1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Lenggries

Lisa Busch hat in Lenggries viel bewegt - mit 59 Jahren ist sie gestorben

Erstellt:

Von: Felicitas Bogner

Kommentare

Lisa Busch hat ihre Heimat geliebt. „Schon im März war sie mit Freundinnen am Sylvensteinsee anbaden. Im Sommer ging sie zum Schwimmen an die Isar bei Anger, wo sie mit ihrem Sohn gelebt hat“, sagt ihre Tochter.
Lisa Busch hat ihre Heimat geliebt. „Schon im März war sie mit Freundinnen am Sylvensteinsee anbaden. Im Sommer ging sie zum Schwimmen an die Isar bei Anger, wo sie mit ihrem Sohn gelebt hat“, sagt ihre Tochter. © privat

Lisa Busch war in Lenggries keine Unbekannte. Sie war in vielen Vereinen aktiv und hat den Ortsverband der Grünen mitgegründet. Nun ist sie mit 59 Jahren gestorben.

Lenggries/Anger – Lisa Busch war eine Frau der Tat. Sie erkannte Themen, konnte sich mit diesen identifizieren und setzte ihre Ideen mit Herzblut um. So trug sie auch im Jahr 2019 maßgeblich zur Gründung des Grünen-Ortsverbands Lenggries/Gaißach/Jachenau bei. Bis im August dieses Jahres war sie hier auch noch als Ortsvorsitzende tätig. Am Sonntag (18. September) ist sie im Alter von 59 Jahren gestorben. „Sie hat mit ihrem integrativen Wesen viel erreicht und einen großen Beitrag bezüglich der Entwicklungsarbeit im Isarwinkel geleistet“, sagt ihre Parteifreundin Barbara Schwendner. „Sie war ein herzensguter, scharfsinniger und umsichtiger Mensch.“

Über die Partei verbunden war Lisa Busch auch mit dem Dritten Landrat Klaus Koch. „Es gehört eine große Portion Mut dazu, sich in Lenggries als eine der ersten zu den Grünen zu bekennen. Da gewinnt man nicht nur Anhänger“, sagt er. Dem mutigen Wesen von Lisa Busch habe man es zu verdanken, so Koch, dass bei den Kommunalwahlen 2020 drei Kandidaten der Grünen in den Lenggrieser Gemeinderat eingezogen sind. Aber nicht nur im politischen Sinne waren Koch und Busch verbunden. Sie arbeiteten auch gemeinsam. „Als Sozialarbeiterin war Lisa Busch an der Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule eine geschätzte Mitarbeiterin.“ Sie habe im Rahmen eines Förderprogramms Schüler in den Beruf begleitet. „Sie hatte generell eine mütterliche Art und hat die Schüler gemocht.“

Lisa Busch hat Kampf gegen den Krebs nach 8 Monaten verloren

Bis zuletzt habe ihre Mutter in Rosenheim den Standort des Bildungszentrums „Donner und Partner“ geleitet, berichtet Tochter Theresa. In einem Punkt seien sich alle aus der Familie einig: „Meine Mama war ein durch und durch herzlicher und humorvoller Mensch.“ Trotz des kräftezehrenden Kampfes gegen den Krebs sei sie immer gut drauf und positiv eingestellt gewesen, sagt Theresa Busch. Vor acht Monaten habe ihre Mutter die Diagnose erhalten. „Sie hat bis kurz vor ihrem Tod gemeint, sie würde damit noch einige Jahre leben können – selbst als sie bereits auf der Palliativstation lag“, berichtet ihre 28-jährige Tochter, die damit auch im Namen ihres 32-jährigen Bruders Hannes und der Schwester von Lisa Busch spricht. Vor vier Jahren sei Busch das erste Mal Großmutter geworden. „In der Rolle ist sie auch aufgegangen“, sagt die Tochter. Das Allerwichtigste sei Lisa Busch immer ihre Heimat gewesen. „Sie hat es geliebt, in Lenggries zu leben und sich hier zu engagieren.“

Neben ihrem politischen Einsatz war sie im Verein Schutz (Schwule und Lesben im Oberland), dem VdK Lenggries sowie der alt-katholischen Kirchengemeinde aktiv. „Dabei wollte sie aber nie die erste Geige spielen. Sie war viel mehr ein Teamplayer und eine hilfsbereite Vermittlerin“, meint der alt-katholische Pfarrer Peter Priller, der am kommenden Montag seine langjährige Wegbegleiterin in ihrem geliebten Lenggries beerdigen wird. „Sie hat es immer gespürt, wenn jemand Hilfe gebraucht hat und sich dann dafür eingesetzt, dass derjenige seinen Raum bekommt“, erinnert sich Priller. So sei es auch Busch zu verdanken, dass viele lesbische Frauen den Weg zu „Schutz“ gefunden haben.

Lisa Busch hinterlässt in Lenggries große Lücken

Ein Hilfsangebot, das von Lisa Busch ausging, war auch der Beginn ihrer Freundschaft zu Amanda Reiter. Nachdem die Sportlerin und Softwareentwicklerin auf einem Faschingszug aufgrund ihrer Transsexualität in der Gemeinde öffentlich verspottet worden war (wir berichteten), kam Busch auf Reiter zu. „Ich habe eigentlich keine direkte Hilfe gebraucht, aber ich fand es bemerkenswert, wie sie sich für mich und auch gegen diese Diskriminierung stark gemacht hat“, huldigt Reiter der Verstorbenen. Unter anderem mit Buschs Mithilfe kam es dann auch zu der öffentlichen Aufarbeitung des Vorfalls bei einem Treffen im „Pfaffensteffl“. „Sie hat für alles gekämpft, das ihr am Herzen lag.“ Gemeinsam hätten die beiden Frauen dann die Gründung eines Grünen-Ortsverbands vorangetrieben. „Sie war sehr mutig und für andere da.“

Nicht nur das, meint ihre Tochter: „Sie hat das Wohl anderer immer über ihr eigenes gestellt.“ Umso mehr ist Theresa Busch nun – trotz aller Trauer – froh, ihrer Mutter ihren tiefen Dank noch einmal ausgesprochen zu haben. „Ich habe ihr erst kürzlich gesagt, wie dankbar ich um die wunderschöne Kindheit bin, die sie uns geschenkt hat.“ Neben tiefer Dankbarkeit und Erinnerungen hinterlässt Lisa Busch eine große Lücke im Ort, bei „Schutz“, in der alt-katholischen Kirche, im Ortsverband, im VdK – eine große Lücke, die schwer zu füllen sein wird, sind sich Familie, Freunde und Wegbegleiter einig.

(Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Auch interessant

Kommentare