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Steht für den Umweltschutz auf: Marisa Neumeister (25) aus Lenggries.

Marisa fördert faire, nachhaltige Kleidung

Lenggrieserin bloggt über Bio-Mode und fordert Revolution im Kleiderschrank

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Über eine besonders günstige Hose oder einen Pulli freut sich Marisa Neumeister kein bisschen. Denn die Lenggrieserin setzt auf Bio-Kleidung, und die gibt es eben nicht zum Schnäppchenpreis. Mit dieser Einstellung scheint sie einen Nerv getroffen zu haben: Ihr Internet-Blog erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Lenggries – Ihre ganz persönliche Revolution im Kleiderschrank startete Marisa Neumeister vor knapp zwei Jahren. Damals sah sie den Film „The True Cost – Der Preis der Mode“. Die Dokumentation zeigt, wie Näherinnen in Ländern wie China oder Bangladesch für weniger als drei Dollar pro Tag in überhitzten Fabriken schuften – zum Teil 20 Stunden am Stück. Der Film nennt auch Zahlen: Allein in den USA landen rund elf Millionen Tonnen Kleidungsstücke pro Jahr im Müll. Neumeister beschloss, kein Mitglied mehr dieser Wegwerf-Gesellschaft sein zu wollen. „Ich konnte das mir gegenüber einfach nicht mehr verantworten“, sagt die Lenggrieserin.

Sie begann, sich mit dem Thema faire Mode auseinanderzusetzen, sammelte ihre Erkenntnisse in einer Art öffentlichem Tagebuch im Internet. Die ersten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: „Da habe ich gemerkt, dass dieses Thema viele Leute beschäftigt.“ Vor eineinhalb Jahren begann sie, regelmäßig Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen.

Heute gehen im Schnitt 200 Menschen am Tag auf myfairladies.net, um sich von Neumeister inspirieren zu lassen. Die meisten von ihnen sind weiblich. Für sie ist der Blog auch hauptsächlich gedacht. Denn Neumeister zeigt ausschließlich Frauenmode, die nichts zu tun hat mit den alten Öko-Klischees von unförmigen Leinengewändern und Jesuslatschen.

Besonders gut kommt bei ihrer Fangemeinde die Karte an, die Neumeister für ganz Deutschland erstellt hat. Darauf sind alle Läden vermerkt, die Bio-Mode verkaufen. „Seit der Veröffentlichung wurde die Karte schon über 2000 Mal aufgerufen“, freut sich die 25-Jährige.

Die junge Lenggrieserin nutzt ihre Internet-Plattform aber auch dazu, um Tipps und Tricks weiterzugeben, wie jeder etwas für die Umwelt tun kann. Ein guter Anfang sei es beispielsweise, einfach weniger und dafür hochwertigere Kleidung zu kaufen, die nicht nach ein oder zwei Jahren im Müll landet. Das hat natürlich seinen Preis: „Faire, nachhaltige Mode ist schon teurer als das, was wir gewohnt sind“, sagt Neumeister. Dafür kann die Näherin, die das Kleidungsstück angefertigt hat, aber von ihrer Arbeit leben, genießt vielleicht sogar einen Arbeitsschutz. „Am Ende des Tages geht man mit einem besseren Gewissen ins Bett.“

Wem Öko-Klamotten trotzdem zu teuer sind, empfiehlt Neumeister Second-Hand-Ware. Und wer dann auch noch auf den berühmten Coffee-to-Go-Becher verzichtet oder die Wasserflasche aus Plastik einfach öfter mal wieder auffüllt, hat schon viel für die Umwelt getan, sagt Neumeister, die als Beisitzerin im Verein „Oberland Plastikfrei“ aktiv ist.

Dieses Ehrenamt und ihr Blog sind quasi ihre Hobbys. Doch auch in ihrem Beruf versucht sie, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Als Leiterin der Fachstelle für Jugendkultur in München sensibilisiert sie schon Heranwachsende für Themen wie faire Mode oder Umweltschutz. „Aber ohne erhobenen Zeigefinger“, wie Neumeister lachend betont.

Dieser Punkt ist ihr wichtig. Denn auch sie selbst schafft es nicht, vollständig nachhaltig zu leben. Das ist in der heutigen Zeit unmöglich, sagt die Vegetarierin. Allein, wer im Internet Bio-Mode bestellt, belastet die Umwelt. Denn beim Transport entsteht das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid. „Aber in der Region gibt es nun mal keine Möglichkeit, grün einzukaufen“, bedauert Neumeister.

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Lesen Sie hier:  Wer richtig vegan lebt, achtet nicht nur auf sein Essen, auch auf seine Kleidung. Lederschuhe, Wollpulli und Seidenbluse - alles böse. Das sind Adressen von veganen Mode-Läden in München.

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