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Chef, Junior und „Knecht Gottes“: Das Göttliche kommt bei Puppenkabarettist Josef Pretterer ganz handfest daher.

Figurenkabarett im KKK

Licht ins Dunkel der Ursuppe bringen

„Knecht Gottes online“ heißt das Best-off-Programm, das Josef Pretterer jetzt im KKK auf die Bühne brachte. Allerdings war nicht immer ein roter Faden erkennbar.

Lenggries –Das Göttliche als GmbH: ein Chef, sein Junior, dessen Praktikum auf der Erde nicht so gut gelaufen ist („die haben ihn da aufs Kreuz gelegt“), und ein sächselnder Hausmeister, der mit Hilfe seines dampfenden Ur-Laptops Licht ins Dunkel der Menschwerdung bringen will. Das Publikum im „KKK“ bekam beim Auftritt des Puppenkabarettisten Josef Pretterer eine ungefähre Ahnung davon, was schief gelaufen sein könnte bei der Schöpfung des Homo Sapiens.

„Knecht Gottes online“ nennt Pretterer sein Best-of-Medley, das er aus seinen bisher acht Programmen zusammengestellt hat. Seine Darsteller sind fantasievolle, bunte, ausdrucksvolle Figuren aller Größen, mit denen er immer wieder Szenen eindrucksvoll untermauert. Mit dabei: Gier und Geiz, die Geißeln der Menschheit; Luzifer, der weniger böse als viel eher tumb, schielend und stotternd daherkommt; zwei schlüpfrige Schnecken; ein Ei und eine Samenzelle und so manch‘ einzelnes Körperteil, mit dem Pretterer den Bausatz Mensch anschaulich demonstriert. Mit seinem Figurenkabarett, das den wunderlichen Gedankengängen und der überbordenden Fantasie des Künstlers entsprungen zu sein scheint, geht er auf jeden Fall ungewöhnliche Wege. So manche Szene wirkt durch einäugige Fratzen oder überspitzte Charakterköpfe mit verschlungenen Extremitäten ziemlich irre und dadurch umso eindrucksvoller.

Allerdings ist so ein Zusammenschustern aus verschiedenen Highlights nicht immer die beste Idee. Aus dem Zusammenhang des jeweiligen Programms gerissen und mit nur sehr dünnem roten Faden aneinandergereiht, bildeten die einzelnen Szenen einen merkwürdig unrunden Abend, manches wirkte gar banal und schusselig. Es passt zwar zum zauseligen Charme des 69-jährigen, etwas zerstreut herumzuirren, mit Sicherheit auch zum Bühnencharakter. Aber dass sich Pretterer ein wenig schwer mit der Bühne des „KKK“ im Brauneckhotel tat, war deutlich – er bestätigte es nach der Show auch selbst. Seine teils überlebensgroßen Figuren brauchen Raum, den die kleine Bühne nicht bot.

Und das Anliegen Pretterers, hinter dem man letztendlich einen Romantiker vermuten kann, der seiner Illusionen beraubt wurde, blieb durch das willkürliche Nacheinander blass. Viele geniale und hintergründige Ideen entspringen seinem Kopf, und wenn er sich die Zeit und den Raum nimmt, diese zu entfalten, kommt etwas Großartiges dabei heraus. Das hat man in seinen bisherigen Programmen gesehen.

So war der Abend ein bisschen wie die Aufgabe des göttlichen Hausmeisters: in der Ursuppe löffeln und nicht genau wissen, welche Kombination herauskommt. Unterhaltsam war es dennoch, allein der Anblick der selbst gebauten Puppen aus Schaumstoff und Nesseltuch (70 hat Pretterer schon gefertigt), ist eine echte Schau. (Ines Gokus)

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