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Carola und Fabio Cinelli von der Firma „Oberlandla“.

„Kein Ergebnis, um Sektkorken knallen zu lassen“

Streit um Mundart-Spruch beigelegt: Martina Schwarzmann und Modelabel „Oberlandla“ einigen sich 

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    Andreas Steppan
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Wem gehört die bairische Sprache? Daraum stritten sich Kabarettistin Martina Schwarzmann und das Modelabel „Oberlandla“ aus Lenggries. Nun kam es überraschend zur Einigung.

Lenggries– Das Lenggrieser Modelabel „Oberlandla“ und die Kabarettistin Martina Schwarzmann haben den Streit um die Verwendung des Mundart-Spruchs „Mia langt, dass I woas, dass I kannt, wenn I woin dad“ beigelegt.

Stein des Anstoßes: Die Lenggrieser Modefirma „Oberlandla“, die den umstrittenen Satz auf ihre Kleidungsstücke druckt, habe diesen aus einem Liedtext der Künstlerin geklaut, rügte Schwarzmanns Musikverlagund zog gegen das Unternehmen vor Gericht – mit einer Unterlassungsklage nach dem Urheberrecht. Der Geschäftsinhaber Fabio Cinelli wehrte sich gegen den Vorwurf: „Sprache kann nicht monopolisiert werden. Sie muss Allgemeingut bleiben.“ Seiner Meinung nach handele es sich dabei um eine Redewendung, die bereits seine Oma benutzt habe.

Umstrittener Spruch „Mia langt, dass I woas, dass I kannt, wenn I woin dad“

Selbst ein Gutachter, der mit der bairischen Mundart vertraut ist, konnte keine eindeutige Klärung in diesem Verfahren herbeiführen. Und sowohl der Beklagte als auch die Klägerin beharren nach wie vor auf ihren Rechtsstandpunkten. Dennoch: Beide Parteien haben sich gütlich geeinigt, um ihre Wertschätzung für die bairische Mundart in all ihrer Vielfalt zum Ausdruck zu bringen. 

Und einen Gewinner gibt es in jedem Fall: Cinelli hat sich verpflichtet, von den künftigen Erlösen der T-Shirts mit dem besagten Spruch zwei Euro pro Shirt an den oberbayerischen Sender „Radio Buh“ zu spenden. Dieser, von La-Brass-Banda-Frontmann Stefan Dettl gegründet, fördert unter anderem bayerische Nachwuchskünstler. Schwarzmann wird sich im Gegenzug nicht mehr gegen den Vertrieb der Oberbekleidung mit dem Spruch wenden.

Streit zwischen Martina Schwarzmann und Lenggrieser Modelabel endet mit Vergleich

„Es ist für uns kein Ergebnis, um die Sektkorken knallen zu lassen“, sagt Fabio Cinelli im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. „Aber es in Ordnung. Jetzt ist die Sache vorbei, und das ist gut so.“

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Das betreffende T-Shirt hatte er wegen der Klage zwischenzeitlich aus dem Sortiment genommen. „Aber einen Tag nach dem letzten Gütetermin vor Gericht haben wir das geändert: Seit Allerheiligen verkaufen wir es wieder“, erklärt er. Durch die aktuelle Medienberichterstattung sei der Verkauf kurzfristig gestiegen. „Aber ob das in zwei Wochen noch so ist, wird man sehen müssen.“

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Insgesamt sei der Rechtsstreit für ihn und seine Firm eine schlechte Erfahrung gewesen. „Wir haben dadurch nichts gewonnen. Um dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen, versuche ich, mir einzureden: Jede Werbung ist gute Werbung. Aber wir haben viel mehr Geld, Nerven und Energie in den Rechtsstreit investiert, als wir davon profitiert hätten.“

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Kommentare

ManfredAntwort
(3)(0)

Den Spruch kannte ich schon Jahre vor dieser Gerichts-Posse.
Woher die Schwarzmann die Chuzpe hernimmt, ist schon eine Frechheit.
Hauptsache ein den Schlagzeilen bleiben.

ManfredAntwort
(2)(0)

Dieser Stern ist gewaltig am sinken.

WoifiAntwort
(1)(0)

Ja, jeder Kreative...!
Aber auch ich kannte den Spruch schon aus meiner Schulzeit.
Ein Patent darauf hat Martina Schwarzmann also garantiert nicht!