Keine der 144 Hochalmen wurde aufgegeben. Die Zahl der Rinder stieg von 3807 im Vorjahr auf 3871  in 2020.
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Keine der 144 Hochalmen wurde aufgegeben. Die Zahl der Rinder stieg von 3807 im Vorjahr auf 3871 in 2020.

Saison-Fazit 2020

Mehr Rinder, Wölfe und Urlauber auf den Almen

Der Almbauernverband Oberbayern hat jetzt seine statistische Auswertung für die Almsaison 2020 veröffentlicht.

Lenggries – Die Statistik macht deutlich, dass die Almwirtschaft im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weiterhin eine stabile Größe ist. Keine der 144 Hochalmen wurde aufgegeben, und es wurden 3259 Hektar Weidefläche genutzt, sogar zwei mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Rinder stieg von 3807 im Vorjahr auf 3871 in gleicher Weise leicht an wie die Zahl der Pensionstiere (576 gegenüber 568 in 2019). Zum ganz überwiegenden Teil waren Kälber und Jungrinder auf den Almen, im Vergleich dazu war die Zahl der Milchkühe und Mutterkühe mit 155 Stück verschwindend gering. Außerdem weideten auch 67 Pferde und 170 Schafe auf den Almen.

Der Almsommer 2020 hat sich in verschiedener Hinsicht von früheren Jahren unterschieden, wie Hans Stöckl betont, Leiter des Fachzentrums für Almwirtschaft am Amt für Landwirtschaft in Holzkirchen: Kennzeichnend für die Saison war demnach „ein abrupter Beginn und ein abruptes Ende“. Deren Beginn und Ende habe man deshalb leicht übersehen können.

Zu Beginn war aufgrund der überdurchschnittlich hohen Temperaturen auf einen Schlag sehr viel Futter vorhanden, weshalb man leicht den günstigsten Zeitpunkt zum Auftrieb verpassen konnte: „Sehr viele Almweiden zeigen es im Herbst deutlich, dass zu Beginn der Almsaison mehr Vieh auf die Weiden müsste“, betont Hans Stöckl. Weidereste, die im Frühsommer entstünden, würden im Herbst nicht mehr abgefressen, denn „Futtervorrat kann über den Almsommer nicht angelegt werden“.

Der Wolf wird von Almbauern nicht gerne gesehen.

Am letzten Septemberwochenende sind manche Almbauern dann von einem abrupten Wintereinbruch überrascht worden, der in den höheren Lagen einen halben Meter Neuschnee brachte und den Almabtrieb zum Problem werden ließ.

Johann Stöckl weist auch auf die zunehmende Bedrohung durch den Wolf hin. In der Region seien mehrere Schafe gerissen wurden. Bei Rindern konnte bislang zwar kein Riss durch einzelne Wölfe nachgewiesen werden, aber Stöckl betont: „Es gibt Berichte über große Unruhe in der Herde, aufgebrachte Tiere und Aggressionen gegen Hunde. Hier wird vermutlich nicht zu Unrecht die Anwesenheit von Wölfen oder Ähnlichem vermutet.“

Stöckl sprach sich deshalb erneut für sogenannte wolfsfreie Zonen aus: Dem Schutz und Erhalt der bäuerlichen Weide-, Alm-, Freiland- und Offenstallhaltung mit ihren umfassenden Leistungen für Kulturlandschaft, Artenvielfalt und Tierwohl sei „im Verhältnis zum Wolf der Vorrang einzuräumen“.

Aber nicht nur der Wolf habe Unruhe auf den Almen verbreitet, sagt Hans Stöckl: „An manchen Tagen wurden die oberbayerischen Almgebiete förmlich überrollt von Ausflüglern und Urlaubern.“ Da Fernreisen aufgrund von Corona nicht möglich waren, seien viele vermutlich zum ersten Mal und ohne Kenntnisse in die Berge gekommen, wobei wohl „so mancher die Bewirtung auf der Alm mit einer All-inclusive-Reise nach Mallorca verwechselt“ habe.

Fünf langjährige Almleute sind vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern heuer für ihren Einsatz geehrt worden: Markus Brandhofer war 30 Sommer auf der Grammersbergalm und Richard Hohenreiter 25 Sommer auf der Moosenalm, ferner Resi Beilhack (20 Sommer Ludernalm), Maria Baumgartner (15 Sommer Lärchkogl-/Ludernalm) und Anton Kristof (15 Sommer Oswaldhütte). (Rainer Bannier)

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