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Vom Talar- zum Anzugträger: Nach seinem letzten Gottesdienst feierte Pfarrer Stefan Huber mit der Kirchengemeinde und vielen Gästen, darunter (v. li.) Dekan Martin Steinbach, Dekanats-Senior Georg Bücheler, Bürgermeister Werner Weindl, Schulleiter Christoph Beck und Pfarrer Josef Kraller.

Evangelische Waldkirche

Der letzte Gottesdienst des Lenggrieser Pfarrers: „Was für ein Tag“

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Mit einem letzten Gottesdienst und einem fröhlichen Sommerfest verabschiedete sich Pfarrer Stefan Huber von seiner Gemeinde.

Lenggries – Sein letzter Gottesdienst ist vorbei. Stefan Huber knöpft seinen Talar auf, um die nun folgende Abschiedsrede im Anzug zu halten. Diesen Moment habe er sich genau so überlegt, sagt der 52-Jährige und witzelt: „Aber nicht, dass dann in der Zeitung steht, ,Pfarrer Huber hängt seinen Talar an den Nagel‘.“ Diese Phrase trifft es zwar eigentlich ganz gut, aber es lässt sich natürlich auch anders ausdrücken. Nach 15 Jahren als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lenggries wechselt Huber in den Schuldienst. Ab Herbst unterrichtet er am St.-Ursula-Gymnasium Hohenburg und am Gymnasium Tegernsee. Am Sonntag verabschiedete er sich von Gemeindemitgliedern, Wegbegleitern und geladenen Gästen.

Den Gottesdienst wollte Huber eigentlich auf der Wiese vor der Kirche feiern. Dort hatten in den vergangenen Jahren immer wieder besondere Gottesdienste stattgefunden. Doch da es bis zuletzt geregnet hat, drängten sich die Gottesdienstteilnehmer in den Altarraum und angrenzenden Saal. „Das ist ja fast wie an Heiligabend“, kommentierte der Pfarrer die volle Kirche.

Seine Predigt dreht sich um die Mondlandung

Mit seiner letzten Predigt gab Huber zu verstehen, dass er sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen will. „Was für ein Tag“, sagte er zu Beginn und sprach von Aufregung, dem Aufwand der Vorbereitung und davon, was alles hätte schief gehen können. Die Auflösung kam schnell: Es ging nicht um diesen Tag der Verabschiedung, sondern um die Mondlandung vor 50 Jahren. Im Folgenden spann Huber den Bogen zu den Herausforderungen auf der Erde und den steigenden Austrittszahlen aus der Kirche. „Wir sollten nicht fragen, was die Kirche braucht, sondern was die Menschen brauchen“, so Huber.

Dekan Martin Steinbach entließ ihn anschließend und lobte dessen „umsichtige und wirklich gute Arbeit“. Er dankte zudem unter anderem Hubers Frau Lorena, die als Religionspädagogin in der Region arbeitet, und den Kindern Sarah, Laura und Lea sowie dem Kirchenvorstand. „Es haben viele mitgewirkt, denen Sie zum Wirken Raum gegeben haben“, so Steinbach.

Clara Dieterich (Sopran) und Valentin Steffens (Klavier und Leitung) sowie der Chor der Waldkirche gestalteten die Verabschiedung musikalisch. Letzterer gab Stefan Huber in einem sorgfältig ausgewählten Schlusslied mit auf dem Weg: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Stefan Huber ist der einzig wahre Waldkirchenkönig

Nahtlos an den Gottesdienst schlossen sich Grußworte, in denen deutlich wurde, wie verwurzelt Huber in der christlichen und politischen Gemeinde war. Der katholische Pfarrer Josef Kraller hob die Gastfreundschaft hervor, die er bei Huber immer empfunden habe. Das gute persönliche Miteinander war Bürgermeister Werner Weindl immer wichtig, wie er sagte. Nachdem die Wettkämpfe von Huber und Weindl bei den Sommerfesten in den vergangenen Jahren fast schon zur Tradition geworden sind, forderte der Bürgermeister eine letzte Revanche. Die sollte er später auch noch bekommen – unterlag jedoch beim Toreschießen, Masskrugstemmen und Wasserspritzen. Huber wurde zum „einzig wahren Waldkirchenkönig“ ernannt und Weindl blieb lediglich ein Prinzessinnenkrönchen.

Laut einer Bestimmung sollten Pfarrer alle zehn bis zwölf Jahre die Stelle wechseln. Die Entscheidung zur Veränderung traf die Familie letztlich trotzdem selbst. Durch seinen Wechsel in den Schuldienst kann sie in Lenggries wohnen bleiben. „Wir haben unser Herz an Lenggries verloren, hier ist unser Herz zuhause“, brachte es Lorena Huber auf den Punkt. Für die anstehende Zeit als Wahl-Lenggrieser steckte der Kirchenvorstand seinem Pfarrer einen Gutschein für eine Lederhose in eine übergroße Schultüte und bereitete ihm beim auf den offiziellen Teil folgenden Gemeindefest einen persönlichen und herzlichen Abschied.

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