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Luise Gams Vorsitzende der Lenggrieser SPD

Ortsverein

Die letzten Tage der Lenggrieser SPD

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Lenggries - Seit 71 Jahren gibt es den Lenggrieser SPD-Ortsverein. Doch bald könnte er der Vergangenheit angehören: Es gibt niemanden mehr, der sich im Vorstand engagieren will.

Es war nie einfach für die SPD in der Brauneckgemeinde. Allerdings hatte sie sich über Jahrzehnte als Fraktion im Gemeinderat etabliert. Vier Sitze hatten die Genossen maximal, zuletzt waren sie mit drei Mandaten vertreten. Obwohl in der Minderheit sorgten sie durchaus immer wieder für lebhafte Diskussionen in dem Gremium.

2014 konnten sich die Gemeinderäte Luise Gams, Dr. Karl Probst und Veronika Aschenloher allerdings nicht mehr zu einer erneuten Kandidatur bei den Kommunalwahlen durchringen. „Dass wir alle drei gleichzeitig aufgehört haben, war unser Untergang“, sagt Gams heute selbstkritisch. Sie habe aber nach fast 20 Jahren im Amt „einfach keine Kraft mehr gehabt“.

Ähnlich geht es der 61-Jährigen auch jetzt. Seit 1999 führt sie den Ortsverein. Nun sei es einfach genug. Bei den anstehenden Neuwahlen im Frühjahr wird sie nicht mehr antreten. Eine Entscheidung, die sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnete. Der SPD-Ortsverein war einfach abgetaucht. Es gab keine einzige Veranstaltung, die Jahresversammlung wurde nicht öffentlich abgehalten. „Weil wir die Situation mit den Mitgliedern besprechen wollten“, sagt Gams. Natürlich fänden es einige der rund 30 Mitglieder nicht gut, „wenn es uns nicht mehr geben würde“, sagt die Lenggrieserin. Bereit dazu, Verantwortung im Vorstand zu übernehmen, sei aber auch niemand, fügt sie bedauernd hinzu. Sie selbst findet es „natürlich auch schade“. Zumal eine 10 000-Einwohner-Gemeinde wie Lenggries neben CSU und Freien Wählern gut eine dritte politische Kraft vertragen könnte.

Aber auch aus einem ganz persönlichen Grund bedauert Gams den Niedergang. Schließlich war es ihr Großvater Georg Simson, der den Ortsverein im Januar 1946 mit begründet hatte. „Und 71 Jahre später stirbt er mit mir“, sagt Gams.

Die einzige gute Nachricht ist, dass der Ortsverein nicht wirklich aufgelöst wird, sollte sich kein neuer Vorstand finden. „Wir würden dann die Angliederung nach Tölz beschließen“, sagt die Vorsitzende. Hier habe es auch bereits Gespräche gegeben. Kein Einzelfall im Landkreis, dasselbe Schicksal ereilte 2010 bereits den SPD-Ortsverein Greiling/Reichersbeuern/Sachsenkam. Auch dort hatte sich niemand mehr gefunden, der bereit war ein Amt zu übernehmen.

Ganz hat Gams die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich vielleicht doch noch jemand findet, der im Frühjahr für ihren Posten kandidiert. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch jemand Engagiertes finden würde.“ Auch zu einem späteren Zeitpunkt wäre es durchaus möglich, den Ortsverein wieder zu reaktivieren. Und vielleicht gibt es ja 2020 bei den nächsten Kommunalwahlen doch wieder eine SPD-Liste in Lenggries. Gams: „Das wäre meines Wissens auch nach einer Angliederung an Bad Tölz möglich. Die Frage ist allerdings auch hier: Wer will sich denn als Kandidat engagieren?“

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