine Regulierung und fordert daher „eine Verordnung für die Isar“. Diese könnte klar festlegen, was man auf dem Wildfluss darf und was nicht. Beispielsweise könnte untersagt werden, dass nachts Boot gefahren wird oder in der Laichzeit der Fische oder bei zu viel beziehungsweise zu wenig Wasser. Für die Ammer im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau gebe es beispielsweise eine derartige Verordnung, sagt Probst. Aber bringt die wirklich was? Sie schaffe zumindest einmal eine Grundlage, um Verstöße zu ahnden. „Momentan kann man das Verhalten von Bootsfahrern höchstens kritisieren“, sagt Probst. Aber wer in der Laichzeit der Fische fahre, begehe kein Unrecht. „Das ändert die Verordnung.“

Der Weg dahin ist aber noch ein weiter. „Derzeit suchen wir Mitstreiter“, sagt Probst. Gemeinsam müsste dann über den konkreten Inhalt der Verordnung diskutiert werden. Erlassen müsste sie schließlich das Landratsamt.

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