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Brezenbacken, einen „Obatzdn“ anrühren und Jugendlichen bei der Vorbereitung zum Schulalltag helfen: Martha Ehrtmann fühlt sich in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in Argentinien wohl.

Freiwilliges Soziales Jahr

Lenggrieserin für ein Jahr in Argentinien: Eintauchen in einen ganz anderen Alltag

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Seit drei Monaten verbringt Martha Ehrtmann aus Lenggries ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Argentinien. In einer Einrichtung der Salesianer Don Boscos arbeitet sie mit Jugendlichen. 

Santiago del Estero/Lenggries– Das „Oratorio Don Bosco“ in der Stadt Santiago del Estero in Nordargentinien ist eine Einrichtung für Buben, die vom Land kommen und dort keine Möglichkeit haben, eine weiterführende Schule abzuschließen. 30 Schüler zwischen 12 und 18 Jahren sind dort fest untergebracht und werden von drei Salesianern, den beiden FSJlern Martha Ehrtmann und Simon Weniger aus Regensburg sowie einigen externen Mitarbeitern betreut. Zudem gibt es abends ein offenes Jugendangebot, das sowohl Mädchen als auch Buben zur Verfügung steht. „Hier kommen zurzeit vor allem jüngere Kinder, so ab neun Jahren“, berichtet Ehrtmann am Telefon. Die junge Frau, die im Sommer ihr Abi an der Tölzer Fachoberschule ablegte, entschied sich erst in dieser Zeit für ein FSJ-Jahr im Ausland, weil sie „anderen Menschen etwas zurückgeben möchte“. Die 19-Jährige ist im Rahmen des „Weltwärts“-Programms unterwegs, ein Freiwilligendienst in Trägerschaft der Salesianer Don Boscos. Die Ausbildungen dazu finden unter anderem im Kloster Benediktbeuern statt.

Der Schulalltag ist anders: Vormittags frei, nachmittags Unterricht

In Argentinien hat sich die 19-Jährige mittlerweile gut eingelebt: „Die größte Umstellung war erstmal der Tagesablauf, denn in Südamerika geht das Leben bis weit in die Nacht hinein, und Abendessen gibt es in der Regel um 22 Uhr“, berichtet Martha Ehrtmann. Dafür werde mittags ein paar Stunden Siesta gemacht.

Auch der Schulalltag ist anders – denn die Schüler, die fest im Oratorio untergebracht sind, haben vormittags frei und erst nachmittags Unterricht. „Für Südamerika ist das nicht ungewöhnlich“, erklärt die junge Frau. In der Regel sei die Grundschule vormittags, die weiterführende Schule nachmittags. „Aber das variiert auch je nach Provinz“, fügt sie lächelnd hinzu.

Argentinier lernen das Brezen-Backen

An einem normalen Werktag wird morgens gemeinsam gefrühstückt, dann helfen die beiden FSJler den Jugendlichen bei der Vorbereitung für die Schule. Die Buben müssen unter Aufsicht der beiden auch kleine Arbeiten im Haushalt erledigen. Wenn die Schule dann gegen 19 Uhr zu Ende ist, kümmern sich die beiden FSJler wieder um die Jugendlichen und bieten regelmäßig kleine Freizeitaktivitäten oder Workshops an, die sie sich gemeinsam ausgedacht haben – zum Beispiel Brezenbacken. „Das haben sie mit viel Spaß gemacht, und das hat uns auch sehr gefreut. Es war ja etwas aus unserer Heimat.“

Martha Ehrtmann ist die einzige Frau im Team. Erfahrungen mit der südamerikanischen Macho-Kultur hat sie seitens der Jugendlichen auch schon gemacht. „Einerseits werde ich sehr höflich und respektvoll behandelt“, sagt sie. „Andererseits merke ich schon, dass die Buben bei mir schneller aufmümpfiger werden als bei Simon. Ich muss manchmal mit mehr Nachdruck etwas sagen, wenn es zum Beispiel darum geht, Regeln einzuhalten.“

Ein paar Brocken Bairisch hat die Lenggrieserin auch schon vermittelt

Sprachlich kommt die 19-Jährige, die an der Schule schon Spanisch hatte, mittlerweile gut zurecht. „Die Leute sprechen hier Dialekt, aber man gewöhnt sich dran.“ Die beiden FSJler haben derzeit Spaß daran, sowohl den Salesianern als auch den Jugendlichen ein paar Brocken Bairisch beizubringen – von „Ochkatzlschwoaf“ bis „Obatzda“. Diesen haben sie auch schon zubereitet. „Die Patres sind total neugierig auf typisches deutsches Essen und wollen so viel wie möglich probieren.“

Vor Kurzem besuchte sie mit den Salesianern einige der Herkunftsfamilien der Kinder und sah, wie groß die Armut auf dem Land ist. „Die Gastfreundschaft war trotzdem überwältigend“, berichtet die Lenggrieserin. Die Gemeinschaft, das habe sie in den vergangenen Monaten gelernt, spiele in Südamerika eine ganz andere Rolle als in Deutschland. „Der Stellenwert ist viel größer, und Gemeinschaft wird nicht nur auf die Familie reduziert, sondern schließt auch Bekannte und Nachbarn ein.“ Generell erlebe sie die Menschen als sehr unkompliziert und offen: „Das ist super.“

Heimweh hatte die junge Frau bis jetzt noch nicht

Während sie zu Hause jemand war, der alles gerne plante, müsse sie jetzt damit klarkommen, dass vieles spontan organisiert werde. „Das ist mir anfangs nicht ganz leicht gefallen“, gibt die 19-Jährige zu. „Aber eigentlich ist es eine gute Gelegenheit, so etwas mal zu erfahren.“

Auch Weihnachten hat die junge Frau in Santiago del Estero verbracht. Heimweh hatte sie bislang nicht, „auch wenn ich beim Skypen mit daheim schon ein bisschen wehmütig daran gedacht habe, wie wir Heiligabend feiern“. Denn von einer besinnlichen Zeit könne in Argentinien keine Rede sein. An Heiligabend gab es nach der Messe ein Festmahl, und um Mitternacht eine riesige Feier mit Feuerwerk: „Wie bei uns an Silvester:“ Über Silvester hatte die 19-Jährige „Urlaub“ und verbrachte mit anderen FSJlern freie Tage in Bolivien. Jetzt wird sie sich in Santiago del Estero um die Kinder kümmern, die bei Don Bosco eine Ferienfreizeit verbringen, denn die Schule beginnt in Argentinien erst wieder im März. 300 Kinder für die Ferienzeit werden erwartet. „Das wird bestimmt anstrengend, aber ich freue mich drauf.“ Sie wollen Spiele anbieten und Workshops zum Thema Umweltschutz und schonenden Umgang mit Ressourcen.

Unterstützung für Martha Ehrtmann

Martha Ehrtmann wird noch bis August in Argentinien bleiben. Auf dem Blog https://blogs.donboscovolunteers.de/tauschealpengegenanden/ berichtet sie über ihre Erlebnisse. Es ist Teil des Programms, das die FSJler einen Teil selbst finanzieren und Spenden für „ihr“ Projekt von Don Bosco sammeln. Wer die Lenggrieserin unterstützen will, kann das über dieses Konto: Don Bosco Mission, Liga Bank München. IBAN: DE 66 7509 0300 0102 1418 76; Verwendungszweck: Martha Ehrtmann S19VR028

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